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Fassadenkletterer am neuen Gymnasium

08.02.2012 | 18:40 Uhr
Fassadenkletterer am neuen Gymnasium
Auf der Baustelle des Neues Gymnasium in Bochum ist das Dach kurz vor Fertigstellung, die Arbeiter arbeiten dort trotz enormer Kälte. Im Bild der Brite Carl Drimmie, ein Fassadenkletterer.Foto: Udo Kreikenbohm

Bochum.   Trotz eisiger Kälte arbeiten Bauarbeiter bei der Errichtung des neuen Gymnasiums an der Querenburger Straße weiter. Richtfest ist am 17. Februar.

Routiniert befestigt er zwei Haken an die Stahlrohre, hängt frei in der Luft – zwölf Meter in der Höhe. Ein eisiger Nordostwind pfeift über das Foliendach des „Neuen Gymnasiums Bochum “ an der Querenburger Straße. Carl Drimmie arbeitet als Fassadenkletterer, die Handschuhe zieht er trotz der bitteren Kälte aus: „Ohne sie komme ich halt besser zurecht“.

Kakao und drei paar Hosen

Mit der Zeit werden die Hände rot, es brennt wie Feuer in den Fingerkuppen. Den 45-Jährigen ficht das nicht an. „Einfach zwischendurch die Hände unter den Armen aufwärmen“, lautet sein Tipp und seine blauen Augen strahlen. Überhaupt gibt es wohl Schlimmeres. Vergangenen Sommer zum Beispiel, da musste Drimmie in den Niederlanden im „Berger-Zoo“ unter einem Dach bei 60 Grad Celsius arbeiten. Das fand der Brite wesentlich unangenehmer. Denn gegen Kälte im Körper lässt sich wenigstens etwas tun. „Kohlenhydrate sind wichtig – und jede Menge heißer Kakao. Der Zucker macht’s, der liefert Energie.“ Endlich mal jemand, der nicht über die Kälte jammert!

Auf das Schokoladengetränk schwört ebenfalls sein Kollege Owen Haines: Vorzugsweise getrunken im warmen Baucontainer. „Kakao und drei paar Hosen.“ Der Fassadenkletterer aus Schottland mag den Winter sowieso, und seine Häkelkappe aus weichem Fleecestoff wärmt, auch wenn die Brise noch so steif daher kommt. „60 Prozent der Körperwärme geht über den Kopf“, sagt Bauleiter Martin Kraushaar wohl behütet und blickt in die Tiefe.

Zitronentee und lange Unterhosen

Umso bedauerlicher für Fassadenbauer Jörg Böltmann, dass er heute seine wärmende Kopfbedeckung vergessen hat: „Ich wollte dem Kollegen schon die Mütze abkaufen, aber der wollte nicht.“ Nun also heißt es durchhalten, bis 16.30 Uhr, bei eisigen Minusgraden. Mit dem Bunsenbrenner lässt er die gefrorenen Pfützen auf dem Dach schmelzen, es sind minus vier Grad, die gefühlte Kälte steigt durch den Wind enorm. Hin und wieder wärmen Böltmann und sein Kollege Björn Martin ihre Hände an dem Feuer. Ihr Tipp gegen Väterchen Frost?

„Zwiebel-Look, also mehrere Schichten übereinander anziehen“, rät Böltmann. Darüber hinaus setzt er auf Zitronentee sowie die „gute lange Unterhose von Lidl“. Martin hingegen zieht das Model von Tchibo“ vor, nebst heißem Kaffee. „Schade nur, dass wir kein Anspruch auf Schlechtwettergeld haben, wie zum Beispiel die Dachdecker“, sagt der Dortmunder Böltmann. Denn auf den Feierabend freut er sich. Daheim wird dann erst einmal heiß geduscht.

"Sobald die Luftkissen drauf sind, können wir anfangen zu heizen"

Bauleiter Martin Kraushaar geht zurück in seinen Container, studiert die Pläne. Ob er Mitleid hat mit den Kollegen, die den ganzen Tag dort draußen die Stellung halten müssen? „Nein, das nicht. Aber ich finde es einfach super, wenn alle Leute mitmachen.“

Und so ist es nun angebracht, trotz bitterster Kälte: das Foliendach aus Ethylen-Tetrafluorethylen-Teilen (ultra leichte Kunststofffolien). Wie eine Membran spannen sich die Luftkissen über das Atrium des neuen Gebäudes. „Selbst wenn die Temperaturen auf dem Thermometer weiter sinken würden: es wäre nun nicht mehr ganz so dramatisch, jedenfalls nicht hier auf dieser Baustelle. „Sobald die Luftkissen drauf sind, können wir anfangen zu heizen“, erklärt Kraushaar. Für den weiteren Verlauf der Baustelle ein enormer Gewinn, für die verbleibenden Arbeiter eine wärmende Vorstellung...

Jimena Salloch

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