Das aktuelle Wetter Bochum 20°C
Landgericht

Ex-Rechtsanwälte geben Untreue zu

29.06.2012 | 17:13 Uhr
Ex-Rechtsanwälte geben Untreue zu

Bochum.   Zwei Familienväter, die jahrzehntelang als Rechtsanwälte und Notare in einer gemeinsamen Kanzlei tätig waren, haben vor dem Landgericht eingeräumt, Mandantengelder für sich selbst abgezweigt zu haben.

Die beiden Volljuristen (60, 61) aus Bochum und Herne, die als Rechtsanwälte und Notare rund 1,2 Millionen Euro Mandantengelder ergaunert haben sollen, hätten bereits im Jahr 2005 ihre Kanzlei liquidieren müssen; so schlecht standen die Finanzen. Nicht einmal einen einzigen Anwalt hätte die Sozietät gescheit ernähren können, wie es gestern am zweiten Prozesstag am Landgericht Bochum hieß. Einmal wurde die seit 1983 bestehende Praxis in Herne mit einem „klinisch toten“ Patienten verglichen, in den immer wieder neue Blutkonserven reingepumpt worden seien, „obwohl man wusste, da wird kein Leben mehr kommen“.

„Mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns“

Mit den Blutkonserven waren die vielen, teils sechsstelligen Mandantengelder gemeint, die sich die Angeklagten nach und nach als Darlehen verschafft haben, obwohl sie laut Anklage genau wussten, dass eine Rückzahlung wohl unmöglich war. Außer Darlehen sollen sie auch solche Mandantengelder abgezweigt haben, die ihnen zu treuen Händen anvertraut waren. Es geht um 19 Fälle.

Am Freitag legten die Angeklagten ein Geständnis ab. Einiges wurde „mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns“ eingeräumt, in anderen Fällen die persönliche Schuld jedoch relativiert. Richter Michael Rehaag meinte, dass ihre Erklärungen „von einer geständigen Einlassung sehr weit entfernt“ seien. Das sei „mehr als problematisch“. Hintergrund: Zum Prozessauftakt hatten alle Seiten einem Deal zugestimmt: drei bis 3,5 Jahre Haft - aber im Falle eines Geständnisses. Dieser Deal drohte offenbar hinfällig zu werden.

Finanzlöcher mit Fremdgeld gestopft

Die Angeklagten zogen es danach aber vor, die Kammer zu besänftigen, indem sie ihre Schuld doch etwas unmissverständlicher einräumten. Sie betonten allerdings, dass die Kanzlei auch wegen des Aus von Großmandanten und offenen Gebührenforderungen in Turbulenzen geraten sei. In ihrer Krise haben die Angeklagten ihre Liquiditätsprobleme offenbar immer wieder mit Fremdgeld zu stopfen versucht und sich dabei blauäugigen Hoffnungen hingegeben. Begleitet wurde dieses verzweifelte Herumdoktern wohl auch von der Angst, das eigene Scheitern vor sich und dem Umfeld einzuräumen.

Am Ende hielt die 10. Strafkammer das Geständnis für „ausreichend“. Ein Urteil folgt wohl am 4. Juli. Die Angeklagten leben heute von Hartz IV beziehungsweise vom Gehalt der Ehefrau.

Bernd Kiesewetter



Kommentare
30.06.2012
02:33
Ex-Rechtsanwälte geben Untreue zu
von graham | #1

Ohne Worte.
Statt sich sein eigenes Scheitern einzugestehen und seinen Lebensstandard halten zu wollen, das Leben anderer zu ruinieren. Verwerflich!
Das zeigt mal wieder, dass man niemandem vertrauen darf, nicht einmal denen-eben Anwälten, denen man aus Unwissenheit vertrauen muss.

Die Geschädigten tun mir aufrichtig leid. Das persönliche Umfeld dieser Verbrecher auch, sofern sie von diesen Machenschaften nichts gewusst haben und sich in diesen Menschen getäuscht haben. Was auch schwer fällt zu glauben.

Aus dem Ressort
Fußgänger in Bochum von Auto erfasst - Krankenhaus
Unfall
Ein 49-jähriger Fußgänger ist im Bochumer Stadtteil Weitmar von einem Auto erfasst und zu Boden geschleudert worden. Der Mann wurde dabei schwer verletzt und kam mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus. Der 49-Jährige war vor dem Unfall an wartenden Autos vorbei gelaufen.
Bochumer Künstler Zarko Radic zu Gast in Berlin
Kunst
Kofferpacken ist für den Maler Zarko Radic angesagt. Aber es gehen nicht nur Jackett, Hosen & Schuhe auf die Reise, sondern – das vor allem – seine Bilder. Denn am Samstag 4. Oktober steht bereits die Ausstellungseröffnung an: in der Berliner „Galerie Kunst am Gendarmenmarkt“.
Bochumer Motorradfahrer bei Unfall auf A 40 schwer verletzt
Stauende
Ein 64-jähriger Bochumer hat auf seinem Motorrad auf der A 40 in Höhe Dortmund ein Stauende zu spät gesehen. Beim Bremsversuch stürzte er, rutschte rund 100 Meter über die Fahrbahn, prallte in einen BMW und wurde über die Böschung geschleudert. Das Kennzeichen an seiner Maschine war gefälscht.
Aufklärungsquote bei Taschendiebstahl verschwindend gering
Aktionswoche
Die Fallzahlen für Taschendiebstähle liegen in Bochum wie im Land NRW auf einem hohen Niveau. Etwa 1000 Taten gibt es jährlich in der Stadt. Umso geringer ist seit Jahren die Aufklärungsquote. Die Polizei reagiert mit einer Aktionswoche: „Augen auf und Tasche zu! Langfinger sind immer unterwegs.“
Richter dreht in Bochum „Grabowski - alles für die Familie“
Crowdfunding
Bochum wird Haupt-Drehort für „Grabowski - alles für die Familie“, das neue Leinwand-Projekt von Ruhrpott-Ikone Ralf Richter. Der Film steht in der Tradition des Kult-Klassikers „Bang Boom Bang“. Richter verspricht den Fans einen „Knaller“. Finanziert werden soll das Projekt auch über Crowdfunding.
Umfrage
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) begrüßt grundsätzlich den Radschnellweg, der ab 2020 von Essen aus durch Bochum nach Dortmund führen soll, kritisiert aber die Streckenführung. Was halten Sie davon?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) begrüßt grundsätzlich den Radschnellweg, der ab 2020 von Essen aus durch Bochum nach Dortmund führen soll, kritisiert aber die Streckenführung. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Sänger auf dem Bolzplatz
Bildgalerie
Day Of Song
Höhenfeuerwerk in Stiepel
Bildgalerie
Fliegenkirmes