Gammel-Kamellen wurden auch in Bochum-Linden verteilt

Diese neun Jahre alten "Fruitgums" sorgten für Bauchweh bei den Wattenscheider Jecken.
Diese neun Jahre alten "Fruitgums" sorgten für Bauchweh bei den Wattenscheider Jecken.
Foto: WAZ

Bochum.. Jetzt vergeht auch den Bochumer Karnevalisten das Lachen: Nicht nur in Wattenscheid, sondern offenbar auch in Linden wurde mit Süßigkeiten weit jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums geworfen. Ob Gesundheitsgefahren drohen, wird das Chemische Untersuchungsamt auf Initiative der WAZ analysieren.

Monika Seidel hatte sich am Rosenmontag mit Enkel und Schwiegersohn ins jecke Getümmel an der Hattinger Straße gestürzt. „Von einem der ersten Wagen im Zug wurden Zuckerdragees geworfen. Zum Glück hat niemand davon genascht: Die verschrumpelten Dinger sind seit August 2009 abgelaufen. Ekelig!“ Markus Tognino bestätigt: „Auch ich war am Montag in Linden. Auch ich habe Bonbons gefangen, die vor drei Jahren abgelaufen sind.“ Und: Womöglich flogen Gammel-Kamellen auch im Norden durch die Luft. „In Hiltrop wurde massig altes und abgelaufenes Zeug geschmissen“, schreibt „midhoegger“ im WAZ-Portal DerWesten.

Noch am Mittwoch hatte der Festausschuss Bochumer Karneval betont, dass die Uralt-Süßwaren wohl nur in Wattenscheid aufgetaucht seien: „Bei uns war alles frisch.“ Ein Trugschluss, wie sich jetzt herausstellt. Peter Niemann, Präsident des Bundes Ruhr-Karneval, kündigt Konsequenzen an: „Ich bin stinkwütend. Derartige, bisher einzigartige Vorgänge schädigen den Ruf unseres Brauchtums. Das darf sich keinesfalls wiederholen.“ Bei der Jahreshauptversammlung im April werde er an die 113 im Dachverband vertretenen Festausschüsse und Gesellschaften appellieren, „dass sich so etwas keinesfalls wiederholen darf“. Allerdings seien wirksame Kontrollen bei der Vielzahl der Züge und Teilnehmer „von Seiten der Karnevalisten kaum zu leisten“.

Keine städtischen Kontrollen

Die Stadt sieht sich gleichfalls nicht in der Pflicht. „Bei Karnevalsumzügen handelt es sich nicht um gewerbliche Veranstaltungen. Lebensmittelkontrollen sind hier nicht vorgeschrieben und werden nicht vorgenommen“, erklärt Stadtsprecher Thomas Sprenger. Auch das Auftauchen der Alt-Kamellen erforderten kein Einschreiten. Das Gesundheitsamt: „Durch den extrem hohen Zuckergehalt ist eine akute Gesundheitsgefahr – anders als etwa bei alten Joghurts – nicht zwangsläufig gegeben.“

Derweil hat sich in Wattenscheid das Rätsel um die Fruchtgummis mit Mindesthaltbarkeitsdatum 2003 aufgeklärt. Die Günnigfelder Karnevalsgesellschaft (GüKaGe) teilt mit, dass sie die Ware am 13. Februar bei einem Bochumer Groß- und Einzelhandel gekauft habe. Der Hinweis auf 2003 sei nur schwer erkennbar gewesen. „Wir entschuldigen uns dafür, dass uns dieser Umstand nicht aufgefallen ist.“

Am Donnerstag übergab die WAZ dem Chemischen Gesundheitsamt eines der „Pome Granate“-Kaubonbons. Eine Analyse soll Aufschluss geben, ob und welche Gesundheitsgefahren von dem zwölf Jahre alten Fruchtgummi ausgehen. Mit einem Ergebnis wird nächste Woche gerechnet.