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Expeditionen in die Herzkammern des Ruhrgebiets

07.10.2010 | 16:58 Uhr
Expeditionen in die Herzkammern des Ruhrgebiets
Buchpräsentation „Von Menschen und Orten“: Herausgeberin Monika Buschey (2.v.l.) mit Autoren des Ruhrgebiets vor der Kulisse des Kortumhauses. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool

Bochum. In dem Buch „Von Menschen und Orten“ erzählen 15 Autorinnen und Autoren von ihren Lieblingsplätzen im Revier. Es sind die „Expeditionen in die Herzkammern des Ruhrgebiets“.

Nichts, wovon wir erzählen, kann endgültig verschwinden. Das Schöne an der Literatur ist ja – neben so viel Anderem – genau dies: Dass sich in Büchern, in Geschichten Welten und Weltempfinden erhalten, die in Wirklichkeit längst verschwunden sind. Das kann für Gedanken und für die Liebe gelten und für die Tage der Kindheit, aber eben auch für Städte, für Orte.

Seelenlandschaften

Im dem Buch „Von Menschen und Orten – Expeditionen in die Herzkammern des Ruhrgebiets“ (Verlag Henselowsky Boschmann Bottrop) beschreiben 15 Autorinnen und Autoren, die im Ruhrgebiet leben oder gelebt haben - Michael Hüter, Hanns-Bruno Kammertöns, Ralf Lilienthal, Inge Meyer-Dietrich, Zepp Oberpichler, T.D. Reda, Heinz Georg Schmenk, Philip Statmann, Ulrich Staeter, Werner Streletz, Inge Tonk, Oliver Uschmann, Joachim Wittkowski, Jürgen Werth und Monika Buschey -, den einen Ort, der ihnen besonders am Herzen liegt: Diese Seelenlandschaften können Gartenflucht und Straßenschlucht sein, Wasserturm und Seeufer, Wiesental und Wolkenkuckucksheim. Egal. Hauptsache: Heimat.

Literarisierte Orte

Herausgeberin des Buches ist die Journalistin und Schriftstellerin Monika Buschey aus Bochum, und auch sonst ist Bochum mit Beiträgen von Philip Stratmann, Inge Meyer-Dietrich, Oliver Uschmann und Werner Streletz definitiv der bevorzugte Lieblingsort der schreibenden Expeditionäre. Von 15 Ruhrgebiets-Herzkammern sind allein fünf aus unserer Stadt; wobei die literarisierten Orte so verschiedenen sind wie die Menschen, die über sie schrieben.

So Monika Buscheys Erinnerung an der Kortum-Kaufhaus, von dem sie als Kind träumte, einmal für eine Nacht zwischen all den Herrlichkeiten darinnen eingeschlossen zu sein. So Werner Streletz’ Jahrhunderte umfassender Spaziergang im Niemandsland hinter dem Haus Kemnade. So Oliver Uschmanns Erforschung des Betoncampus’ der Ruhr-Uni, den er „das Holodeck“ nennt: „Das Leben auf diesem Campus selbst erscheint einem schließlich nicht weniger als Illusion...“)

Am Herzen gelegen

Aber vor allem Inge Meyer-Dietrichs von stiller Poesie durchwobene Erinnerung an das Wiesental, dieser Märchenwiese ihrer Kindheit, und die kon-geniale Reportage über Stahlhausen von Philip Stratmann („Irgendwann muss es „klick“ gemacht haben, und dieser seltsame Ort für immer eingefroren sein.“ - Pulitzerpreis-verdächtig!).

Alle Geschichten in diesem sympathisch-lesenswerten Buch runden den Blick zu einem Ruhrgebiets-Mosaik jenseits von modischen Marketing-Maschen und müder Metropolen-Manie. Die Editierung hat Verleger Werner Boschmann übrigens gerade im Kulturhauptstadtjahr am Herzen gelegen. Herzenswunsch, Herzkammern, Herzenssache, auch dies.

Jürgen Boebers-Süßmann

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