Familie wegen Handels mit 700 Kilo Cannabis vor Gericht

Auf diesem Campingplatz an der Ruhr in Hattingen soll der angeklagte Familienvater seit vielen Jahren ein Drogendepot in einem Mobilheim betrieben haben. Im vorigen Januar flog alles auf. Foto:Volker Speckenwirth
Auf diesem Campingplatz an der Ruhr in Hattingen soll der angeklagte Familienvater seit vielen Jahren ein Drogendepot in einem Mobilheim betrieben haben. Im vorigen Januar flog alles auf. Foto:Volker Speckenwirth
Foto: Funke Foto Services
  • Am Landgericht Bochum hat der Prozess gegen eine Familie wegen mindestens 700 Kilo Drogen begonnen
  • Sie sollen mit Cannabis einen Umsattz in Höhe von 2,8 Millionen Euro erzielt haben
  • Das Rauschgift kam aus Holland und wurde auf einem Campingplatz an der Ruhr gebunkert

Bochum/Hattingen/Witten.. Die Anklage, die Staatsanwältin Simone Klodt vor dem Landgericht Bochum vorträgt, schildert eine hochprofessionelle, bis ins Detail durchorganisierte Drogenbande, bestehend aus Vater (66), Mutter (65), Sohn (35) und dessen Freundin (29). Seit 17 Jahren schon sollen der Vater und sein Sohn im Raum Bochum, Hattingen und Witten in ganz großem Stil gedealt haben. Es geht um mindestens 700 Kilo und einen Umsatz von mehr als 2,8 Millionen Euro. Abnehmer gab es laut Anklage auch in Dahlhausen und Linden. Einer wurde bereits vor kurzem zu 4,5 Jahren Haft verurteilt, ein weiterer aus Hattingen zu 7,5 Jahren.

Zwei der vier jetzt Angeklagten müssen noch erhebliche längere Strafen befürchten. Alle befinden sich seit Januar 2016 in U-Haft. Als die Zuschauer den Saal betraten, brach die angeklagte Freundin des 35-Jährigen in Tränen aus.

Drogen auf Campingplatz gebunkert

Der Fall ist der größte seiner Art in den vergangenen Jahren im Dreistädteeck Bochum/Hattingen/Witten. „Führungsperson“ der mutmaßlichen Bande soll der 35-jährige Angeklagte sein, ein Hausbesitzer aus dem Wittener Südwesten. Der Anklage zufolge steuerte er den Verkauf, während sein Vater, der mit seiner Ehefrau auf einem Campingplatz an der Ruhr im Hattinger Westen lebte, den Ankauf in den Niederlanden, den Schmuggeltransport über die Grenze, das Bunkern der Ware in seinem Mobilheim erledigte (u.a.in Eimern für Fischfutter).

Alle drei bis vier Wochen soll er mit seinem Mercedes über die A40 nach Venlo, Arnheim, Eindhoven und Nijmegen gefahren sein und jeweils viele, viele Kilo Marihuana, Hasch und Haze mit einem Wirkstoff von bis zu 19 Prozent für einen Preis bis zu 6800 Euro je Kilo eingekauft haben. Dabei soll teilweise auch seine Ehefrau mitgefahren sein, um der Autofahrt über die Grenze „einen harmlosen, unverdächtigen Anstrich zu geben“, wie es in einem der insgesamt mehr als 180 Anklagepunkte heißt. Der 66-Jährige soll dann mit mehreren zehntausend Euro in bar Drogen besorgt und seine Ehefrau „zum Shoppen“ in Venlo abgesetzt haben. Auch die Freundin des Hauptangeklagten aus Witten soll bei den Fahrten regelmäßig geholfen und im Gegenzug dafür großenteils ihren Lebensunterhalt finanziert bekommen haben.

Vater und Sohn im Grunde geständig

So einträglich die Geschäfte offenbar waren, so gefährlich waren sie auch. Um sich zu schützen, soll sich der Wittener in seinem Haus mit einem Beil (unterm Schreibtisch), mit Pfefferspray (im Wohnzimmerschrank) und einem Baseballschläger (hinterm Sofa) bewaffnet haben. Außerdem soll er sein Rauschgift auch gegen scharfe Schusswaffen verkauft haben, weil einer der Abnehmer nicht genug Bargeld parat gehabt habe. Deshalb habe er als Zahlungsmittel auch einen Revolver samt Munition und ein Gewehr als Zahlungsmittel akzeptiert. Er soll die Flinte später hinter einer Rigipswand versteckt haben

Vater und Sohn sollen im Grunde geständig sein. Die 9. Strafkammer hat Termine bis 14. September angesetzt.

Am 9. Januar 2016 wurde das jetzt angeklagte Ehepaar in ihrem Wagen auf der Rückreise aus den Niederlanden in Essen von der Polizei gestoppt. Im Kofferraum lagen kiloweise Marihuana und Haschisch.

Ihr Sohn wurde bereits vorher von verdeckten Ermittlern der Polizei ausspioniert, um Beweismittel zu beschaffen. So gaben sich die Beamten als Kunden aus – und zahlten auch erhebliche Beträge für die Drogen.