Freie Kulturszene will Online-Voting über Stadtwerke-Sponsoring stoppen

Per Online-Voting lassen die Stadtwerke Bochum über ihre Fördergelder abstimmen.
Per Online-Voting lassen die Stadtwerke Bochum über ihre Fördergelder abstimmen.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In einem offenen Brief fordern fast zwanzig der wichtigsten Akteure der Bochumer Kulturszene ein dringendes Überdenken der aktuellen Fördergeld-Vergabepraxis. Ihre Forderung bezüglich der Abstimmung über Sponsorengelder der Stadtwerke: Verfahren „ruhen lassen“, Gespräch starten.

Bochum.. Fast zwanzig der renommiertesten Akteure der Freien Kulturszene rufen in einem offenen Brief „dringend auf“, die Abstimmung über Sponsorengelder der Stadtwerke ruhen zu lassen. Der Brief, der u.a. vom Prinz Regent Theater, der Fidena, Frank Goosen, Jochen Malmsheimer, dem Bahnhof Langendreer und dem Kulturhaus Thealozzi unterzeichnet ist und schon am 12. Juli verfasst und verschickt wurde, ist adressiert an den Chef der Stadtwerke, Bernd Wilmert, sowie an Sparkassen-Chef Volker Goldmann und den Kulturdezernenten Michael Townsend. Er wurde nun öffentlich gemacht.

Nur noch Geld für „Vote-kompatible“-Projekte?

Kritisiert wird zunächst die Praxis des Online-Votings. Sie öffne etwa der technischen Manipulation Türen. Die Hauptkritik richtet sich dagegen dass, „offenbar geplant“ sei, „die fachliche Entscheidung selbst bei höheren Fördersummen dauerhaft“ durch dieses Verfahren zu ersetzen. „Jeder in Bochum, der anspruchsvolle Kunst präsentieren will, kann sich unmöglich auf diese Form einer zukünftigen Förderpolitik einlassen.“ Weiter heißt es, Kunstprojekte seien „eben nicht vergleichbar mit den Aktivitäten etwa eines Sportvereins“. Deshalb: „Wir professionellen Akteure des Bochumer Kulturlebens fragen uns zunehmend besorgt und etwas ratlos: werden Kunstprojekte zukünftig nur noch Sponsorengelder erhalten, wenn sie Vote-kompatibel sind?“.

Gemeinsames Gespräch

Es wird deshalb „ein gemeinsames Gespräch zwischen den Kultur-Akteuren, der Sparkasse, den Stadtwerken und dem Kulturdezernat oder Kulturbüro“ angeregt. Antworten oder Reaktionen stünden derzeit noch aus.