Flüchtling aus JVA Bochum hatte Schlüssel und Handy
18.01.2012 | 17:49 Uhr 2012-01-18T17:49:59+0100
Bochum. Der zwischenzeitlich geflohene Bochumer JVA-Häftling hatte nicht nur Sägeblätter in seiner Zelle, sondern auch ein Handy und einen Schlüssel. Zudem soll es schon zuvor Hinweise gegeben haben, dass der Schwerverbrecher Fluchtgedanken hatte. Trotzdem saß er nicht hinter besonders gehärteten Gitterstäben.
Der gescheiterte Fluchtversuch des 50-jährigen Schwerverbrechers aus der Justizvollzugsanstalt Bochum in der Nacht auf Montag hat inzwischen auch die Landespolitik auf den Plan gerufen. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) berichtete am Mittwoch im Rechtsausschuss des Landtags, dass der Häftling nicht nur über mehrere Sägeblätter verfügte, sondern auch über einen Helfer außerhalb der Anstalt, über ein Mobiltelefon und einen „offenbar aus Metallresten selbst gefertigten funktionsfähigen Durchgangsschlüssel“. Das Justizministerium prüfe nun, „ob bei dem Gefangenen angeordnete Sicherungsmaßnahmen wegen Fluchtgefahr zu kurz gegriffen haben“.
Es soll zuvor Hinweise gegeben haben, dass sich der jahrzehntelange Häftling mit Fluchtgedanken trage. Darauf habe die Anstalt jedoch nur bei Ausführungen, nicht aber bei der Zellenunterbringung reagiert. Obwohl der Mann als sehr gefährlich eingestuft wird, saß er nicht hinter besonders gehärteten Manganstahlgittern. Kutschaty verteidigte zugleich den Bochumer Großeinsatz vom Montag, obwohl der Ausbruchsversuch bereits auf dem Dachboden der Anstalt gestrandet war. „Mir ist lieber, wenn einmal zu früh Großalarm ausgelöst wird“, so der Minister.
Zum Einsatz der Bochumer Polizei in der Neujahrsnacht wegen der Schüsse auf drei Albaner in Wattenscheid wollte sich Kutschaty derweil nicht weiter einlassen. Es sei nicht Aufgabe des Justizministers, die dortige Polizeitaktik zu kommentieren.

00:18
derJustus, natürlich kann das Personal einer JVA nicht permanent die Zellen der Gefangenen durchsuchen. Aber der Mann hatte schon Fluchtgedanken geäussert. Man hätte ihn verlegen, und seine Zelle durchsuchen können.
20:58
EIN Sägeblatt in einem völlig überladenen Haftraum eines Langzeitgefangenen zu finden ist in der Tat sehr schwierig. In der Regel ist im geschlossenen Vollzug in NRW 1 (ein) JV-Beamter pro Abteilung für 30-50 Gefangene pro Schicht verantwortlich. Die Aufschlüsselung des Ministeriums sieht natürlich ganz anders aus, weil die sog. "Funktionsbeamten" mit eingerechnet werden, die kaum Kontakt zu Gefangenen haben.
Und ein sog. "Schließer" (Unwort) hat in der heutigen Zeit viel mehr Aufgaben als Türen auf- und zuzuschließen.
Nichts desto trotz, ist es ein Unding wenn mehrere Sägeblätter, ein Handy, ein Nachschlüssel und ein selbstgemachtes Seil gefunden wurden. Mal ganz davon abgesehen das eine Gitterkontrolle täglich stattfinden sollte.
20:45
In diesem und anderen ähnlichen Fällen ist doch auch immer Aufsichtpersonal mitbeteiligt. Ob man nun ein Auge zudrückt oder aktiv Sachen hilft einzuführen,
ohne die Hilfe geht es nicht. Keiner kann mir erzählen, die Sachen sind alle über den Zaun geflogen.
Offensichtlich läufts wirklich wie im Kino, Schmiergeld sei dank.
20:14
Es darf doch wohl nicht wahr sein: Eine Zelle wird gar nicht durchsucht. Und ein Gefangener wird nicht untersucht. Ist ein Gefängnis nur ein Hotel mit maroden Gittern davor?