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Gärtner: "Gemobbt im Rathaus"

19.09.2008 | 19:15 Uhr

In zwei Instanzen gewann Arbeiter Alfons Gritzmann ein Arbeitsgerichtsverfahren gegen die Stadtverwaltung.Abmahnung musste aus der Personalakte entfernt werden. Lohnnachzahlung für ein Jahr.

Gärtner Alfons Gritzmann fühlt sich seit Jahren von der Stadtverwaltung Bochum gemobbt. Gegen seine Freisetzung klagte er und gewann in zwei Instanzen.

Vier Jahre lang sei er in der Bochumer Stadtverwaltung gemobbt worden, beklagt sich Alfons Gritzmann. Der 56-jährige gelernte Brunnenmeister aus Oberschlesien arbeitete seit 1984 erst im Tiefbauamt, dann im Grünflächenamt, dann im Stadtarchiv und dann überhaupt nicht mehr, weil die Stadt ihm einfach keine Arbeit mehr gab. Und ihn mit einer Abmahnung in Richtung Arge verabschiedete. Gritzmann klagte dagegen vor dem Arbeitsgericht und gewann in zwei Instanzen.

"Die Stadtverwaltung wollte ihn loswerden, und jetzt will sie ihn wieder mürbe machen," ist Sara Zühlsdorff überzeugt. Der Bochumer Fachanwältin für Arbeitsrecht gelang in Sachen Gritzmann der juristische Doppelsieg gegen die Stadt - vor dem Arbeitsgericht und vor dem Landesarbeitsgericht. Jetzt erwägt sie, die Stadt auch wegen Mobbing zu verklagen.

Unerfreuliches Material dafür hat Gritzmann jahrelang gesammelt. Als Schikanen am Arbeitsplatz notierte er etwa: Von seinem Vorgesetzten sei er als "der Pole" verspottet worden, und wenn Gehwegplatten zu verlegen waren, habe es geheißen, "nimm den Brunnenbaumeister, der kann das". Was zu tun sei, habe er nie von Vorgesetzten erfahren, sondern von Kollegen, denen er zugeteilt war. Auch passendes Werkzeug wie Kettensäge oder "Benzinpuste" habe man ihm verweigert: "Ich durfte immer nur den Hilfsarbeiter spielen." Sogar die ärztlich angeratenen "Wärmehandschuhe" habe ihm keiner gegeben. Benachteiligt fühlte er sich auch bei der Urlaubsplanung.

Eine Schulung als Gärtner wurde dem Hilfsgärtner abgelehnt. Die "tarifvertraglichen Vorschriften sehen eine Werkprüfung als Gärtner nicht vor", schrieb ihm das Organisations- und Personalamt. Eine Höhergruppierung wäre ohnehin nicht drin. Dabei wollte Gritzmann sich durch die Qualifizierung vor allem mehr Achtung bei den Kollegen verschaffen, wie er sagt.

All die Klagen fanden bei der Stadt zwar Gehör, wurden jedoch weitgehend zurückgewiesen. Das geht aus dem Protokoll der Anhörung, an dem ein Personalrat teilnahm, hervor. Tenor: Herr G. lege "jedes Wort auf die Goldwaage" und bei anderen Betriebsstellen habe es auch schon Probleme mit ihm gegeben.

Krankheitszeiten, teils von beträchtlicher Länge, begründete Gritzmann als Folgen des Mobbings: Er könne kaum noch schlafen, weine in der Nacht, müsse Tabletten nehmen, "um die achtstündige Schikane in der täglichen Arbeit durchhalten zu können". Doch bei der Frage, was dem Mann wegen seiner körperlichen Beschwerden eigentlich zugemutet werden könnte, gingen die Meinungen von mehreren Experten auseinander. Den letzten Job hatte Gritzmann im Stadtarchiv. Doch das endete, nachdem man ihm sexuelle Zudringlichkeit unterstellt hatte: "Angeblich wollte ich eine küssen." Das Personalamt habe ihn abgemahnt, "ab sofort beurlaubt und die Zahlung eingestellt."

Von Rolf Hartmann Foto: WAZ, Ingo Otto

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