Kommentar

Friedlichen Protest nicht bestrafen

Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch (Bert Brecht): 83 politisch motivierte Straftaten von Rechtsradikalen verzeichnet die Landesregierung für 2014 in Bochum. Den braunen Sumpf trockenzulegen, jedwede Propaganda von Neonazis möglichst im Keim zu ersticken, zumindest aber massive Gegenwehr zu organisieren: Das muss Ansinnen aller Demokraten sein.

Die Grüne Jugend mag über dieses Ziel hinausgeschossen sein, als sie den Husemannplatz mit Parolen gegen einen NPD-Aufmarsch vollgemalt hat. Dem grünen Nachwuchs linksextreme Tendenzen zu unterstellen, erscheint aber ebenso überzogen wie die Rechnung, die die Stadt bzw. der USB auftischt. Die Antifaschisten haben keine Farbe, sondern simple Kreide benutzt. Zwei, drei Regenschauer, und alles wäre fortgespült worden.

Was tun? Die Jugendlichen sollten beim nächsten friedlichen Protest die Kreide daheim lassen; Plakate tun’s auch. Die Stadt sollte es bei einer Ermahnung belassen, den Kostenbescheid zurücknehmen – und damit dokumentieren, dass für Rechte in Bochum kein Platz ist.

Seite