Flüchtender rennt Seniorin im Bus um - Schulterbruch

Wenn die Kundenbetreuer der Bogestra im Einsatz sind (hier ein Archivfoto mit Jürgen Fischer), bleiben die Bustüren an den Haltestellen weiter geöffnet. Das betont die Bogestra nach einem Zwischenfall auf der Linie 345.
Wenn die Kundenbetreuer der Bogestra im Einsatz sind (hier ein Archivfoto mit Jürgen Fischer), bleiben die Bustüren an den Haltestellen weiter geöffnet. Das betont die Bogestra nach einem Zwischenfall auf der Linie 345.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
80-Jährige erleidet Schulterbruch und klagt: Kontrolleure haben sich nicht ausreichend um mich gekümmert. „Mit Grausen“ denkt sie an den Tag zurück.

Bochum.. Die lädierte Schulter muss noch immer durch einen Verband entlastet werden. „Aber das Schlimmste ist Gott sei Dank vorbei“, sagt Brunhilde Möller. Vor zweieinhalb Monaten wurde die 80-Jährige im Linienbus von einem Schwarzfahrer umgerannt. Nachdem sie die WAZ eingeschaltet hat, kümmert sich die Bogestra jetzt um ihren schwer verletzten Fahrgast.

„Mit Grausen“ erinnert sich Brunhilde Möller an den 26. Februar. Die Dortmunderin ist am frühen Nachmittag wie so oft mit dem Bus auf dem Weg zu ihrer Tochter in Werne. Mit ihrem Dackel Luzi findet sie im 345er nur noch einen Stehplatz weiter hinten im Bus.

An der Werner Straße steigen Zivilkontrolleure ein. Die Seniorin bemerkt, wie ein junger Mann die beiden Männer ängstlich beäugt und zunehmend nervös wird. Als sich die Kontrolleure nähern und der Bus an der Haltestelle stoppt, springt der Mann plötzlich auf, stößt Brunhilde Möller rücksichtslos zu Boden und hastet durch die offene Bustür nach draußen.

„Einfach auf eine Bank gesetzt“

„Ich konnte mich nicht rühren,. Ich hab’ vor Schmerzen geweint“, schildert die Rentnerin. Die Kontrolleure hätten sie am nächsten Halt nach draußen geleitet. „Die haben mich aber einfach auf die Bank gesetzt und sind weitergefahren. Noch nicht mal meine Personalien wurden aufgenommen. Die mussten doch sehen, dass ich verletzt war.“

In ihrer Not ruft sie ihre Tochter an, die sofort zur Mutter eilt und einen Krankenwagen ruft. Diagnose im Knappschaftskrankenhaus Langendreer: Schulterbruch. Eine Woche nimmt die stationäre Behandlung in Anspruch. „Meinen Arm“, sagt die Patientin, „kann ich bis heute nicht richtig bewegen.“

Brunhilde Möller ärgert sich über die mangelnde Fürsorge der Bogestra. „Die Kontrolleure, vielleicht auch der Busfahrer hätten sich gern etwas mehr um mich bemühen können.“ Schmerzensgeld wolle sie gleichwohl nicht, auch keine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstatten. „Ich will nur, dass etwas unternommen wird, damit so etwas nicht noch mal passiert.“ Ihre Forderung: Steigen Kundenbetreuer zu, sollen die Bustüren bis zum Ende der Kontrolle geschlossen bleiben. „Dann kann niemand rausspringen und andere über den Haufen rennen.“

Bogestra will den Vorfall prüfen

„Tut uns leid. Aber wir überprüfen Tickets und sind nicht die Polizei“, entgegnet Bogestra-Sprecher Christoph Kollmann und betont: „Auch während einer Kontrolle müssen die Türen selbstverständlich geöffnet werden können.“

Intensiv werde sich die Bogestra hingegen um die verletzte Kundin kümmern. „Wir bedauern, dass es offenbar zu einem solch schlimmen Zwischenfall gekommen ist. Wir sind dabei, den Vorfall zu prüfen, und gehen keinesfalls zur Tagesordnung über. Unser Zuspruch und unsere Fürsorge gilt jetzt aber zunächst Frau Möller.“