Das aktuelle Wetter Bochum 16°C
Soziales

Flüchtlinge legen eigene Zeitung vor

20.02.2016 | 12:00 Uhr
Flüchtlinge legen eigene Zeitung vor
Blattmacher und Sponsoren: Bassam Tamo (li.), Michael Stuka, Dorte Huneke-Nollmann, Bertram Frewer, Khaled Al Rifai, Brigitte Küch und Azeddin Darmach.Foto: Dietmar Wäsche

Mitte. Die Presse gleichgeschaltet, die großen Zeitungen faktisch unter Staatskontrolle, veröffentlichte Kritik an den Mächtigen unmöglich: so war die Lage in ihrem Heimatland Syrien, unter der Regierung von Diktator Assad.

Nun haben hier im Bochumer Westend sieben Geflüchtete gemeinsam mit dem Redaktionsteam der Stadtteilzeitung „Drei-Viertel“ eine eigene Sonderausgabe geschrieben, redigiert und veröffentlicht. „Man fühlt sich glücklich, wenn man ausspricht, was man fühlt“, sagte Azeddin Darmach bei der Feier zur Veröffentlichung in der Kneipe Neuland in der Rott- straße. Und noch glücklicher sei man, fügte er hinzu, wenn dies auch von Vielen gelesen wird.

Auch witzige Beiträge

„Neu in Deutschland“ heißt die Sonderausgabe, die nun in Cafés, Stadtteilzentren und ähnlichen Orten ausliegt. Die Artikel sind bunt gemischt: Azeddin Darmach, der in Syrien Englischlehrer war, schrieb zum Beispiel eine Reportage über einen Besuch im Bochumer Planetarium und über Kindheitserinnerungen an seine Heimat: vom Fluss, vom Schwimmen und Reiten. Kurzum: von einer verloren gegangenen Harmonie.

Sein Redaktionskollege Khaled Al Rifai beschrieb seinen ersten Tag in Deutschland und einen weiteren Artikel über Studien- und Berufschancen als Geflüchteter in Deutschland: Da sein Schulabschluss hier ohne zweijährigen Besuch eines Studienkollegs nicht anerkannt wird, ist sein Traum von der Universität in weite Ferne gerückt. Aber auch heitere Zeilen füllen die achtseitige Ausgabe: Zum Beispiel ein witziger Beitrag über Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und irrwitzige Wortungetüme wie „Mietübernahmebescheinigung“.

Etwa anderthalb Monate hatten sie an der Zeitung gearbeitet, erzählte Khalid. Sie richte sich an Geflüchtete, für die er manche Texte auch auf Arabisch übersetzte, und auch an Deutsche: „Das Wichtigste ist, dass die Leute hier mehr über uns erfahren: Welche Perspektiven haben wir? Welche Erfahrungen?“, sagte er. Das beginnt bei kleinen Höflichkeiten, wie zum Beispiel langsam und deutlich zu sprechen, geht aber auch darüber hinaus: „Es ist schon schwierig hier, Leute anzusprechen“, findet Khalid. Vielleicht, so seine Vermutung, liege es an einer gewissen Angst vor fremden Kulturen. Gerade deshalb sei die Zeitung so wichtig: Geflüchtete wie Khalid können ihre Geschichte erzählen.

Zeitung machen, um ungehörte Geschichten zu erzählen und um Kritik zu üben: Journalismus, wie man ihn sich hierzulande vorstellt, der so aber in ihrer Heimat nicht möglich war.

Dominik Lenze

Kommentare
21.02.2016
15:46
Das Problem der geldegostisachen sozialen Atomisierung liegt tiefer..
von hwenk | #1

Irgebdwire omme die Leute eoinfach nicht hoch, psychosch, intellktuell auf die Bevökeryungszahlen die sie umgeben, jeden TAg und entziehen sich dem...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Leben in einem Ballon
Video
Wohnexperiment
Das Ruhrgebiet geht baden
Bildgalerie
Aus der Luft
article
11581208
Flüchtlinge legen eigene Zeitung vor
Flüchtlinge legen eigene Zeitung vor
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/bochum/fluechtlinge-legen-eigene-zeitung-vor-id11581208.html
2016-02-20 12:00
Bochum