Freie Fahrt auf der Herner Straße nach 17 Jahren Bauzeit

Die Herner Straße wurde am Dienstag nach über 17 Jahren Bauzeit auf Bochumer Stadtgebiet komplett fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben.
Die Herner Straße wurde am Dienstag nach über 17 Jahren Bauzeit auf Bochumer Stadtgebiet komplett fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Rund 19 Millionen Euro kostete der Umbau der Herner Straße. Was am 1. März 1998 noch von Protesten begleitet wurde, ist heute ein Markenzeichen. Der Radweg auf beiden Seiten ist vorbildlich.

Bochum.. Eine der längsten Straßenbaumaßnahmen in der jüngeren Geschichte dieser Stadt schloss Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) am Dienstag mit freundlichen Worten ab, fast auf den Tag genau 17 Jahre und drei Monate nach Baubeginn: „Alles geht jetzt so glatt, so elegant“, schilderte sich das Fahrgefühl über den Asphalt des jetzt fertiggestellten vierten und letzten Bauabschnittes. Das Bauunternehmen konnte sogar fünf Monate vor dem anvisierten Fertigstellungstermin den Verkehr freigeben.

Der faktische Neubau dieser wichtigen Verkehrsachse zwischen Bochum und Herne verschlang insgesamt rund 19 Millionen Euro, worin die Kanalbaumaßnahmen enthalten sind. Der erste Spatenstich für den ersten Bauabschnitt fand am 1. März 1998 statt. Im Herbst 1999 freute sich der damalige Baudezernent Martin zur Nedden darüber, wie schön die Straße doch geworden sei.

Anfangs wurde Radweg zugeparkt

Damals gab es reichlich Gegenwind. Der für die Autostadt Bochum noch ungewohnte Fahrradweg wurde schmerzfrei zum Pkw-Parkplatz umfunktioniert, vom „Zankapfel Radweg“ unkten die Kritiker und sprachen gern über den „Rückbau“ der Straße. Der Handel stimmte mit ein und klagte laut und öffentlich über angeblich horrende Umsatzeinbußen – bis zu 20 Prozent hieß es sogar.

Wie anders die Stimmung bei der Fertigstellung. Ratsherr Lothar Gräfingholt (CDU) hatte eilig eine Pressemitteilung aufgesetzt und kommentierte fröhlich: „Dies ist eine gute Nachricht und ein guter Tag für Hofstede und Riemke.“ Der Herner Baudezernent Karlheinz Friedrichs hatte die Stadtgrenze überschritten und freute sich mit: „Dies ist ein Beispiel für einen durchgehenden stadtverbindenden Radweg. Endlich ist die Baustelle fertig.“ Auf Herner Seite stünden lediglich ein paar Markierungsarbeiten aus. Der Bundesvorsitzende des ADFC, Ulrich Syberg, der in Herne für die SPD im Rat sitzt, stimmte in den Lobgesang ein. „Es ist normal, dass dem Autoverkehr Raum genommen werden muss. Jeder Radfahrer mehr ist doch ein Autofahrer weniger.“

Alle Verantwortlichen lernten im Laufe der Zeit dazu

In den 17 Jahren Bauzeit haben alle Verantwortlichen dazugelernt. Wurden früher noch den Geschäftsleuten kommentarlos Bauzäune vor die Ladentüre gepflanzt und Zugänge mit provisorischen Rampen versehen, gibt es heute ein ausgeklügeltes Informations- und Kommunikationssystem. Anwohnerin Barbara Adamek-Schwarz, die sich während der 16 monatigen Bauzeit des letzten Abschnittes einige Male ärgern musste, weil etwa eine Zufahrt über Monate dicht war, ist denn auch mit dem Ergebnis des Umbaus zufrieden.