Frostmiene in der Maisonne
01.05.2009 | 16:29 Uhr 2009-05-01T16:29:00+0200Bei der DGB-Kundgebung sind nicht nur Bank-Zocker ein Thema, sondern auch das Sozialticket - was nicht allen gefällt.
Etwa 2500 Mai-Demonstranten, ein Bilderbuchwetter sowie eine Kundgebungsrednerin mit Kompetenz und Konsequenz: der „Tag der Arbeit” war in Bochum nach längerer Durststrecke durchaus wieder einer von der gehaltvolleren Sorte.
So kurz vor diversen Wahlen wollten die Gewerkschaften die Bühne keinem Politiker zur Verfügung stellen. Es sei ja unfair, daran gemessen zu werden, was man bei solcher Gelegenheit sage, hatte sich bekanntlich SPD-Chef Franz Müntefering beklagt. Statt dessen Yvonne Sachtje (42), regionale Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten: Und die nannte hinreichend nachvollziehbare Anhaltspunkte, weshalb die Gewerkschaften auch keine Wahlempfehlung abgeben wollen.
Juckepunkte liefert das Verhalten der Regierungsbeteiligten in stattlicher Menge: „Wenn man vor einem Jahr die Regierung aufgefordert hätte, zehn Millionen Euro für Krippenplätze und Hartz-4-Bezieher zur Verfügung zu stellen, hätte man zu hören bekommen: Man kann jeden Euro nur einmal ausgeben”, stichelte Sachtje, „aber jetzt sind 480 Milliarden da als Schutzschirm für die armen Banken, die unser Geld verzockt haben.”
„Arbeit für alle bei fairem Lohn” hat sich der DGB zum Thema gesetzt. Den Textildiscounter KiK, der - gerichtlich festgestellt - mit „sittenwidrigen Vergütungen” operiert, am Ort seines VfL-Sponsortums öffentlich zu rügen, bringen viele nicht fertig. Die Gewerkschafterin ging noch einen Schritt weiter und forderte die Minijob-Zentrale bei der Bochumer Knappschaft auf, sich per Betriebsprüfung alle 3500 geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse vorzuknöpfen: „KiK soll nachzahlen.”
Und weil der DGB sich zwischendurch auch für Arbeitslose und Sozialschwache einsetzt, forderte Sachtje Bochums Stadtrat klipp und klar auf, „Schluss zu machen mit Prüfen, Debattieren und Verzögern” - und endlich das Sozialticket für den öffentlichen Nahverkehr zu beschließen. (Worauf die Gesichtszüge der hinter Sachtje stehenden OB und Bogestra-Aufsichtsrats-chefin Ottilie Scholz um einiges frostiger wurden, als es der Maitag erwarten ließ.)
Aber da war das Erst-Mai-übliche „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit” glücklicherweise schon schon nicht mehr allzu weit entfernt ...

15:41
aaah, cross-border-ottilies gesichtszüge werden frostiger - mal eine alternative zu diesem penetranten grinsen auf dem konzerthausplakat u.a.
12:01
Die Politiker und Gewerkschaften reden doch nur immer, machen tun sie aber nichts !
10:36
So einfach ist das nicht. Wenn die Zahl der Bedürftigen sinkt (durch die genannten Maßnahmen), ist auch ein Sozialticket einzuführen günstiger, weil die Zahl derer, die es brauchen, geringer ist.
Konsequenz, wenn man Mindestlöhne, die zum Leben reichen, eine soziale Absícherung auch im Alter haben will (wenn man mehr verdient, zahlt man auch mehr in die Rentenkasse ein), sollte man die SPD wählen.
Die Konsvervativen unterstützen Lohnsubvention durch Aufstockung auf Kosten der Arbeiter und der allgemeinen Beitragszahler, die das Lohndumping über ihre Arbeitslosenversicherung mitfinanzieren.
08:47
Natürlich ist Mindestlohn wichtig, ebenso wie der Erhalt der Arbeitsplätze in Bochum und überall sonst. Das Sozialticket für Bochum ist aber für die, die keine Arbeit oder geringe Rente habe wichtig. Und das kann nur in Bochum, alles andere nur außerhalb Bochums entschieden werden.
08:22
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21:03
Wichtiger als das Sozialticket sind Mindestlöhne und eine faire Bezahlung ! Wenn die Lohnsubventionierung über Aufstockung aufhört, dann wird auch Geld für solche sinnvollen Dinge da sein, die momentan nicht erschwinglich sind. Das sind doch wirklich Scheingefechte.
Die heiße Luft- Linke und die Dumpinglöhne-Konservativen haben keine Antworten, das zeigt sich einmal mehr am Tag der Arbeit.