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Gericht

Früherer Top-Autoverkäufer wegen Betrugs verurteilt

23.09.2009 | 15:29 Uhr

Bochum/Witten. Ein früherer Top-Autoverkäufer (46) mit großen Karierechancen ist am Mittwoch wegen seiner Beteiligung an elf Betrügerein zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein absoluter Karriereknick.

Viele Jahre war der Familienvater (46) aus Witten ein Top-Autoverkäufer. Bis mit einer Razzia der Bochumer Staatsanwaltschaft der große Karriereknick begann. Am Mittwoch fand der Tiefpunkt statt: Das Landgericht Bochum verurteilte ihn wegen elffachen Betruges zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung und 100 Sozialstunden.

Der bisher völlig unbescholtene Mann war einmal dick drin im Bochumer Auto-Verkaufsgeschäft. Eine fabelhafte Karriere winkte. Ende 2004 wechselte er in ein Wittener Autohaus. „Als Messias” habe man ihn dorthin geholt, sagte er. Als Chef der Neuwagen-Abteilung habe er Aussicht auf den Vorstandsposten gehabt. Sein Verteidiger: „Er ist ein Auto-Verrückter, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Deshalb ist er gut.”

Gefälschte Bonitäts-Unterlagen

Ende 2005 flog aber ein Großbetrug in der Autobranche auf. Dabei wurden Leasingbanken, die den Erwerb von hochwertigen Autos finanzierten, systematisch betrogen. Die Masche: Durch gefälschte Bonitäts-Unterlagen erschlichen sich kriminelle Kunden und Pleite-Firmen unter Mithilfe eines damaligen Autoverkäufers eine Finanzierung bei den Banken. Nachher zahlten die Kunden - wie von Anfang an geplant - die Leasingraten nicht, machten aber gleichzeitig die erbeuteten Autos heimlich zu Geld, teils durch Weitervermietung.

Der damalige Wittener Neuwagen-Chef wusste teilweise von diesen Machenschaften auch in seinem Autohaus. Weil 2005, kurz nach Amtsantritt in Witten, der Fahrzeugpark viel zu voll war und er deshalb gewaltig unter Verkaufsdruck stand, ließ er sich auf diese Betrügereien ein - und zeichnete diese faulen Leasingverträge ab - insgesamt elf Mal. „Ich hatte nur Autos im Kopf, Umsatz im Kopf, Erfolg”, sagte er am Mittwoch vor der 12. Strafkammer. Schaden für die Leasingbanken: 325 000 Euro.

Die Traumstelle verloren

Richter Wolfgang Mittrup: „Er ließ sich sehenden Auges auf betrügerische Geschäfte ein.” Er sei „nicht Erfinder und Betreiber des Systems” gewesen, habe sich aber zum Mitmachen bedenkenlos „hinreißen lassen”. Anders als andere Mittäter, die je Betrugsfall Provision erhielten, hatte er selbst finanziell nicht profitiert. Im Gegenteil: Durch den Skandal verlor er seinen Traumjob. Und ist jetzt auf der Suche nach einer neuen Stelle vorbestraft. Die ganze Familie, sagte sein Anwalt, sei belastet. Die Ehefrau habe gemeint: „Wir stehen mit dem Verfahren morgens auf und gehen abends mit dem Verfahren ins Bett.”

Bernd Kiesewetter

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25.09.2009
12:58
Früherer Top-Autoverkäufer wegen Betrugs verurteilt
von Robin H. | #7

Hallo,
ich bin ein Wittener und Hobby-Jurist. Dieser Fall ist ein Beispiel dafür, dass man mit Justizia schon vorher verhandeln kann. Versteh wer will, aber warum wurden für diesen Prozess keine wichtigen Zeugen geladen. Wurde der Angeklagte dadurch verschont ? Ich gehe davon aus, dass schon vorher ein Agreement geschlossen wurde, damit hier der Prozess abgefertigt wird und schluss. Das Urteil, bei solch einem hohen Schaden und der kriminellen Energie, die er entwickelt hat, ist das ein gekau.... Urteil.
Hoffentlich ist die Spardose bald leer.

25.09.2009
11:55
Früherer Top-Autoverkäufer wegen Betrugs verurteilt
von Dipl.Betriebswirt Walter G. | #6

Ein Unternehmer aus Witten, der seines Gleichen sucht.......
Der unternehmerische Geist und das große Interesse für Automobile von Herrn B. wurden ihm schon in die Wiege gelegt, als er noch ein kleiner Bub war. Die Leichtigkeit, mit der er ein Unternehmen führte, glich einer Symphonie. Er erkannte schnell einen Sachverhalt und hatte sofort Lösungen parat. Die Wege waren unumstritten und man könnte sagen, genial. Leitsätze wie, Ich will’s wissen oder Klarheit und Wahrheit bestimmten die Firmen-Philosophie.

Die Position im Vorstand war zum greifen nah.....
Im Jahre 2004/ 2005 erlangte er unter den Unternehmern in der Automobilbranche große Anerkennung. Er unterstrich seine Genialität mit einem Meisterstück.

Er predigte und die Angestellten folgten: „ DER MESSIAS“
Der Geist von Herrn B. kannte keine Grenzen und man könnte sagen, dass er weiter, als über den Tellerrand schaute. Neue Quellen, neue Wege, all diese offensiven führten im Jahr 2004/2005 zu riesigen Umsätzen und Erträgen. Große Worte wie, Ich bin hier, um die Karre aus dem Dreck zu ziehen brachten neue Hoffnung und alle schauten zu ihm auf. Herr B. war kein Einzelgänger, sondern ein Teamplayer und bezog seine Angestellten voll ein. Mit Now-How und einem guten Vermittler für neue und gebrauchte Automobile ließ er sich nicht mehr aufhalten. Durch gezielte Marketingstrategien im fremdsprachlichen Bereich und das Engagement seines privaten Vermittlers, nennen wir ihn Bruder, ging es steil nach oben. Ungebremst und voller Elan bat er ein befreundetes Autohaus sogar um Mithilfe, da er den Andrang an Kunden nicht mehr bewältigen konnte. Das Konzept war einzigartig und bis dahin unerreicht. Akribisch bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, so dass der benachbarte Händler es schnell verstand und es mit in seine Geschäftspolitik aufnahm. Er wurde in den Bann des „ MESSIAS“ gezogen.

Abschließend sei gesagt:
Der Grad zwischen Genialität und Kriminalität ist ganz schmal.

25.09.2009
10:34
Früherer Top-Autoverkäufer wegen Betrugs verurteilt
von Andrea W. | #5

Das war nur die Spitze des Eisberges. Ich bin mir sehr sicher, dass in der nächsten Zeit noch mehr ans Licht kommt. Das ist ja ein Gaúner. Schade nur, dass Witten wieder in den Dreck gezogen wird. Lebe eigentlich ganz gern hier, aber nicht wenn so viele Verbrecher hier sind. Echt ne Schande.

24.09.2009
14:51
Früherer Top-Autoverkäufer wegen Betrugs verurteilt
von Astrid W. | #4

Mir fehlen die Worte!
Geld regiert die Welt! Kann doch nicht anders sein!
Der kleine Mann von nebenan bekommt es knüppeldick, weil er es sich finanziell nicht leisten kann, sich frei zu kaufen! Der, der es aber hat, rettet seinen Allerwertesten, indem er einfach in die Portokasse greift und fertig? Wie sonst soll man dieses Strafmaß deuten?
Verstehe einer die Deutsche Rechtssprechung, ich tue es nicht.

24.09.2009
13:33
Früherer Top-Autoverkäufer wegen Betrugs verurteilt
von genau so | #3

Dieses Urteil ist ein absoluter Schlag ins Gesicht für alle anderen Beteiligten in diesem Fall und es wird mal wieder deutlich, dass es auch im deutschen Rechtssystem eine zwei Klassen Gesellschaft gibt. Da der Fall mir sehr gut bekannt ist, kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass Herr B. viel tiefer in diesem Fall verstrickt war, als es zur Sprache gekommen ist. Es ist nach Rücksprache mit einigen Beteiligten unbegreiflich, dass Herr B. mit einem so milden Urteil davon gekommen ist und es stellt sich die Frage, wie so etwas zustande kommt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ein anderer Autohausbesitzer eine wesentlich höhere Strafe bekommen hat. Völlig unerwähnt ist auch, dass der Verurteilte seine Verkaufsmannschaft zu diesen Straftaten animiert hat und er über alle Vorkommnisse informiert war und diese Straftaten nicht nur gebilligt, sondern noch gefördert hat und dabei auch noch Druck auf seine Verkäuferteam ausgeübt hat in seiner Position als Geschäftsführer. Aber wie in allen Fällen von Wirtschaftskriminalität erwischt es immer die kleinen Leute und die oberen die angeblich nur im Hintergrund agieren kommen mit kleinen Strafen davon. Dieses Urteil hat in jedem Fall einen ganz faden Beigeschmack. Zuletzt sei noch erwähnt, dass Herr B. definitiv kein Topverkäufer war und die Witterner Geschäftswelt keinen guten Eindruck von Herrn .B hatte und den Kontakt auch mit Ihm mied.

24.09.2009
12:40
Früherer Top-Autoverkäufer wegen Betrugs verurteilt
von horst Kleine | #2

Wer kriminelle Machenschaften unterstützt und so billig davon kommt , sollte zumindest im Zivilprozess voll haftbar gemacht werden. Er hat durch Umsatzbeteiligung/Provisionen davon profitiert.
Topverkäufer war der Mann bestimmt nicht.

24.09.2009
10:30
Früherer Top-Autoverkäufer wegen Betrugs verurteilt
von Ich wills wissen | #1

Wenn man diesen Artikel so liest, dann wird hier einiges schöngeredet, oder verharmlost. Wenn jemand so gut ist, wie er sich selbst beschreibt, warum wird er dann kriminell. Ich würde Ihn eher als Topf-Verkäufer bezeichnen, denn ein Top-Verkäufer hätte die Firma anders aus der Krise geholt. Dieser Mann hat durch Betrug, einen Schaden in Höhe von 325.000,-€ angerichtet und kommt mit einer Taschendiebstrafe davon. Respekt

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