Franken-Kredite: Kämmerer warnt vor Panikverkäufen

„Hätten wir vor Monaten beim Kursverhältnis von 1,20 entschieden, die Franken-Kredite zurückzuzahlen, wäre uns zur Recht vorgeworfen worden, städtisches Vermögen zu verschleudern“, sagt Stadtkämmerer Manfred Busch (Grüne). Er tritt damit die Flucht nach vorn an. Dies sicherlich auch deshalb, weil er spätestens bei der Ratssitzung am Donnerstag ein starkes Rückgrat benötigen dürfte.

Er warnt nun angesichts der aktuellen Entwicklung davor in Panik zu verfallen. Die Devise: „Weg mit Schaden und der sofortige Ausstieg zu jedem Preis“ sei nicht die richtige Antwort. Die beiden Kredite in Höhe von insgesamt 220 Millionen Schweizer Franken werden in diesem Jahr fällig. Der erste muss am 18. März und der zweite am 16. Juli zurückgezahlt werden. Derzeit wird vorbereitet, den ersten Kredit zu prolongieren, das heißt, seine Laufzeit zu verlängern. Wobei Busch einräumt, dass es in dieser turbulenten Situation nicht ganz einfach werden würde, entsprechende Geschäftspartner, sprich Banken, zu finden.

Ralf Feldmann, ehemaliges Ratsmitglied der Linken, legt seine Hand genau in diese Wunde. „Es ist doch völlig offen, ob eine Verlängerung oder Umschuldung in Schweizer Franken überhaupt möglich ist, vor allem angesichts der Wahrscheinlichkeit einer weiteren Schwächung des Euro.“ Er sieht es als eine „verantwortungslose Spekulation, weiter auf eine Erholung des Euro zu hoffen“.

Schon im September letzten Jahres hatte die Verwaltung auf eine Anfrage der gemeinsamen Fraktion aus FDP und UWG reagiert und angesichts der zunehmenden Euro-Schwäche mögliche Handlungsoptionen bei den Krediten in Schweizer Franken ausgelotet. Die sogenannte „Variante B“ hatte schon damals einen baldmöglichen Ausstieg aus den noch vorhandenen Fremdwährungskrediten in Schweizer Franken erwogen.

Busch setzt jetzt auf einen langen Atem. Es müsse abgewartet werden, bis sich ein akzeptabler Kurs ergebe, zu dem die Stadt zurückzahlen könne. Hier sei die Grenze von 1,20 eine Orientierungsgröße. Freie Wechselkurse böten nicht nur Turbulenzen, sondern auch Chancen.

Dies sieht Ralf Feldmann naturgemäß völlig anders. Er stichelt gegen den Kämmerer: „Ein weiteres ‘Augen zu und durch’ wäre in dieser Situation grob fahrlässig.“