„Graue Wölfe“ beunruhigen Bürger in Bochum-Dahlhausen

An der Fassade eines Hauses an der Dr.-C.-Otto Straße ist ein Symbol der türkischen Nationalisten   zu erkennen. Foto: Ingo Otto
An der Fassade eines Hauses an der Dr.-C.-Otto Straße ist ein Symbol der türkischen Nationalisten zu erkennen. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.. Hell scheint die Februarsonne in den nüchternen Saal der ehemaligen Gaststätte „Alt Dahlhausen“. Dahlhausen prangt noch immer auf der Leuchttafel, die über der blickdichten Milchglas-Eingangstür hängt. Doch hinter der türkischen Inschrift verbirgt sich nichts anderes als eine Gruppe der sogenannten „Grauen Wölfe“. Am 28. November letzten Jahres feierte der Verein sein Eröffnungsfest. Unter den Augen des Staatsschutzes und der verunsicherten Dahlhauser Bevölkerung versucht dieser Ableger der vom Verfassungsschutz beobachteten nationalistischen türkischen Gruppierung Fuß zu fassen.

Werben zeigt Erfolg

Joachim Berndt ist 1. Vorsitzender von „Pro Dahlhausen“, der Interessensvertretung von rund 100 Vereinen und Einzelhändlern. Er beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Offenbar zeigt das Werben der mit der Attitüde der Saubermänner auftretenden türkischen Gruppe erste Erfolge:

Ja, die Grauen Wölfe, früher seien die mal gefährlich gewesen, nun hätten die sich aber komplett gewandelt, mit einer rein sozialen Struktur heutzutage, erzählte jemand dem Vorsitzenden: „Das scheint mir doch eine recht naive Vorstellung zu sein“, so Berndt.

Dort am Kreisverkehr, mitten in Dahlhausen, wenige Schritte gegenüber ragt eines der wenigen Neubau-Projekte der letzten Jahre auf, der Lidl-Markt, scheint ein ideales Pflaster zu sein. Zur Neueröffnung, der Dahlhauser Niederlassung, kamen auch Abordnungen der Frankfurter Zentrale. Offenbar ist etwas geplant am neuen Standort. Bisher gab es nur eine kleine Dependance an der Hermannshöhe.

Integration gleich Unterwerfung

Dr. Kemal Bozay ist Geschäftsführer der Ifak, der Verein, der sich seit 40 Jahren um die Integration von türkischen Migranten in Bochum bemüht. Das Geschehen beurteilt er kritisch. Bozay gilt als Kenner der Struktur der „Grauen Wölfe“. Vor zwei Jahren hielt er in Bochum ein viel beachtetes Referat bei einer Veranstaltung des Stadtjugendrings. „Die Grauen Wölfe politisieren, setzen auf Selbst-Abschottung, propagieren eine Selbst-Ethnisierung.“ Integration bedeute für sie schlicht „Unterwerfung“.

Manche türkischen Jugendliche fühlen sich dort offenbar gut aufgehoben. „Egal, was Du bis jetzt gemacht hast, Du bist bei uns willkommen“, sei eine Methode der Akzeptanz. Die Strategie sei immer ähnlich. Es gebe einen Jugendtreff, Info- und Beratungsangebote und spezielle Veranstaltungen für Familien. Auch dem Staatsschutz sind die Aktivitäten in Dahlhausen nicht entgangen. „Ja, es hat Hinweise aus der Bevölkerung gegeben.“ Mit Straftaten sei die Gruppe dort bislang nicht aufgefallen, die Situation werde beobachtet, heißt es aus Polizeikreisen.

Bürger über neuen Treffpunkt besorgt

Mit einer passiven Beobachterrolle mochte sich Bezirksbürgermeisterin Doris Erdmann (SPD) nicht zufrieden geben. Der Grund: Dahlhauser Bürger hatten sich mit besorgten Fragen über den neuen Treffpunkt an sie gewandt. Sie schrieb einen Brief an Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch. Doch mit rein baurechtlichen Methoden scheint den Grauen Wölfen nicht beizukommen sein. „Wir haben in der ehemaligen Gaststätte lediglich einen Türdurchbruch festgestellt“, so Kratzsch.

Für den NRW-Verfassungsschutz gibt die „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.“, so die offizielle Bezeichnung, Anlass zur Observation: „Zu den ideologischen Feinden gehören vor allem Kurden, Amerikaner, Juden und Armenier aber auch Angehörige gesellschaftlicher Minderheiten, zum Beispiel Homosexuelle.“ (NRW Verfassungsschutzbericht 2009)