Gemeinsames Erinnern auf dem Hauptfriedhof

Felix Lipski von der jüdischen Gemeinde erinnerte an die sowjetischen Zwangsarbeiter.
Felix Lipski von der jüdischen Gemeinde erinnerte an die sowjetischen Zwangsarbeiter.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Rund 100 Menschen folgten dem Aufruf des Bochumer Bündnisses gegen Rechts. Bewegende Worte an den Gräbern.

Bochum.. Wohl mehr als 100 Menschen mit ganz unterschiedlichem politischen Hintergrund oder ganz persönlichen Beweggründen folgten am gestrigen 8. Mai dem Aufruf des „Bochumer Bündnisses gegen Rechts“, um an die Befreiung vom Faschismus und das Kriegsende vor 70 Jahren zu erinnern.

Selten fand sich in den vergangenen Jahren zu diesem Datum eine ähnlich große Anzahl von Menschen zusammen. Nach einer kurzen Einführung durch Uli Borchers (Bündnis gegen Rechts) ging die Gruppe, einige hatten Blumen mitgebracht, über den Friedhof, um an den Massengräbern der Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und anderen Ländern, dem Grab von Fritz Husemann und an weiteren Stellen zu erinnern.

Besonders bewegende Worte fand Theo Schwens (74), Enkel des christlichen Gewerkschafters und Zentrumspolitikers Wilhelm Engel.

An dessen Grab erinnerte er an den Leidensweg Engels, der von den Nazis denunziert und ins berüchtigte Gefängnis in Berlin-Moabit gebracht wurde. Obwohl die genauen Todesumstände unklar sind, gilt es als sicher, dass er dort 1945 ermordet worden ist.

Der gelernte Schlosser Engel, der als Gewerkschafts- sekretär in Bochum beim Christlichen Metallarbeiterverband arbeitete und bis zum Verbot 1933 der Zentrumspartei angehörte, war neben Heinrich König der erste, dem nach dem Krieg in Bochum eine Straße gewidmet worden ist. Er war 1919 für die Zentrumspartei in den Bochumer Rat gewählt worden.