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Ganz praktische Eingliederung

30.01.2010 | 05:00 Uhr
Ganz praktische Eingliederung

Um die Eingliederung von Menschen mit einem ausländischen Pass oder einem Migrationshintergrund kümmern sich in Bochum insgesamt sechs Integrationsagenturen. Jetzt stellen sie ihre Arbeit vor.

Wie kann sich ein Ausländer am politischen Leben in Bochum beteiligen? Wie funktioniert es, wenn er etwa Leistungen von der Arge beziehen muss? Dies sind nur zwei Fragen, denen sich die Bochumer Integrationsagenturen im vergangenen Jahr gewidmet haben. „Wir gehen dahin, wo sich die Menschen mit Migrationshintergrund aufhalten”, sagt etwa Olga Isaak von der Integrationsagentur der Jüdischen Gemeinde. Andere Erfahren über Mund-zu-Mund-Propaganda von den Schwerpunkten.

Die Integrationsagenturen in Bochum sind beim DRK, dem Caritasverband, dem Ev. Jugendpfarramt, der Jüdischen Gemeinde und der Ifak angegliedert. Bereits seit 2007 haben sich die Organisationen zu einer Arbeitsgruppe zusammengetan, um die Einsätze und Aufgaben besser zu koordinieren. Es gibt im wesentlichen vier Aufgabenbereiche:

» Bürgerschaftliches Engagement von/für Menschen mit Zuwanderergeschichte

» Interkulturelle Öffnung von Einrichtungen und Diensten

» Sozialraumorientierte Arbeit

» Antidiskriminierungsarbeit

Ein Schwerpunkt, so erläutert Mustafa Calikoglu, der sich bei der Ifak um Integration kümmert, sei es, die Migranten auf die Möglichkeiten der politischen Teilhabe in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Als ein Beispiel nennt er die Neuwahl von Mitgliedern des Ausschusses für Migration und Integration. rund 25 000 Ausländer oder Menschen mit ausländischem Hintergrund, die in Bochum leben, haben dazu am 7. Februar die Gelegenheit. Calikoglu machte ganz deutlich: „Ohne eine politische Partizipation kann es keine Integration geben.”

Eine ganz andere Möglichkeit der Integration schildert Helene Ignatzi (DRK). In einem mit 50 000 Euro gefördertem Projekt wurden bislang 89 Menschen geschult, die sich als ehrenamtliche Begleiter um ältere – Ausländer und Deutsche – kümmern sollen. „Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei bei Menschen, die an Demenz leiden”, so Ignatzi. Dabei lernen die Ehrenamtlichen etwa, sich sehr genau auf den kulturellen Hintergrund des Pflegebedürftigen einzustellen, sei es über die Sprache oder kulturelle Besonderheiten.

Gemeinsam sind die Agenturen auch der Auffassung, dass sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen etwa von städtischen Institutionen, die von Ausländerinnen oder Ausländern genutzt werden, noch viel stärker auf ihre die Zielgruppe einstellen müssen. Hier grenzten manche Reaktionen schon an eine Diskriminierung der Betroffenen.

Die Integrationsagenturen haben bestimmte Schwerpunkte und arbeiten zum Teil in den Stadtteilen aber auch stadtweit. Für die Zukunft soll noch stärker als bisher auf bestimmte Gruppen zugegangen werden. Etwa im Bereich der Jugendarbeit gebe es zahlreiche Gruppen, die noch nicht im Stadtjugendring mitmachen. Hier sollen die Gruppen gezielt angesprochen werden. Dies gelte auch für islamische Organisationen, die bislang auch nicht von bestimmten Fördermöglichkeiten profitieren können.

Den Bochumer Integrationsagenturen angegliedert ist das „Aktionsbüro Einbürgern” des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Kenan Araz und seine Mitarbeiter beraten dort Menschen, die die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen wollen. „Dies ist so etwas wie die Endphase der Integration”, so Araz.

Michael Weeke

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