Frauen-Power belebt den Karneval

Mit dem Dreigestirn hat der Bochumer Karneval in den vergangenen drei Jahren ein Novum im Ruhrgebiet geschaffen. Jetzt legen die Jecken noch eins drauf: In der Session 2015/2016 wird erstmals im Revier ein weibliches Dreigestirn regieren.

„Wir sind halt immer für Überraschungen gut“, schmunzelte Festausschuss-Präsident Bernd Lohof, als er beim Rathaussturm am Rosenmontag das bis dahin gut gehütete Geheimnis lüftete. Muss Bochum in dieser Session ohne Stadt-Regenten auskommen, ist ab dem Elften im Elften 2015 Frauen-Power made in Linden/Dahlhausen angesagt. Das künftige Dreigestirn kommt komplett weiblich und blond daher. Manuela Voss (Ehefrau von Ex-Prinz Heinz I.) gibt die Prinzessin, ihre Schwester Petra Jankowiak die Bäuerin und Elke Oelmann die Jungfrau. Die beiden Schwestern verfügen bereits über hochherrschaftliche Erfahrung: Sie standen 2014/2015 dem Lindener Dreigestirn Heinz Voss, Thomas „Thomasina“ Bausen und Ewald Müller als Adjutantinnen zur Seite.

Prinz aus Werne erobert Schlüssel

„Tolle Idee“ – „Gelungener Coup“ – „Damit wird Bochum ganz groß rauskommen“: Die rund 200 Besucher im Ratssaal waren sich einig: Das Damen-Trio (die Ornate sind schon bestellt) wird den Karneval in der nächsten Session mit Charme und Schwung mächtig aufmischen. „Die drei haben riesig Lust auf die Aufgabe. Sie wollen und werden beweisen, dass wir Frauen den Job mindestens ebenso gut erledigen können wie die Männer“, sagt Petra Lohof, Geschäftsführerin des Festausschusses Bochumer Karneval, und weiß: „Im Rheinland und im Bergischen Land sind weibliche Dreigestirne durchaus üblich.“

Zuvor waren es die gekrönten Häupter aus den Stadtteilen, die (letztmals) Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz symbolisch den Rathausschlüssel entrissen. Prinz Thorsten I. aus Werne behielt im närrischen Gerangel die Oberhand – obwohl der güldene Schlüssel diesmal eigentlich für die Wattenscheider Regenten vorgesehen war. Siehe oben: Überraschungen sind im Karneval nie ausgeschlossen.

Überraschen ließ sich im vergangenen Jahr auch die Zunft der kleinen Meister. Mit ihren Generalversammlungen am Rosenmontag im Marienstift war der Traditionsklub nicht mehr glücklich. „Wir wollen keinen Sitzungs-, sondern Kneipenkarneval feiern“, betont Präsident Michael Theis. Manche stimmten schon den Abgesang auf das über 100 Jahre währende Brauchtum an.

Game over? Nein. Die Zunft entschloss sich 2014, im „Game“ einen vielleicht letzten Versuch zu starten. Mit Erfolg. 150 Besucher tummelten sich vor einem Jahr in der Gaststätte neben dem Rathaus. Anlass, die Party (Motto: „Kleine Meister ganz verrückt“) gestern zu wiederholen. „Totgesagte leben länger“, konnten Michael Theis und seine rot-weißen Mannen ab dem Vormittag erneut regen Zulauf verzeichnen. Auch zahlreiche Besucher des Rathaussturms kehrten am frühen Mittag ein: zur Freude vieler Aktiven und Gäste auch „Schutzmann“ Theo Kraushaar, der es sich trotz angeschlagener Gesundheit nicht nehmen ließ, seinen Karnevalisten einen Besuch abzustatten. „Es ist anstrengend. Aber es tut mir auch unendlich gut, wieder mitten dabei zu sein“, strahlte Urgestein Theo.

Künstler wie „Der Mann mit dem Koffer“ oder „De Mukkeköpp“ sorgten für Stimmung. Die war bei Werner Meese schon vorab gewiss. Just am Rosenmontag feierte der rührige Schriftführer der Kleinen Meister seinen 77. Geburtstag – und freut sich mit seiner Zunft schon jetzt auf den Einmarsch des Bochumer Mädel-Dreigestirns bei der 109. Generalversammlung 2016.