Grönemeyers Stadthymne "Bochum" auf dem Prüfstand
31.12.2009 | 07:00 Uhr 2009-12-31T07:00:00+0100Bochum. Seit 25 Jahren ist Herbert Grönemeyers "Bochum" die inoffizielle Bochumer Hymne. Wie sieht es heute mit den Aussagen des Hits aus?
1984 erschien die legendäre LP „4630 Bochum”. Seitdem ist ein Vierteljahrhundert vergangen, 'ne lange Zeit. Vieles veränderte sich, manches blieb. Wie steht es mit den von Herbie vor 25 Jahren getroffenen Aussagen über Bochum? Schau'n mer mal...
„Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt...”
O.k, Duisburg liegt noch weiter westlich, aber Industriestaub und Auspuffgase muss die Sonne auch hierzulande immer durchdringen - wenn auch nicht mehr in der Maße wie früher. Dafür haben wir jetzt den Feinstaub im Hals.
„...ist es besser, viel besser, als man glaubt!”
Das gilt für viele Städte mit eher bescheidenem Ruf, aber Tatsache ist: Bochum schrumpft. Nicht nur wegen eines Überhangs an Toten. Hatte die Stadt 1984 noch fast 400 000 Einwohner, so rechnet man bis 2015 nur noch mit 366 000. Noch immer ziehen mehr Menschen weg, als neue zuziehen.
„Du bist keine Schönheit...”
Nee, nicht wirklich! Wer mit offenen Augen durch die Innenstadt tigert, der wird immer wieder entsetzt sein über die strengen, schnörkellosen Rasterfassaden. Kaum, dass sich das Auge irgendwo festhalten kann, wie an den Kriegs-Überlebenden Mutter Wittig oder Rietkötter. 80 % der Innenstadt lagen 1945 in Trümmern, den Rest besorgte in den 60er Jahren die Stadtsanierung.
„.. vor Arbeit ganz grau.”
Maloche! Das war die Losung vor 25 Jahren. Die Industriearbeitsplätze, die Gröni im Sinn hatte, sind stark zurückgegangen. Der Strukturwandel (Medizin) hat eingesetzt, ist aber weiter ausbaufähig.
„Liebst dich ohne Schminke...”
Für die meisten Bochums Häuser stimmt das nicht. Früher waren ihre „Gesichter” grau und trist. Inzwischen wurden viele renoviert und angestrichen. In Stahlhausen, Hamme und Goldhamme gab's dafür sogar Zuschüsse.
„Bist 'ne ehrliche Haut...”
Auf jeden Fall! Abgesehen von den Knackis, die in der Krümmede einsitzen.
„... leider total verbaut...”
Hatten wir ja eben schon. Klar gegliedert ist Bochum jedenfalls nicht gerade. Und überall von Autobahnen und längst aufgegebenen Bahnstrecken durchschnitten. „Du hast'n Pulsschlag aus Stahl. Man hört ihn laut in der Nacht.”
Tja, das gibt's nicht mehr. Das Dröhnen der von Grönemeyer besungenen Stahlhämmer, die Geräusche der Stahlwerke, Zechen, der Industrie überhaupt, sie prägen Bochum längst nicht mehr. Aktuell gibt's noch rund 5000 Stahlarbeitsplätze in Bochum. In den 1960er Jahren waren es über 25 000.
„Bist einfach zu bescheiden!”
Immer schön hintanstellen! Bloß nicht vorpreschen! Das ist immer noch der Bochumer Stil. „Mal auf die Sahne zu hauen”, das hat hierzulande einfach keine Tradition.
„Dein Grubengold hat uns wieder hoch geholt, du Blume im Revier!”
Prinz Regent, Hannibal, Friedlicher Nachbar, Mansfeld, Bruchstraße - Bochums Zechen sind längst Geschichte. „Blumig” sind die vielen Parks und die grünen Hänge der Ruhr. Immerhin über 30 % Grünflächen weist die Stadt auf.
„Du bist keine Weltstadt!”
Kein Einspruch, Euer Ehren!
„Auf deiner Königsallee finden keine Modenschauen statt.”
Nein, da nicht. Aber manchmal auf der Huestraße. Die Königsallee hat ihr Schauspielhaus und ansonsten ihre Berechtigung als Ausfallstraße in den grünen Süden.
„Hier wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld! Wer wohnt schon in Düsseldorf?”
Immerhin 580 000 Menschen, rund 200 000 mehr als in Bochum.
„Du bist das Himmelbett für Tauben.”
Die „Rennpferde des kleinen Mannes” hielten sich früher etliche Berg- und Stahlarbeiter - und nicht nur sie. Heute gibt es in Bochum vielleicht noch 1500 aktive Taubenväter. In den 70er Jahren waren es zehnmal so viele. Dafür hat die Wildtaubenplage in der Innenstadt epidemisch zugenommen.
„Und ständig auf Koks.”
Gekokst wird in Bochum auch. Rund 40 Ermittlungen wegen Kokain-Konsum werden im Jahr im Schnitt geführt. Den schwarze „Koks” der Kokereien und des Hausbrandes, er hat längst ausgedient.
„Hast im Schrebergarten deine Laube....”
Stimmt immer noch. Rund 80 Kleingartenvereine mit annähernd 10 000 Mitgliedern finden sich übers Stadtgebiet verstreut.
„Machst mit dem Doppelpass jeden Gegner nass, du und dein VfL!”
Vielleicht die schönste Zeile, weil so super-optimistisch .. Doppelpässe kommen beim VfL aber schon noch vor.

20:24
Ob zeitgemäß oder nicht, ob voller Wahrheiten oder Fiktionen, völlig egal. Jeder echte Bochumer Junge bekommt eine Entenpelle, wenn Herbi das Lied anstimmt. Life und im Ruhrstadion bleibt kein Auge trocken und das ist es, was zählt.
14:08
„Bist einfach zu bescheiden!”
Immer schön hintanstellen! Bloß nicht vorpreschen! Das ist immer noch der Bochumer Stil. „Mal auf die Sahne zu hauen”, das hat hierzulande einfach keine Tradition.
Beim Projekt KONZERTHAUS wird hier in Bochum nicht nur auf die Sahne gehauen, sondern gleich ordentlich Butter produziert...
08:00
es kann nicht mehr zeitgemäß sein, das lied ist fast 20 jahre alt. grönemeyer lebt lange in london, aber das Lied ist Kunst, er war doch in der stadt auch künstlerisch tätig. ich suche immer noch das lied anna von ihm, findet sich leider online nicht.
20:17
Kann das sein das hier der neid raus kommt.
Das Lieb ist heute immer noch ein Hit,alles singen es und Spielen es...
Den andere Städte kommen bei so ein Hit nicht mit halten..
Herbert Bochum Dankt Dir..
Glück Auf.
13:59
Langssam kann man die Lobehudelei über die tollen Grönemeyers nicht mehr hören. Der Herbert ist o-kay aber der Dietrich - nein Danke!
12:04
Gab wohl nichts Gehaltvolles mehr zu berichten, oder man wollte lieber nicht mehr raus bei dem Wetter...
11:54
als ur bochumer und ur vfl er ist es eher kult dieses lied es spiegelt die menschen die im pott leben wieder und auch ihre städte . und selbst wenn ich selten in bochum bin ICH KOMME GERN HEIM spätestens wenn ich lese auf der A40 stadion und Starlight express weiss ich das ich daheim bin . GLÜCK AUF und Ein Neues frohes Jahr Allen WAZ LESERN
08:45
Man sollte nicht jeden Text stets sezieren - schon gar keine Liedertexe, die man im Grunde nur mit dem Herzen verstehen kann.