Gastronomen beklagen „Bürokratie-Monster“ Mindestlohn

Edel-Burger (hier mit Steffi und Sinah) zählten zu den Trends der „Dialog“-Messe in der Jahrhunderthalle.
Edel-Burger (hier mit Steffi und Sinah) zählten zu den Trends der „Dialog“-Messe in der Jahrhunderthalle.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Die Gastronomie beklagt Belastungen durch das Mindestlohn-Gesetz. Bei einer Bochumer Fachmesse war von einem „Bürokratie-Monster“ die Rede.

Bochum.. Wirte und Hoteliers beklagen „unzumutbare Belastungen“ durch das neue Mindestlohngesetz. Der bürokratische Aufwand für die Gastronomen sei kaum zu bewältigen, kritisierte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) beim Branchentreff „Dialog food & drink“ in der Jahrhunderthalle.

Seit Jahresbeginn gilt auch in der Gastronomie für alle Beschäftigten die Lohnuntergrenze von 8,50 Euro. Manche Köche und Wirte ächzen unter den Mehrkosten, die im konkurrenzstarken Bochum mit seiner ausgeprägten Gastro-Landschaft kaum an die Gäste weitergegeben werden könnten. Vollends in Rage, so wurde bei der Fachmesse deutlich, bringt sie aber die im Gesetz verankerte „Mindestlohndokumentationspflichten-Verordnung“. Aufzuzeichnen sind danach täglich Beginn, Dauer und Ende der Arbeitszeit, die zehn Stunden nicht überschreiten darf.

Von einem „Bürokratie-Monster“ spricht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Das Fass ist voll!“, schäumt NRW-Präsident Olaf Offers. Nach der Allergen-Kennzeichnung 2014 werde der Branche erneut eine Mehrbelastung zugemutet: „Alle reden vom Bürokratieabbau. In der Praxis passiert genau das Gegenteil.“

Die minutengenaue Aufzeichnung und Überwachung der Arbeitszeiten inklusive Pausen bedeute für Gastronomen einen erheblichen Mehraufwand im stressigen Arbeitsalltag, so die Dehoga. Der Verband fordert daher, dass die Verdienstgrenze für die Dokumentationspflicht von derzeit 2958 Euro um 1000 Euro gesenkt wird und Aushilfen außen vor bleiben.

Dokumentation der Arbeitszeit sei notwendig

Grundsätzlich sei eine komplette Umkehrung erforderlich. Gastronomen sollten nur dann in die Pflicht genommen werden, wenn es einen konkreten Verdacht auf einen Gesetzesverstoß gibt. „Derzeit“, so Offers, „wird die Mehrheit der ehrlichen Unternehmer in Generalhaftung genommen.“

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) wertet das Mindestlohngesetz hingegen als Erfolg. „Die Dokumentation der Arbeitszeit ist zwingend notwendig. Es ist ungeheuerlich, dieses Recht als ,Bürokratie-Monster’ zu bezeichnen“, so die Vorsitzende Michaela Rosenberge. Gegen die „Tricks der Arbeitgeber, Beschäftigte um den Mindestlohn zu prellen“, werde sich die Gewerkschaft zur Wehr setzen.

Derweil feierte die „Dialog“-Messe der Firmen Niggemann, Fiege und Hartmann nach der Premiere im Vorjahr am Dienstag eine gelungene Fortsetzung. Mit 57 Ausstellern hochwertiger Speisen, Getränke und Zubehör vom Kaviar bis zu Kassensystemen, von Kresse bis Kaffee war die Jahrhunderthalle Wochen zuvor ausgebucht. Bis zum Abend wurden über 600 Fachbesucher aus ganz Nordrhein-Westfalen erwartet.

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