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„Das Leben des Brian“

Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe

05.07.2013 | 18:45 Uhr
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
Das Leben des Brian. Die Aufführung des Film an Karfreitag im Sozialen Zentrum an der Josephstraße hat jetzt Folgen.Foto: ARD/Arte

Bochum.   „Jeder nur ein Kreuz“: Die Monty-Python-Satire „Das Leben des Brian“ aus dem Jahr 1979 ist Kult. Bochumer Atheisten wollten den unfreiwilligen Messias und dessen grenzdebile Jünger auch am Karfreitag nicht missen und riefen zum demonstrativen Rudelgucken auf. Jetzt hat die Stadt ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Den Brian-Freunden drohen 1000 Euro Strafe.

„Gezielte Provokation “ nennt Sprecher Martin Budich das Vorgehen der 2011 gegründeten Initiative „Religionsfrei im Revier“ : rund 30 Aktivisten aus Bochum und Umgebung, die jede friedliche Form von Religion und deren Ausübung tolerieren, für sich indes eine radikale Religionsfreiheit in Anspruch nehmen und eine konsequente Trennung von Staat und Kirche einfordern. Der Karfreitag dient der Gruppe als krassestes Beispiel für „überkommene klerikale Vorschriften in deutschen Gesetzen und Verordnungen“. An dem hohen Feiertag, schreibt ein Landesgesetz vor, ist die Aufführung von Filmen untersagt, die das NRW-Kultusministerium als „ungeeignet“ ansieht.

Die Ungläubigen setzten sich öffentlichkeitswirksam über den Brian-Bann hinweg. Obwohl die Jesus-Satire auf dem Index steht, wurde sie am Karfreitag im Sozialen Zentrum an der Josephstraße gezeigt . „Wir lassen uns nicht zu depressivem Verhalten nötigen“, hieß es.

„Vorsätzlicher Verstoß“

Der gezielte Regelverstoß hat nun Folgen. Weil die Gruppe „vorsätzlich gegen das Vorführverbot verstoßen“ und das Feiertagsgesetz verletzt habe, hat das Rechtsamt der Stadt ein Verfahren eröffnet. Die Ordnungswidrigkeit könne mit einer Geldbuße bis zu 1000 Euro geahndet werden. „Ursprünglich war sogar von 2000 Euro die Rede“, erklärt Gruppensprecher Martin Budich.

Ein Bochumer Anwalt hat inzwischen Akteneinsicht genommen. Sein Fazit: „Mit diesem Verfahren werden Unschuldige verfolgt!“ Der Rechtsstreit ist entbrannt. Die Gottlosen bleiben entspannt: „Always look on the bright side of life...“

„Wir müssen so reagieren, um den Vorschriften zu genügen, die wir selbst nicht gemacht haben“, verteidigt Stadtsprecherin Barbara Gottschlich das Bußgeldverfahren wegen der Jesus-Satire.

Von Bedeutung sei, dass die Gruppe die Vorführung im März öffentlich angekündigt hat – auch in der WAZ.

„Damit blieb uns gar nichts anderes übrig“, so Barbara Gottschlich.

Jürgen Stahl



Kommentare
06.07.2013
17:46
Zivilcourage im Rechtsamt ...
von steude | #30

Es bestünde auch die Möglichkeit, dass das Bochumer Rechtsamt darauf verzichtet eine Strafe zu verhängen, mit dem Hinweis, dass sie den entsprechenden Paragrafen für nicht verfassungsgemäß hält und daher den Tatbestand der Bezirksregierung vorlegt. Diese wiederum könnte sich an die Landesregierung wenden, die sich wiederum an das Verfassungsgericht wenden kann.

Dazu würde natürlich etwas Zivilcourage im Rechtsamt gehören ... .

06.07.2013
17:24
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von Pucky2 | #29

Hier wird also mal wieder die Staatsmacht ausgenutzt, um die Religionsfreiheit zu untergraben... Für alle Dogmatiker: Die Religionsfreiheit beinhaltet auch das Recht, nicht glauben zu müssen.

Lenin hatte recht, "Religion ist Opium für das Volk" und es wird höchste Zeit, dass die Menschheit einen kalten Entzug macht.

Humanismus kann man auch leben, wenn man an kein höheres Wesen glaubt.
Religionen dagegen können nur inhuman sein, wenn man sie wirklich leben sollte.

Durch religiös verursachte Kriege sind Millionen an Menschen gestorben. Durch Humanismus noch nicht einer

Freiheit für "Das Leben des Brian"

06.07.2013
16:34
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von Mr.Bob | #28

Dann sollen sie eben den Film Dogma zeigen. Würde den Kern der Kritik auch besser treffen. Dort wird nicht eine biblische Person oder gar Gott lächerlich gemacht, sondern genau solche dummen Verordnungen, Regeln und dogmatischer Glaube.

"Die Kirche sagt „so ist es“, und Gott muss sich dran halten!".

1 Antwort
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von Mr_Grey | #28-1

Jepp, Dogma ist gut. "Sie" würde das bestimmt auch lustig finden. *grins*

06.07.2013
16:22
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Name von Moderation entfernt | #27

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2 Antworten
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Name von Moderation entfernt | #27-1

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Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von HeinBloed5259 | #27-2

@SimonvomUlrecht: ...und wieder jemand, der den Sinn der Religionen nicht verstanden hat!

Sie sollten sich auch mal den Folgeband "Die Bibel Teil 2" zu Gemüte führen! Arbeitstitel: "Das neue Testament"...

Btw: Wie sangen "Die Ärzte" doch so schön: "Gewalt erzeugt Gegengewalt..."

06.07.2013
16:21
Wieso ist denn der Film nicht christlich?
von nachdenken | #26

Haben die verschiedenen Kirchen, die sich christlich nennen, schon nachgewiesen, dass nicht Brian die ganzen Sachen gemacht hat, die Jesus zugeschrieben werden.Die ersten Geschichten darüber wurden doch erst 200 Jahre nach dem angeblichen Ereignis (Kreuzigung) niedergelegt.
Ich hab in dem Film noch nie was Anti-Jesus-Mäßiges entdecken können. Da waren doch zu der Zeit einige Prediger ähnlichen Formates unterwegs. Ein paar sollen auch auferstanden sein. Wurde nur im Konzil von Nicea aus den Schriften entfernt... Also Jesus hätte das bestimmt nicht so eng gesehen - sonst hätte er doch keine Aussätzigen geheilt und Prostituierten die Füße gewaschen. Zudem war er wohl auch Trinker, der Wasser zu Wein wandelte ;-))
Und haben die Kirchen sich schon mal auf einheitliche Daten geeinigt?
Die Orthodoxen Christen feiern Weihnachten und Ostern erst ne Woche später.
Vielleicht haben die Filmseher sich einfach um ne Woche vertan ;-)) ?

1 Antwort
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von Duisburger9999 | #26-1

[...] Die ersten Geschichten darüber wurden doch erst 200 Jahre nach dem angeblichen Ereignis (Kreuzigung) niedergelegt.

Das ist nicht ganz richtig, Markus kann man nach dem aktuellen Stand der Forschung auf etwa 70 AD schätzen. Markus hat Jesus also unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Lebenserwartung in der Antike nicht persönlich gekannt, er könnte aber durchaus noch Zeitzeugen begegnet sein.

06.07.2013
16:08
cook | #24
von schRuessler | #25

Ich denke nicht, das meione Herleitung "falsch" ist, nur weil ich nicht die ganze Geschichte seit Adam und Eva, sorry seit dem Urknall hier dargestellt habe.

06.07.2013
16:05
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von cook | #24

@ #20: Ihre Feststellung ist richtig, ihre Herleitung ist leider falsch. Die Regeln gibt es deshalb, weil der Staat und die christlichen Kirchen (ev. + kath.) durch Verträge aus der Nach-Napoleonischen Zeit, also Beginn des 19. Jahrhunderts, noch stark miteinander verbunden sind und die christlichen Religionen sich damit Einfluss gesichert haben.

So sitzen die beiden Kirchen in den Rundfunkräten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, betreiben im Auftrag des Staates karitative Einrichtungen wie Alten- und Behindertenheime, Kitas, Schulen etc., für die sie allerdings nicht oder nur sehr wenig zahlen. Das übernimmt der Steuerzahler und die Kirchen dürfen ihren Stempel aufdrücken.

Es gäbe noch mehr anachronistische Zusammenhänge zwischen Kirchen und Staat festzustellen. Ich beschränke mich am Ende auf die Forderung: LAIZISMUS JETZT, KIRCHEN KOMPLETT PRIVATISIEREN!!!

06.07.2013
16:00
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von aberlouer | #23

Man sollte schon mal ein Spendenkonte einrichten, falls es vor das Verfassungsgericht geht!

06.07.2013
16:00
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von BLUE-RIDER | #22

Wenn ich ein Gesetz blöd finde, dann habe ich dadurch nicht automatisch das Recht, es zu missachten, sondern muss den Rechtsweg einschlagen. Hätten die Besucher der Veranstaltung tun können - haben sie aber nicht. Also sollen sie mit den Konsequenzen leben.

Ein vergleichbares Beispiel wäre übrigens das Abbrennen von Pyros im Stadion - natürlich kann man über Sinn und Unsinn des Pyro-Verbots streiten, aber das gibt einem noch nicht das Recht, das Verbot zu übertreten (und wenn man es doch tut, wird man bestraft).

06.07.2013
15:57
Für Aufführung der Jesus-Satire in Bochum am Karfreitag droht Strafe
von melr | #21

Dann ist mal abzuwarten was passiert, wenn sich andere Religionsgemeinschaften irgendwann am Karfreitag über die staatliche verordnete und überwachte Trauer hinweg setzen.

Es steht allerdings zu vermuten, dass die deutsche Ordnungsmacht zu feige ist, um dann auch fleißig Bußgeldbescheide zu versenden.

Es steht zu hoffen, dass sich irgendwann die diversen Religionsanhänger dermaßen vermischt haben, dass diese staatlich verordnete Frömmigkeit ad acta gelegt wird, weil sich keine Sau mehr drum kümmert.

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