GM erwägt offenbar Schließung des Opel-Werks Bochum
08.02.2012 | 09:23 Uhr 2012-02-08T09:23:16+0100
Bochum Laut Medienberichten ist der US-Konzern nicht mehr gewillt, die Verluste bei der europäischen Tochter hinzunehmen und will die Kapazitäten herunterschrauben. Die deutschen Betriebsräte werfen General Motors vor, mit Kürzungen in Deutschland Asien-Standorte zu finanzieren.
Der US-Autokonzern General Motors verliert offenbar die Geduld mit seiner kriselnden Tochter Opel und erwägt einem Bericht zufolge Werkschließungen unter anderem in Bochum. "Wenn Opel gerettet wird, dann jetzt, und die Einschnitte werden tief gehen", sagte ein nicht namentlich genannter GM-Manager dem New Yorker "Wall Street Journal".
Grund dafür seien "horrende" Verluste im vierten Quartal, hieß es. Neben Bochum mit seinen mehr als 3.000 Mitarbeitern könnte auch der britische Standort Ellesmere Port mit 2.100 Beschäftigten geschlossen werden.
Im Hintergrund dieser Aussagen laufen seit Monaten Gespräche zwischen Betriebsrat, Gewerkschaften und Konzern . Der Opel-Betriebsrat wirft der GM-Zentrale vor, den europäischen Standort aus Rendite-Erwägungen heraus systematisch zusammenzustreichen: Die Arbeitnehmervertreter fordern, Opel den Zugang zu weiteren Märkten zu gewähren. Nur mit einer Aufhebung der internen Exportbeschränkungen auf den europäischen Markt habe Opel die gleichen Wachtumschancen we alle anderen Automarken weltweit.
Derzeit produziert Opel in Europa schätzungsweise jährlich knapp 1,2 Millionen Autos, hat aber Kapazitäten für 1,6 Millionen Autos. Dagegen plant GM den Bau von 300.000 Opel-Autos in den Werken in Mexiko und Korea. "Wir sollen mit unserem Lohnverzicht den Aufbau neuer Werke außerhalb Europas unterstützen. Das ist nicht vorstellbar", so der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Er forderte, dass GM den Verkauf von Opel-Modellen in Wachstumsmärkten China, Indien und Brasilien erlaubt.
Schon jetzt unterbezahlt
Zugleich machte Einenkel deutlich, tigten im Bochumer Opel-Werk bereits untertariflich bezahlt würden . "Die Schmerzgrenze ist erreicht", sagte er. Als Teil des Sanierungsvertrages hatten die Opel-Beschäftigten 2010 und 2011 auf die Hälfte ihres tariflichen Urlaubs- und Weihnachtsgeldes verzichtet. Zudem wurde eine um 2,7 Prozent geplante Lohnerhöhung auf Februar 2012 verschoben. So sollten die deutschen Belegschaften jährlich 176 Millionen Euro einsparen. Die Vereinbarung zwischen GM und der Gewerkschaft IG Metall galt bis Ende 2011. Derzeit wird neu verhandelt - und das ist das Szenario für die neuerlichen Drohungen aus den USA.
Der erst vor drei Jahren mit Staatshilfe gerettete GM-Konzern hat mittlerweile die roten Zahlen weit hinter sich gelassen. Für 2011 dürfte er einen Gewinn von 8 Milliarden Dollar (6 Milliarden Euro) melden, wie die Finanzzeitung „Wall Street Journal“ berichtet. Dies wäre der höchste Jahresgewinn, den GM je erzielt hat.
2010 lag der Gewinn noch bei 4,7 Milliarden Dollar. Für den starken Zuwachs werden das gute Wachstum in China und hohe Profitabilität in Nordamerika verantwortlich gemacht. Die Bilanz soll am 16. Februar vorgestellt werden. Für die kommenden Jahre wird laut der Zeitung ein noch höherer Gewinn angestrebt. Zugunsten einer höheren Marge und besserer Rentabilität will General Motors auch auf Stückzahlen verzichten - zum Beispiel in Europa.
Bereits jetzt tiefe Einschnitte für die Belegschaft
Der alternative Weg: General Motors will mit dem geplanten Verzicht auf Teile der Lohnerhöhung die deutsche Automarke wieder profitabel machen. Unternehmensangaben zufolge ist in diesem Jahr eine Lohnerhöhung von 10,8 Prozent vorgesehen. Darin enthalten ist unter anderem ein im vergangenen Jahr aufgeschobenes Lohnplus von 2,7 Prozent. Zudem gehe es um Weihnachts- und Urlaubsgeld. Auf Teile davon hatten die Opel-Arbeiter 2010 und 2011 verzichtet. Bei den Lohnerhöhungen handele es sich um eine Gesamtsumme von 1,1 Milliarden Euro. Die Gewerkschaften allerdings wollen angesichts der bisher geleisteten Einschnitte da nicht zustimmen.
Opel war durch Missmanagement und Qualitätsprobleme tief in die Krise geraten. Im Zuge des von der US-Konzernmutter aufgelegten Sanierungsprogramms für den Rüsselsheimer Autobauer wurden seit 2010 europaweit 8.000 Stellen abgebaut. Das Werk im belgischen Antwerpen wurde geschlossen. In Deutschland war von der Sanierung auch das Werk Bochum betroffen, wo bisher rund 1.450 Stellen gestrichen und etwa 250 Beschäftigte in das 250 Kilometer entfernte Rüsselsheim versetzt wurden. Bei Opel sind derzeit rund 40.000 Menschen beschäftigt. (dapd, rtr)

22:33
Hat denn wirklich jemand geglaubt, dass GM das Opelwerk Bochum auf Dauer halten würde???
Wer das geglaubt hat, der glaubt auch an den Osterhasen..
14:12
Wer sich bei der Verteilung der Torte zu anständig verhält,der verhungert und bekommt vorher noch eins auf die Fresse.
Was ist das für eine schäbige Welt geworden ???
12:37
gerade der deutsche Autobauer, der noch Interesse und Möglichkeiten an Entwicklung und Fortschritt zu haben schien. Aber vielleicht gerade deshalb ?
Wäre besser gewesen, den Laden aus dem Konzern zu lösen und selbständig arbeiten zu lassen, statt die Anti-EU-Politik der US-Regierung zu stützen, aber Frau Bundeskanzler hat ebent keine Ei*er in den Hosen.
11:30
1.) GM soll für BOCHUM einen erträglich Sozialplan aufstellen und die Bude dicht machen. Aber die MItarbeiter ließen sich lieber mit massiven negativen Reallohnentwicklungen teilweise zu 100% im 3 Schichtbetrieb auslutschen. Während die scih in Rüsselsheim bei deutlich Unterauslastung die Taschen vollmachten.
2.) GMs Strategie an QUALITÄT bei OPEL zu sparen, führt OPEL im Portfolio neben Chevrolet ad absurdum und kannibalisiert die Marke. Einzige Ergebnis wird sein, dass die OPEL vom europäischen Markt verschwinden wird udn ein Nischendasein in Schwellenländern führen wird.
11:25
Wie?
Echt?
GM will das Werk in Bochum schließen.
Da lebe ich seit mehr als 40 Jahren in Bochum und höre das zum ersten Mal.
Ironie aus.
Dann haben wir ja bald in BO keinen Grund mehr, aus sozialen Gründen Stil-arme Autos zu fahren.
11:14
Nicht einfach. Verzichten die Opelarbeiter auf ihre Lohnerhöhung, dann besteht unter Umständen die Möglichkeit Bochum zu erhalten. Bestehen die Opelaner auf ihre Forderung, kann es durchaus sein das sich die meisten demnächst beim Arbeitsamt die Klinke in die Hand geben. Man kann es drehen und wenden wie man will, man kann GM Erpressung vorwerfen, man argumentieren das es GM, ja nur noch gibt, weil es mit staatlicher Hilfe gerettet wurde und nun gefälligst ein wenig mehr Dankbarkeit zeigen sollte. Aber was wäre mit Opel passiert, wenn GM seinerzeit den berühmten Bach runter gegangen wäre? Hätte es dann Opel überhaupt noch gegeben, wenn ja, an welchen Standorten?
Wie schon gesagt, es wird keine einfachen Lösungen geben und erst recht nicht sind zur Zeit Schuldzuweisungen hilfreich.
11:11
Opel entwickelt sich immer mehr zum Griechenland unter den Autobauern.
11:08
Den Kapitalismus in seinem Lauf ........
Richtig, zurück zum Sozialismus. Dann kann man 10 Jahre auf seinen OPEL warten.
11:07
GM verdient inzwischen auf der ganzen Welt wieder Geld, macht sogar einen Rekordgewinn von 8 Mrd $ !! In Europa mit Opel dagegen Rekordverluste !! In den USA ist GM auch von der Strategie mittels hoher Kaufanreize den Absatz zu steigern abgegangen und setzt dort inzwischen auf "Marge statt Masse", während bei Opel diametral entgegengesetzt gedacht wird und noch immer die Abstatzzahlen im Vordergrund stehen.
Vor dem Hintergrund, dass die US-Regierung GM in der Krise gerettet hat, die Aktie im November 2010 zu 33 $ wieder an die Börse gebracht wurde, der aktueller Kurs aber nur bei 26$ liegt und die Restbeteiligung der USA an GM einem Einstandskurs von über 50$ (!!) entspricht, gibt es einen derart hohen Druck seitens der Aktionäre und der Politik auf den Vorstand von GM, dass der die endlose Verluststory in Europa nicht tatenlos hinnehmen kann.
Einige Leute hier in Europa müssen einfach einmal zur Kenntnis nehmen, dass es den Aktionären von GM in den USA egal ist, wer das Geld verdient: Chevrolet oder Opel - die schauen nur auf die Zahlen. Und Obama freut sich auch bestimmt nicht darüber, im Wahlkampf von den Republikanern wegen der Staatsbeteiligung an GM als Sozialist/Kommunist attackiert zu werden, denn das ist in den USA eine der schlimmsten Vorwürfe/Beschimpfungen, mit denen ein Politiker konfrontiert werden kann
Mitsubishi macht übrigens in Holland ein Werk aus dem Jahr 1967 (damals Eigentümer: DAF), das sie zeitweise zusammen mit Volvo betrieben haben, zum Jahresende dicht ....
10:42
Schließen..nicht schließen...schließen...nicht schließen.
Das errinert einen irgendwie unweigerlich an das spielchen mit den Blüten eine rblume zupfen...er liebt mich, er liebt mich nicht.
Ganz ehrlich, wäre ich bei Opel angestellt, ich würde mir schnellstens eine andere stelle suchen, den das Werk wird irgendwann eh geschlossen, dieses ewige hin und her...