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Fünf Hektar für eine Kuh

05.10.2008 | 19:45 Uhr

Aber nur 400 qm für eine Familie: Der bolivianische Botschafter Magne Veliz berichtete im Bahnhof Langendreer über Spannungen und Lebensumstände in seiner Heimat. Auch von den jüngsten Massakern

Wehende rot-gelb-grüne Fahnen, Schüsse, Marschmusik, Menschen werden verfolgt, niedergeschlagen, getreten, Aufbruchstimmung, Schüsse, Feuer: "Bolivia Para Todas". Mit einem eindrucksvollen Einspieler zum aktuellen Geschehen in Bolivien stimmte die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum die rund 80 Interessierten auf "Bolivien zwischen Staatsstreich und Bürgerkrieg?" im Bahnhof Langendreer ein. Darüber sprach der bolivianische Botschafter Walter Prudencio Magne Veliz, der sein Land seit 2006 in Deutschland vertritt.

Er berichtete von der innenpolitischen Spaltung zwischen dem Westen und dem Osten und wie es dazu gekommen ist. Die ehemals wohlhabende Hochlandregion im Westen ist seit dem Niedergang des Bergbaus verarmt. Im Tiefgebiet hingegen hat sich durch die Erschließung der Öl- und Gasreserven und eine moderne Landwirtschaft sowie eine profitable Industrie ein wohlhabendes Bürgertum entwickelt. Während diese reiche Region die Beibehaltung des neoliberalen Wirtschaftssystems und des Großgrundbesitzes fordert, will die Bevölkerung im Hochland eine Verstaatlichung der Bodenschätze und eine Landreform zugunsten der Armen.

Um dieses Thema zu verdeutlichen, führte Walter Magne ein höchst anschauliches Beispiel an: "In den Ostgebieten besitzen 35 Familien zwei Millionen Hektar Land. Im Gegensatz dazu besitzt eine Familie im Hochland nur eine Fläche von 20 mal 20 Metern. Eine Kuh darf hingegen fünf Hektar für sich beanspruchen". Erstauntes Raunen in den Reihen. Kopfschütteln. "Und deshalb fordern wir in Bolivien eine gerechte Verteilung".

Die Gouverneure der reichen Ost-Provinzen (Beni, Pando, Santa Cruz und Tarija) weigern sich die Verfassung anzuerkennen, die der mit absoluter Mehrheit gewählte Präsident des Landes, Evo Morales, ins Rollen gebracht hat, sagte der Botschafter. Die Auseinandersetzungen gingen soweit, dass weiße rechtsradikale Todesschwadronen Anhänger von Morales ermorden.

Erst Mitte September sei es zu einem Massaker gekommen, bei dem über 15 regierungsfreundliche Bauern getötet worden seien.

Von Bianca Braunschweig Foto: WAZ, Klaus Gierlich

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Kommentare
06.10.2008
08:10
Fünf Hektar für eine Kuh
von g.s.c. | #1

5 Hektar für eine Kuh? Wer hätte gedacht, daß das bolivianische Tierschutzgesetz besser ist als das deutsche. In Deutschland steht eine Kuh lediglich auf 1,8 qm.

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