Gericht lässt mutmaßlichen Vergewaltiger überraschend frei

Der Angeklagte (re.) beim Prozessauftakt neben seinem Verteidiger Axel von Irmer.
Der Angeklagte (re.) beim Prozessauftakt neben seinem Verteidiger Axel von Irmer.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Ein mutmaßlicher Vergewaltiger (36), der einen Teenager (16) tagelang eingesperrt und misshandelt haben soll, ist vom Landgericht freigelassen worden.

Bochum.. Das Landgericht hat einen mutmaßlichen Vergewaltiger (36), der eine 16-Jährige tagelang eingesperrt und gequält haben soll, überraschend freigelassen. Auf Antrag der Verteidigung setzte die 3. Strafkammer den Haftbefehl unter Auflagen außer Vollzug. Der Angeklagte muss sich dreimal pro Woche bei der Polizei melden, darf keinerlei Kontakt zu der 16-Jährigen haben und muss wieder in seine Wohnung ziehen.

Der Angeklagte hat bereits 28 Eintragungen im Vorstrafenregister und einige Jahre hinter Gittern gesessen. Sexualdelikte hatte er aber nicht begangen. Genau solche Verbrechen wirft ihm der Staatsanwalt diesmal vor. Drei Tage lang soll er die 16-Jährige, die er im Internet kennengelernt hatte, im vorigen November in seiner Wohnung in Stahlhausen festgehalten, mit Drogen versorgt, massiv bedroht und misshandelt haben. In der Anklage stehen fünf Vergewaltigungen. Einmal soll er ihr eine Zigarette auf dem Bein ausgedrückt haben, um ihren Widerstand zu brechen. Am 20. November konnte die Frau laut Anklage fliehen.

Vernehmung per Video übertragen

Der Angeklagte ist nur geringfügig geständig. Die 16-Jährige ist in dem seit Anfang März laufendem Prozess an mehreren Tagen von den Richtern vernommen worden. Der Angeklagte verfolgte dies in einem anderen Saal nur per Video, damit sie offener aussagen kann. Doch nach der letzten Vernehmung stellte der Verteidiger den Antrag, seinen Mandanten freizulassen, weil kein dringender Tatverdacht mehr bestünde. Das Gericht folgte dem. Ein Urteil ist trotzdem weiter offen. Am 5. Mai wird ein psychiatrischer Gutachter zur Schuldfähigkeit gehört.