Feiertage für stolze Kumpel
12.09.2010 | 18:32 Uhr 2010-09-12T18:32:00+0200
Bochum.Das Bergbaumuseum war erstmals Schauplatz des NRW-Knappentages. 2000 Teilnehmer waren bei der 8. Auflage dabei.
Fast drei Jahrzehnte hat Kurt Stemplewski unter Tage malocht, vor Kohle, zuletzt auf Auguste Victoria. „Die Fingernägel“, grinst der 63-Jährige, „werden nie wieder richtig sauber.“ Am Wochenende hat sich der Ex-Kumpel herausgeputzt. Voller Stolz. Voller Überzeugung. In schmucker schwarzer Tracht zählte er zu den 2000 Teilnehmern des 8. NRW-Knappentages am und im Bergbaumuseum.
Nur alle drei bis fünf Jahre kommen die landesweit über 90 Berg- und Knappenvereine zu dem Großereignis zusammen. Bei ihrer Gründung vor 150 Jahren waren die Verbünde noch Gewerkschaft, Sozial- und Rentenversicherung in einem. Ihr Anliegen heute: die bergmännische Tradition zu pflegen und aufzuzeigen, dass „Zukunft nur der gestalten kann, der sich an seine Wurzeln erinnert. Vergangen heißt nicht vergessen“, so Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz in ihrem Grußwort.
Hannelore Kraft als Schirmherrin des Knappentages („Hier bin ich als Kind des Ruhrgebiets mit ganzem Herzen dabei“) schlug die Brücke zur aktuellen Politik. Die SPD-Ministerpräsidentin forderte - entgegen der Empfehlung der EU-Kommission - die strikte Einhaltung des Kohlekompromisses bis 2018. Sollte es bereits ab 2014 zu weiteren Zechenstilllegungen kommen, wären die Folgen „für die ganze Region katastrophal“.
Verlässlichkeit, Solidarität, Kameradschaft, Glauben: Tugenden, die im Festzelt am Fuße des Museums-Fördergerüsts beschworen und gelebt wurden, u.a. bei einem bergmännischen Abend und Zapfenstreich des RAG-Orchesters am Samstag sowie bei einem ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen.
Gestern Nachmittag setzte sich die größte Revier-Bergparade der letzten Jahre in Richtung Innenstadt in Bewegung. Mit dabei: Kurt Stemplewski. Als strahlender Knappe. Diesmal sogar mit Geleucht.

09:54
Liebe Frau Ruhrfan, für die Außendarstellung unserer Ruhrpott-Kultur haben wir ja Sie mit den Kindern, den Pommes und den Ansprüchen. Die 2000 Knappen kamen aus ganz Deutschland und dem Ausland, die waren dafür gar nicht zuständig. Das waren Gäste! Ihre Beschimpfung wird die nicht ermuntern, wiederzukommen. Übrigens war die Stimmung auf dem Knappentag freundlich, ja herzlich. Vielleicht versuchen Sie es das nächste Mal mit etwas Sozialverhalten. Das kann man zu Hause üben, für den Fall, daß es nicht gleich klappt.
11:45
Hui, da hat sich aber einer geärgert. Tja, so kanns gehen, wenn man partout nicht einsehen will, daß man Musikern, die sich zur Formation sammeln, nicht zwischen den Beinen herumwuseln darf - und noch dazu mit lecker Pommes, um ihnen die paramilitärischen Uniformen zu versauen. Die putzigen Uniformen, über die Sie nun schimpfen, waren Ihnen, die Sie aus einer langen Tradition von Bergbauarbeitern und auch Bergwerksdirektoren stammen, aber doch vorher bekannt, deswegen sind Sie ja überhaupt da hin gegangen. Da stehen einmal andere im Mittelpunkt als Sie, und schon schreiben Sie erbitterte Kommentare? Da sind alle andern *******, verbittert und was noch alles? Schämen Sie sich.
18:09
Sind halt alte Männer,haben mit Kindern nichts am Hut!
17:31
Sind das noch echte Bergleute oder nur noch Vereinsmeierei für einige Bürger?
13:55
Tja lieber Ruhrfan, nach 40 Jahren Hartz4 hat der Charme der Knappen ein wenig gelitten!
12:42
Die Knappen. Zunächst habe ich mich gefreut, dass der Bergbaumuseumsbesuch mit meinen kleinen Kindern überraschend von so vielen Knappen verschönt wurde. Zumal ich aus einer lange Tradition von Bergbauarbeitern und auch Bergwerksdirektoren stamme. Nur leider zeigten sich die Knappen absolut nicht erfreut über Schaulustige bzw. Kinderbesuch. So wurden wir, während des Regens, von allen Seiten aus dem Festzelt gedrängt, in dem meine Kinder ihre Pommes im Trockenen essen wollten. Das Argumet war, es wäre sowieso alles reserviert. Auf einen persönlichen Ausrutscher der echauffierten Rentnergang in schwarzen Trachten hoffend, schauten wir uns nun im Regen stehend von ausserhalb des Festzeltes den Einmarsch der verschiedenen Gruppen an. Dabei wurden wir wiederum massiv an den Rand des Geschehens gedrängt, zum einen durch rücksichtslose schaulustige Knappen, zum anderen unfassbarerweise von einem Spielmannszug selbst, wobei hier eine Querflötistin sich besonders dreist auf den Fuss meiner Achtjährigen Tochter stellte. Kurzum: Ich habe, trotz ausgeprägtem Traditionsbewusstsein, noch niemals in meinem Leben einen solchen Haufen verbitterter alter Menschen in pseudo-paramilitärischer Uniform und mit derart a-sozialem Verhalten erlebt. So lässt sich unsere Ruhrpott-Kultur sicher nicht gut nach außen darstellen.