Fachkräftemangel - Hinwendung zu Hauptschülern
27.04.2011 | 16:27 Uhr 2011-04-27T16:27:00+0200
Bochum.Betriebe müssen sich in Zukunft dem schulisch schlechteren Nachwuchs zuwenden. Fachkräfte fehlen schon heute in vielen Branchen. Mit der fortschreitenden Überalterung der Gesellschaft wird der Mangel immer eklatanter spürbar.
„Wenn die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft erhalten bleiben soll, wird Ausbildung unverzichtbar“, sagt Jörg Linden, Sprecher der IHK Mittleres Ruhrgebiet. Für den Nachwuchs sei lebenslanges Lernen nötig. Betriebe brauchten ein Wissensmanagement: „Mit jedem ausscheidenden Kollegen geht wertvolles Wissen verloren. Dies gilt es, an Jüngere weiterzugeben.“
Für Udo Glantschnig, Leiter der Bochumer Arbeitsagentur, ist der demografische Wandel kein Desaster, sondern eine Chance. „Es lässt sich schon jetzt erkennen, was auf uns zukommt; umso eher können wir uns mit den Herausforderungen beschäftigen.“
Glantschnig bohrt dicke Bretter. Sein Ziel: Die Unternehmer zu bewegen, sich neuen Schülerstrukturen zuzuwenden. „Bislang dominiert, was ich ,Creaming’ getauft habe: Jeder Betrieb schöpft für sich die schulisch Besten, die Sahne ab. In den zurückliegenden Jahren sind sie ja auch gut damit gefahren. Doch bei genauer Betrachtung müssen sich die Unternehmer fragen: Ist das wirklich gut? Die ,Cream’ mit guten Abschlüssen bleibt selten, sondern wendet sich anderen Anforderungen wie Studium zu.“
Abitur wichtiger als Treue
Hauptschüler halten dem Betrieb eher die Treue. Nach wie vor aber werden in allen Branchen Abiturienten bevorzugt. „In Bochum versuchen IHK, Kreishandwerkerschaft und wir als Arbeitsagentur zu verdeutlichen: Die Zeiten ändern sich. Die Bewerberzahl geht zurück, von Jahr zu Jahr um drei bis fünf Prozent. Ab 2015 wird der Rückgang zweistellig.“
Also müssten sich Arbeitgeber der Gruppe zuwenden, von der oft behauptet wird, sie könne nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen. Das Potenzial der Erwerbstätigen werde sich bis 2020 um 4,5 Millionen Menschen (minus zehn Prozent) bundesweit reduzieren, das Ruhrgebiet sogar noch stärker betroffen sein mit 12 bis 13 Prozent. Also sei die Hinwendung zu Hauptschülern unumgänglich. „Oberbürgermeisterin Scholz zeigt Bereitschaft, dass die Stadt bei ihren Auszubildenden auch solche Hauptschüler berücksichtigen werde, die schulisch schlecht abgeschlossen haben. Auch die Stadt-Töchter wollen das erwägen.“
Die Prognosen sind für Unternehmer nicht gerade rosig. Klar ist es nachvollziehbar, dass die meisten vor der Beschäftigung von (und mit) schlechten Schülern zurückschrecken. Auf der anderen Seite muss in den Nachwuchs Wissen investiert werden, will man überhaupt junge Leute finden. Für alle Branchen gilt es, umzudenken, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Dabei darf indes nicht die schulische Ausbildung ins Hintertreffen geraten. Denn für den Nachwuchs wiederum gilt: Jugend ist kein Selbstläufer.
Sabine Vogt
Das sei laut Glantschnig der Ansatz, sich jetzt mit dem zu befassen, was in einigen Jahren die Berufswelt ereilen werde. „Nötig werden dabei mehr Förderung, mehr Engagement, mehr Zeit für den Nachwuchs, sonst kann es für Unternehmen zum echten Existenzproblem werden.“
Mit dem Kopf der Jugend denken
Auf Handwerksebene sei dieses Thema bereits angekommen, die wende sich zunehmend dieser Gruppe am Markt zu, die ihr die Zukunft retten könne.
Damit Schüler und Unternehmer zusammenkommen, müssten sich Arbeitgeber Zugangskanäle verschaffen: „Sie müssen mit dem Kopf der Jugendlichen denken, wenn sie sie erreichen wollen. Heute gilt: Was nicht in TV-Soaps oder bei Facebook vorkommt, existiert auch nicht.“ Deshalb gilt, bei aller Hinwendung zu neuen Medien, bei jungen Leuten heute noch eine Job-Top-Ten wie zu Zeiten ihrer Eltern: Bei Jungs rangieren der Bank- und Industriekaufmann oben, gefolgt vom Kfz-Mechatroniker, dem Einzelhandelskaufmann und dem Elektriker. Mädels bevorzugten die Fachhelferin in medizinischen Berufen, die Apothekenhelferin und die Bürokauffrau.
„Clevere Branchen sollten sich in Doku-Soaps platzieren. Die Rolle eines Gas- und Wasserinstallateurs machte den Beruf schlagartig interessant für Jugendliche. Seit der Zunahme der Kochshows wollen alle Tim Mälzer werden; früher war der Job verpönt, wegen der Arbeitszeiten und der schlechten Bezahlung.“

05:28
@ #7 Genau so sieht es aus
11:12
@Frau Vogt
Klar ist es nachvollziehbar, dass die meisten vor der Beschäftigung von (und mit) schlechten Schülern zurückschrecken. Auf der anderen Seite muss in den Nachwuchs Wissen investiert werden, will man überhaupt junge Leute finden.
Wohl wahr, Frau Vogt, nur was, wenn die Investition in die berufliche Bildung dieser Jugendlichen mutmaßlich ebenso misslingt, wie die Investition in ihre schulische Bildung von keinem Erfolg gekrönt war, da diese betreffenden Heranwachsenen, wie Sie es ja selbst bemerkten, zuvor schlechte Schüler waren?!
12:41
Lesenswert dazu:
http://www.focus.de/finanzen/news/arbeitsmarkt/tid-19321/arbeitsmarkt-das-maerchen-vom-fachkraeftemangel_aid_535617.html
Das Märchen vom Fachkräftemangel
11:58
Der Fachkräftemangel ist hierzulande eine große Lüge. Es sind genug da: Allerdings müssen sie menschenwürdig bezahlt werden, damit auch Steuern und Sozialabgaben abgeführt werden. Billiglöhner, Leiharbeiter, 1 Euro-Jobs schaffen keine Nachfrage, sondern schaffen Versorgung über die ehrlichen Steuerzahler. Die Politik versagt maßlos.
22:36
Ich hab Fachabitur. Kann ich mir heute den Allerwertesten mit Abwischen. Was mir jedesmal wieder wenigstens über Zeitarbeit nen Job verschafft ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. Aber selbst wenn man die hat hat man keine andere Chancen mehr als über Zeitarbeit. Man sucht in allen möglichen Portalen, aber das erste was kommt: ZEITARBEIT. Erstmal sollten die Betriebe bissl mehr Perspektiven bieten. Der Nachwuchs denkt sich doch auch Was für Chancen hab ich denn? Zeitarbeit oder Arbeitslosigkeit? Dafür brauch ich mich auch nich bemühen. Und die haben Recht. Man kommt ja wie gesagt nichtmal mit Fachabitur weiter es sei denn man hat Eltern im Rücken, die einen finanziell unterstützen können, wenn man studiert, weil mit eigener Wohnung und BaFöG kann man nicht mehr überleben und mit Studium und Arbeit, also im quasi dualen System, gehen die Leute doch auch immer mehr am Stock und haben iwann keine Wahl mehr als sich dann wegen Burn Out therapieren zu lassen. Alles schon gesehen. Der Abschluss an sich macht keinen Unterschied mehr für die Firmen. Hauptsache die Arbeitskräfte sind billig und reißen sich den Hintern für einen auf. So siehts doch aus. Und je mehr Qualifikationen man hat, dessen Chancen stehen genauso bescheiden, weil die einfach zu teuer sind. Da holt man dann lieber per Green Card Leute ausm Ausland die eben günstiger sind, oder schafft sie per Zeitarbeit ran. Und dann wird sich hier gewundert, wieso die Arbeitslosenzahlen immer so hoch sind. Auch wenns gerne viele anders sehen: Die Möglichkeiten für jemanden, der vor der Berufswahl steht sind bescheiden. Da macht der Abschluss wirklich keinen Unterschied mehr. Und der Nachwuchs weiß am Ende nicht wofür er sich in der Schule eigentlich noch auf den Hintern setzen soll, wenn am Ende nix bei rum kommt. Sie werden mit Wissen vollgepumpt, sollen immer mehr leisten, aber es bringt dennoch nicht genug Arbeitsplätze, geschweige denn eine geringere Arbeitslosenquote.
Die ganze Thematik an sich, da könnte ich mich stundenlang drüber aufregen.
18:29
Welcher heutige Handwerksmeister hat wohl selber Abitur oder mittlere Reife?!
Ja ja , die wahren in ihrer Jugend alle vorbildlich und fleißig und haben richtig gelernt.
Oder hatten die auch ihre Flegeljahre?
Also Ihr Meister kümmert euch mal um die Hauptschüler, Ihr seid deren Zukunft.
Denn auch kleine Geister werden Meister
13:17
Es ist langsam an der Zeit, daß sich die Leute, besonders Handwerksmeister von der der Vorstellung verabschieden, der Mensch ist nur Mensch mit Abitur. Es sind nicht alle Haupt und Realschüler unmotiviert und dumm.
13:08
Wer clever und intelligent ist, bekommt auch mit Hauptschulabschluss seine Chance. Allerdings tendieren die vernünftigen Bewerbungen z.B. bei Schreinern gegen Null.
12:59
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12:40
Nicht die Hauptschule ist schlecht, sondern was absolut Erziehungsunfähige Eltern dort hinschicken, die sich das letzte Mal bei der Zeugung für ihren Nachwuchs interessiert haben.