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Fliegen statt Buddeln

31.01.2012 | 18:42 Uhr
Fliegen statt Buddeln
Haus Weitmar mit dem Kubus. Luftbildarchäologie, ein Foto von Dr. Dr. Baoquan Song.

Bochum.Die Luftbildarchäologie ist deutschlandweit nur an der Ruhr-Universität in Forschung und Lehre integriert. Eine Begegnung mit Dr. Baoquan Song.

Mit dem Thema Archäologie assoziiert so mancher zuerst Menschen mit Tropenhüten, die sich ihren Weg buddelnd durch den Erdboden bahnen und auf den großen Fund hoffen. Dazu ein bisschen „Indiana Jones“ und „Die Mumie“. Eine weniger populäre, aber durchaus erfolgreiche Methode stellt die Luftbildarchäologie dar. Die RUB ist derzeit die einzige Universität in Deutschland, die archäologische Luftbildprospektion fest in Forschung und Lehre integriert.

Physik und Chemie integriert

„Seit einem Semester gibt es den 1-Fach-Bachelor ‚Archäologische Wissenschaften‘, der neben der Ur- und Frühgeschichte und der klassischen Archäologie auch die Archäometrie beinhaltet. Naturwissenschaftliche Methoden, etwa aus Physik und Chemie, werden in die Archäologie integriert“, berichtet Dr. Baoquan Song, Archäologe mit dem Schwerpunkt Luftbildarchäologie. „Zurzeit arbeiten wir zudem an einem Studiengang Geoarchäologie in Kooperation mit den Geowissenschaften der RUB. Interdisziplinarität ist in unserem Fach unerlässlich“, verdeutlicht er.

An der Schnittstelle

Genau das macht die Luftbildarchäologie so schwierig. Sie bewegt sich an der Schnittstelle zwischen naturwissenschaftlichen Methoden und geisteswissenschaftlicher Anwendung. „Ein Techniker benötigt das archäologische Fachwissen und umgekehrt. Nur eine doppelte Ausbildung kann zum Erfolg führen“, erläutert Song, dem dieser interdisziplinäre Austausch während seines eigenen Studiums fehlte. Er schaffte sich damals selbst die nötigen Querverbindungen und besuchte naturwissenschaftliche und technische Veranstaltungen. Mittlerweile wird dies durch den noch jungen Studiengang geregelt.

Nicht nur oberirdische Befunde

Doch was macht die Luftbildarchäologie so interessant? Drei Gründe lassen sich festhalten. Erstens: Durch die erhöhte Sicht lassen sich neue Zusammenhänge erkennen. Eine Palastanlage in China konnte so erstmals komplett erfasst werden. Zweitens: Durch Grabungen werden die archäologischen Befunde zerstört. Die Flugprospektion kann mit geringerem Aufwand die Strukturen freilegen. „Die präventive Denkmalpflege macht es sich zudem zur Aufgabe, Befunde zu sichern, bevor sie etwa bei Baustellen freigelegt und beschädigt werden“, erklärt Song. Damit kommt man zum dritten Punkt: Nicht nur oberirdische Befunde, sondern auch unterirdische lassen sich erkennen. Getreide etwa zeigt sehr deutlich Spuren menschlicher Bebauungen: Ist unterirdisches Mauerwerk vorhanden, wachsen die Pflanzen an dieser Stelle schlechter. Umgekehrt ist das Wachstum bei verschütteten Grabenanlagen deutlich stärker, da an dieser Stelle das Erdreich lockerer und somit feuchter ist. So konnten die Forscher im vergangenen Jahr 2011 durch ein Luftbild erstmals ein Krankenhaus der 15. römischen Legion in Xanten nachweisen. „Durch die Trockenperioden im vergangenen Jahr konnten wir etliche neue Entdeckungen machen. Wir spürten etwa ein römisches Lager bei Olfen und einen Vorgängerbau von Haus Dahl in Dortmund auf“, erzählt der Archäologe, der selbst fliegt.

Laie starrt gebannt

Mit dem etwas romantisch-verklärten Bild grabender Archäologen im heißen Wüstensand hat das nicht mehr viel gemeinsam. Auch wenn es diese natürlich noch gibt und Ausgrabungen zur Ausbildung einfach dazu gehören. Doch spannend ist diese Methode allemal. Und selbst der Laie starrt gebannt auf das Luftbild, wenn sich vor seinen Augen die Gesamtstruktur einer römischen Villa entfaltet, die eigentlich noch unsichtbar ist.

Nicole Bischoff

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