Gemeinsame Katzen-Kastrationsaktion gescheitert
28.01.2011 | 16:08 Uhr 2011-01-28T16:08:00+0100
Bochum.Eine Kastrationspflicht für Katzen ist in Bochum nicht durchsetzbar. Zu diesem Fazit kommen hiesige Tierschutzvereine. Sie sind vom „Runden Tisch“ abgerückt, an dem Stadt und Vereine gemeinsam saßen.
Um das Elend wilder Katzen einzudämmen, setzen sich Tierschützer seit langem für eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht ein; Ziel: ein stadtweites Gebot. Die Stadt hatte indes früh signalisiert, dass sie nichts anordnen werde, weil die rechtliche Grundlage fehle . Von Katzen ginge „keine abstrakte Gefahr“ aus, diese Ansicht teilt auch der Städte- und Gemeindebund.
Zuletzt sollte der Bochumer „Runde Tisch“ zumindest eine gemeinsame Katzen-Kastrationsaktion aller Vereine auf die Beine stellen. Beteiligt waren Tiere in Not, Katzenhaus Wattenscheid, Tierhilfe Bochum, KIS und Tierschutzverein. Gerhard Kipper, Geschäftsführer des Vereins Tiere in Not: „Diese Aktion für Katzen finanzschwacher Bürger ist an den Kosten und dem fehlenden Geld gescheitert. 110 Euro pro Kater, 70 Euro pro Katze können wir nicht aufbringen.“
Bochumer Tierschutzverein will Kastrationsaktion alleine stemmen
Eigentlich waren sich die verschiedenen Tierschutzvereine von Anfang an nur darin einig, dass sie etwas gegen das Elend wildlebender Katzen unternehmen wollten. Doch während die einen die Kommune für alle Freigänger in die Pflicht nehmen wollten, sahen die anderen als Zielgruppe mehr die Katzen mit einem Zuhause. Nun sind die Vereine, deren Stärke das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitglieder ist, vom Runden Tisch abgerückt, weil sie die Mittel für eine Kastrationsaktion nicht aufbringen können.
Der Tierschutzverein Bochum will ein solches Projekt für sozial schwache Katzenhalter in diesem Jahr allein aufziehen. Das ist eine gute Nachricht. Als Träger des Tierheims wird er von der Stadt finanziell unterstützt.
Eine von allen Vereinen gemeinsam gestützte Aktion aber würde größeres Echo erzielen. Jeder trägt schließlich engagiert dazu bei, dass Tiere versorgt, aufgezogen und vermittelt sowie Krankheiten eingedämmt werden.
Sabine Vogt
Der Bochumer Tierschutzverein, Träger des Tierheims, wird nun allein eine Kastrationsaktion auf die Beine stellen. Die Vorsitzende Christina Schneider: „Voraussichtlich im September/Oktober wollen wir sie starten. Etwa 17 Tierärzte stehen bereit.“
Etwa 5000 bis 6000 Euro seien notwendig, dazu soll noch ein Spendenaufruf gestartet werden. Die Tiere sollen gekennzeichnet, kastriert und nachbehandelt werden. Die Halter zahlen ca. 45 Euro. „Natürlich prüfen wir, ob die Leute tatsächlich hilfebedürftig sind.“ Viele „Härtefälle“ wie Hartz-IV-Bezieher würden ihre Katzen kastrieren lassen, doch können sie den Vollbetrag nicht zahlen. Um dennoch wenigstens etwas gegen das Elend und die unkontrollierte Vermehrung der unkastrierten Hauskatzen zu unternehmen, wollen Tiere in Not und Tierhilfe Bochum die „Aktion Susi“ ab sofort gemeinsam betreiben. Seit 2004 wurden darüber 5000 Katzen kastriert. Nun hat ein Bochumer ein Fahrzeug gespendet, was diesem Schutzprojekt neuen Auftrieb gibt. Überdies betreuen beide Vereine wildlebende Katzen.
„Die Politik hat uns mal wieder enttäuscht.“
Landes-Umweltminister Johannes Remmel hatte Geld für Katzenkastrationen locker machen wollen, doch der Haushalt ist nicht genehmigt. Auch die Tierärztekammer fordert ein Gebot, droht aber auf der anderen Seite den Tierärzten, wenn diese die Gebührenordnung unterlaufen und Kastrationen billiger anbieten. Gerhard Kipper: „Die Politik hat uns mal wieder enttäuscht. Wir fordern die Aufnahme einer Kastrationsverpflichtung in das Tierschutzgesetz, nach dem Vorbild von Österreich und Belgien.“
Welche Meinung haben Sie zur Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Katzen? Räumen Sie der Kastrations-Aktion große Erfolgschancen ein, nachdem die meisten Tierschutzvereine abgesprungen sind? Diskutieren Sie mit im >>Bochumer Forum<<

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