Gepflegt einkehren im Weitmarer Holz
13.12.2008 | 09:00 Uhr 2008-12-13T09:00:00+0100
Die Geschichte des Restaurants Borgböhmer's Waldesruh reicht 120 Jahre zurück. Mit Bauernstuten und Milch fing alles an.
Eine kleine Bastion gegen die Belanglosigkeit – und seinen vielen Stammgästen eine gastronomische Lieblingsadresse: Das ist „Borgböhmer's Waldesruh”am Papenloh im schönen Weitmarer Holz. Es ist dazu das wohl älteste im Familienbesitz befindliche Haus am Platze – 120 Jahre reicht allein die gastronomische Geschichte der früheren Waldwirtschaft zurück.
Einst ein Bauerngehöft
Tatsächlich schon im vorletzten Jahrhundert beginnt die Erfolgsstory des Bauerngehöfts der Familie Borgböhmer, das sich vom landwirtschaftlichen Betrieb mit angrenzender Verköstigung zu einem über Bochum hinaus bekannten gastronomischen Top-Unternehmen mauserte.
Am Anfang stand die Erkenntnis, dass wohl ein Bedarf bestünde, die schon damals zahlreichen Spaziergänger im Weitmarer Holz mit Speis' & Trank zu versorgen. Das war vor deutlich mehr als 120 Jahren, aber die Besitzer hießen damals schon Borgböhmer. Sie hatten das Lehen in Sundern dereinst von der Kirche gekauft. Die Gastronomie startete mit selbstgebackenem Bauernstuten, den man zu frischer Milch reichte. 1888, vor 120 Jahren, wurde die Konzession zum Ausschank alkoholischer Getränke erworben. Dies ist für die Borgböhmers der Beginn ihrer eigenen gastronomischen Zeitrechnung.
Im gemütlichen Kaminzimmer
Schon damals gab es ein gemütliches „Kaminzimmer”, eine Gaststube mit Thekenbetrieb und einen Saal für Festivitäten. „Zur Waldesruhe” lockte Ausflügler und Feierfreudige aller Couleur an. Im Garten stand ein verglaster Holzpavillon; auf dessen Podium spielte eine Kapelle zum Tanz im Freien auf – halb Bochum, so wird erzählt, soll sich dereinst in der „Waldesruhe” kennengelernt haben.
Boom nach dem Krieg
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb geführt und geprägt von Heinrich Heinz Borgböhmer und seiner Gattin Gerda Haupt, deren Eltern Kurt und Luise Haupt als erste das Bundesbahnhotel im neuen Bochumer Hauptbahnhof führten. Das Begriff „Wirtschaftswunder” wurde zwar nicht extra für die „Waldesruh'” kreiert, aber man konnte anhand des geschäftigen Betriebs dort den bundesdeutschen Nachkriegs-Aufschwung gut verfolgen. Seit Beginn der 1960er Jahre boomte die Bautätigkeit. Wo eben noch Kühe grasten, erstreckte sich bald eine moderne Minigolfanlage. Ein massiv gebauter Wintergarten entstand, mit super Ausblick auf die parkähnliche Anlage und in die reizvolle Landschaft des Ruhrtals. Immer noch bietet Borgböhmers Panoramafenster einen der schönsten Ausblicke Bochums.
Top-Adresse, gutbürgerlich
Heutzutage gehört die „Waldesruh” zu den Top-Adressen gutbürgerlicher Gastronmie und Küche und genießt einen überregionalem Ruf. Der Gast kann zwischen fünf gediegen eingerichteten Festräumen für bis zu 200 Personen wählen. Die Frischeküche richtet sich nach den jahrezeitlichen Angeboten, ist mediterran orientiert, leistet sich aber genauso gut Ausflüge in die westfälischen Genusswelten – wie aktuell mit winterlich-deftigem Panhas.
Busy bei Borgböhmer
Rückläufige Gästezahlen würden den Familienbetrieb vielleicht nervös machen, aber dem ist nicht so: Es bleibt auch nach 120 Jahren busy bei Borgböhmer, wo inzwischen die Söhne Heino (Kaufmann) und Gerd (Küchenmeister) ihre Handschrift hinterlassen.
Und die lange Familientradition im dritten Jahrhundert fortsetzen.

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