Finanzierung bleibt der Knackpunkt

Das Kinderstück „Michel aus Lönneberga“ (Regie Katja Laucken) zählte zu den Publikumsmagneten.
Das Kinderstück „Michel aus Lönneberga“ (Regie Katja Laucken) zählte zu den Publikumsmagneten.
Foto: Küster
Was wir bereits wissen
Die WAZ blickt in einer fünfteiligen Serie auf die Spielzeit 2014/15 im Schauspielhaus zurück. 3. Folge: Die Finanzen.

Bochum.. Gute Nachrichten hatten Intendant Anselm Weber und der kaufmännische Direktor des Schauspielhauses, Dr. Matthias Nowicki, zum Spielzeitende zu bieten. Die Zuschauerzahlen sind um 6,5 Prozent gestiegen, 197.000 Theaterfans besuchten in der Saison 2014/15 624 Vorstellungen. Weitere 10.000 sahen das Bochumer Ensemble anlässlich der Auswärtsspiele in anderen Städten. „Das Weihnachtsstück ,Michel aus Lönneberga’ haben sogar unwahrscheinliche 90 Prozent aller Bochumer Grundschüler gesehen“, sagt Nowicki stolz.

17,5 Millionen Betriebskostenzuschuss

Entwarnung bedeuten solche markanten Einspielergebnisse für den Verwaltungschef gleichwohl nicht. Denn der Theaterapparat ist groß, und er ist teuer: Mit einem Betriebskostenzuschuss von rund 17,5 Millionen Euro (Vorjahr 17,2 Mio Euro) will die Stadt ihr Schauspielhaus in der kommenden Saison unterstützen. Ein dicker Batzen, könnte man meinen. Aber das ist relativ. Denn die Betriebskosten sind auch nicht gerade klein. Im Gegenteil. Allein der Personalaufwand – Löhne und Gehälter, Sozialabgaben, Altersversorgung – schlug im letzten Jahr mit 15,334 Mio Euro zu Buche.

Theater hat einen guten Lauf

Das Schauspielhaus selbst hat aus den eigenen Vorstellungen einen Ertrag von rund 2 Millionen Euro erwirtschaftet, im letzten Jahr waren es noch 1,75 Millionen Euro, denn das Theater hat zurzeit einen guten Lauf. Die Auslastung der Vorstellungen liegt bei extrem hohen 80 Prozent. „Das spült Geld in die Kasse, und wir sind zuversichtlich, dass wir auch in der nächsten Saison u.a. wegen Neuproduktionen wie ,Der zerbrochene Krug’ mit Dietmar Bär ein ähnliches Ergebnis erreichen können“, so Nowicki.

Sparanstrengungen zeigen Wirkung

Auch zeigen die in den letzten drei Jahren forcierten Sparanstrengungen (z.B. weniger Werbung, Aufgabe angemieteter Spielstätten, zusätzliche Schließungstage) inzwischen Wirkung. „Das Haus ist im Moment gut aufgestellt“, sagt Kulturdezernent Michael Townsend. Aber er schränkt gleich ein: „Ohne weitere starke Einschnitte wird dies in der jetzt kommenden Spielzeit das letzte Mal der Fall sein.“

Tariferhöhungen selbst tragen

Der Grund: Bekanntlich soll das Theater – den umfassenden Sparzwängen der Haushaltssperre geschuldet – ab 2017 die jährlich anfallenden Tariferhöhungen bei den Personalkosten (rund 2 Prozent) selbst tragen. Das würde, je nach Abschluss, eine halbe bis eine dreiviertel Million Euro im Jahr ausmachen, die das Schauspielhaus zusätzlich herbeizaubern müsste. Allein über die Zuschauerquote lässt sich das nicht realisieren.

Wie es – auch politisch – mit der Theaterfinanzierung weitergeht, steht dahin. Dass jährlich Geld fehlen wird, lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Mitglieder des Kulturausschusses zeigten sich nach einer eindrücklichen Bestandsaufnahme von Direktor Nowicki durchaus besorgt. Praktikable Lösungsmöglichkeiten für das Dilemma sind nicht in Sicht.