Fast ein ganzes Leben lang Opelaner

Wenn Hans Skopek vor dem Opel-Werk steht, sieht er die letzten 40 Jahre seines Berufslebens vor seinem geistigen Auge dahinschwinden – fast sein ganzes Leben lang war der 55-Jährige bei dem Autobauer tätig. Jetzt blickt er traurig und enttäuscht zurück: „Eigentlich habe ich damit abgeschlossen, aber in stillen Minuten kommen die Gedanken noch hoch.“ Im Augenblick ist Skopek in einer Transfergesellschaft untergebracht, die Zukunft ist noch ungewiss: „Ich bin auf der Suche.“

Skopek ist in Langendorf geboren. Schon seine Mutter hat bei Opel gearbeitet, also entschied er sich 1975 als Azubi ebenfalls bei dem Autobauer anzufangen. „Wir waren die ersten Energieanlagenelektroniker hier. Ich habe gedacht: Autos werden immer gebaut, Opel ist ein sicherer Arbeitgeber“, erinnert er sich.

Lange lief ja auch alles wunderbar. Nach der Ausbildung wurde Skopek in die Fachabteilung Instandhaltung übernommen, machte seine Schichten. „Der Lohn war gut und wurde immer pünktlich überwiesen“, sagt der Familienvater: „In den letzten zehn Jahren hat sich aber angedeutet, dass es bergab geht.“ Die Arbeit wurde immer weniger, die Bedingungen stressiger, die Stimmung ungemütlicher. „Über die Jahre wurde immer mehr gekürzt und gestrichen.“

Skopek war für die Endmontage zuständig, den letzten Opel hat er vom Band rollen sehen. Das alles liegt nun hinter ihm, bis zum letzten Auto habe er alles gegeben, wie er sagt: „Danach war es ein merkwürdiges Gefühl, seinen Schrank auszuräumen und nie mehr wiederzukehren an den Ort, wo ich 40 Jahre lang gearbeitet habe. Mir wurde der Boden unter den Füßen weggerissen.“

Skopek, der die Frauen des SV Höntrop trainiert, hat sich Hobbys gesucht, um nicht in ein Loch zu fallen. Seine ehemaligen Kollegen sieht er selten, meist nur bei den Versammlungen der Transfergesellschaft, die den Übriggebliebenen noch ein, in Härtefällen zwei Jahre Gnadenfrist gibt. Dort erhält er alle 14 Tage Fortbildungsmaßnahmen. „Manches hilft, ich habe schließlich über 40 Jahre keine Bewerbung mehr geschrieben. Aber natürlich habe ich mich auch selbst schlau gemacht“, sagt Skopek, der eine Versetzung nach Rüsselsheim abgelehnt hat: „Ich wohne in Dortmund, bin dort verwurzelt.“

Sein Ziel ist es selbstredend, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Einige Angebote hatte er schon, aber aktuell sind es meist Leiharbeitsfirmen, die sich möglichst günstig Arbeitskräfte sichern wollen. Seine Abfindung hat Skopek gerade erst erhalten, sie ist um die Hälfte niedriger als erwartet. „Die haben alles ganz anders gerechnet. Es gibt ja keinen Ansprechpartner mehr. Also warte ich ab, wie sich das entwickelt.“