Das aktuelle Wetter Bochum 13°C
Prozessauftakt

Ex-Anwälte sollen Vermögen ergaunert haben

27.06.2012 | 17:52 Uhr
Ex-Anwälte sollen Vermögen ergaunert haben
Der Schauplatz des Prozesses: Das Bochumer LandgerichtFoto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.   Zwei Familienväter, die als Rechtsanwälte und Notare jahrzehntelang eine Kanzlei betrieben haben, sollen Mandantengelder in Millionenhöhe veruntreut oder sich erschlichen haben. Ihnen drohen zwischen drei und dreieinhalb Jahre Haft.

Zwei Familienväter (60, 61) aus Bochum und Herne haben jahrzehntelang als Rechtsanwälte und Notare gearbeitet, brauchten am Mittwoch selbst einen Rechtsbeistand. Sie sind angeklagt, weil sie seit 2005 in ganz großem Stil fremdes Vermögen veruntreut haben sollen - laut Anklage rund 1,2 Millionen Euro.

Sie kennen sich seit ihrer Referendarzeit. Die haben sie dort absolviert, wo sie auch jetzt wieder sitzen: am Bochumer Landgericht. Dass sie dort einmal gemeinsam auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, hätten sie sich sicher auch nicht träumen lassen. Sie trugen dort Freizeitkleidung, keine Anzüge mehr und erst recht keine Robe.

Ihre seit 1983 gemeinsam betriebene Kanzlei in Herne soll finanziell arg ins Schlingern geraten sein. Um die Löcher zu stopfen und das Büro lebensfähig zu halten, griffen sie - so der Vorwurf - zu strafbaren Methoden. Die Anklage listet 19 Fälle der Untreue , des Betruges und anderer Delikte auf.

Anklage: Sogar die eigene Tante übers Ohr gehauen

Sie sollen Mandantengelder heimlich für die Kanzlei abgezweigt und damit ihren Lebensunterhalt bestritten haben. Ebenfalls von Mandanten sollen sie sich mit hohen Zinsversprechen Darlehen erschwindelt haben, obwohl ihnen klar gewesen sei, dass sie diese Schulden nie hätten zurückzahlen können. Die Schäden belaufen sich in Einzelfällen auf über 400 000 Euro, heißt es in der Anklage. Ein Angeklagter soll sogar seine eigene Tante übers Ohr gehauen haben. Außerdem ist eine Anklage von einer Geschädigten die Rede, die ihrem Rechtsanwalt „blind vertraute“. Da ging es um 50 000 Euro. Nur einen relativ geringen Teil des Gesamtschadens sollen die Angeklagten bisher zurückgezahlt haben.

Aufgeflogen war die mutmaßliche Gaunerei, nachdem Gläubiger Anzeige erstattet oder Klage erhoben hatten.

Geständnisse signalisiert

Zum Prozessauftakt haben beide Angeklagten ein Geständnis signalisiert. Zuvor hatte es einen Deal mit der Strafjustiz gegeben: Drei bis 3,5 Jahre Haft, falls die beiden die Vorwürfe einräumen.

Ihre Zulassungen als Rechtsanwälte und Notare haben sie unter dem Druck des Verfahrens längst zurückgegeben. Der 61-jährige Herner hat auch eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben. „Ich werde ausschließlich von meiner Ehefrau unterhalten“, sagte er. Außerdem: „Ich bin die Hausfrau.“ Bei seinem Ex-Kompagnon neben ihm sieht es finanziell ebenfalls düster aus. Er lebt jetzt von Hartz IV.

Mit Pistole zu Arbeit gegangen

Der Angeklagte aus Bochum ist auch angeklagt, weil er mit einer teilgeladenen Pistole („Armada Argentina“) in der Jacke zur Arbeit gegangen sei. Er sagt, er habe eine kostbare Waffensammlung gehabt und zwei wissenschaftliche Bücher darüber geschrieben. Sein Verteidiger meinte allerdings auch: „Es gibt ja nicht nur freundliche Mandanten.“

Am nächsten Freitag wollen sich die Ex-Anwälte zur Sache äußern.

Bernd Kiesewetter



Kommentare
Aus dem Ressort
Weitere 600 000 Euro für das Musikzentrum Bochum
Schenkung
Die Stiftung Bochumer Symphonie stellt der Stadt Bochum für den Bau der Organisations- und Verwaltungsräume am Musikzentrum weitere 600 000 Euro zur Verfügung. Mit der Schenkung erhöht sich das finanzielle Engagement der Bürger-Stiftung auf rund 14,9 Millionen Euro.
Alte Arbeiterkolonie ist die Blume von Stahlhausen
Bochums Straßen
In der Lerschstraße stehen noch heute einige der am besten erhaltenen Häuser der alten Arbeiterkolonie. Im zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der Siedlung zerstört. Nur wenige Gebäude blieben im Originalzustand erhalten. Für sie gibt es heute eine Denkmalschutzsatzung.
Zutritt in Bochumer Wäldern teilweise wieder erlaubt
Sturmfolgen
Wer in den Wäldern in Bochum spazieren gehen will, kann dies jetzt wieder legal tun. Das Land NRW hat jetzt Waldwege in einigen Wäldern freigegeben, nachdem die Wälder insgesamt wegen der Sturmschäden von Pfingsten durch Tief "Ela" offiziell gesperrt waren.
Mieter nach Brandserie in Bochumer Hustadt in großer Sorge
Ermittlungen
In verschiedenen Hochhäusern der Bochumer Hustadt ist es binnen einer Woche schon zu vier Kellerbränden gekommen. Die Kripo sucht jetzt einen Feuerteufel. Ein Mieter glaubt: „Das muss irgendein Psycho sein, der sich daran ergötzt.“
Eine Stadtschreiberin für das Bochumer Westend
Stadtteilprojekt
Dorte Huneke ist die erste Stadtschreiberin im Westend. Die 1975 geborene Autorin und Übersetzerin lebt seit 2012 in Bochum, der Liebe wegen. Das Stadtschreiber-Projekt wird unterstützt vom Senioren-Treff Albert-Schmidt-Haus finanziert durch den Stadtumbau Bochum-Westend.
Umfrage
Am 18. und am 19. September steigt im Bezirk des Bochumer Polizeipräsidiums die 7. Auflage des 24-Stunden-Blitzmarathons. Für die Polizei ist die Aktion längst eine Erfolgsgeschichte. Was halten Sie davon?

Am 18. und am 19. September steigt im Bezirk des Bochumer Polizeipräsidiums die 7. Auflage des 24-Stunden-Blitzmarathons. Für die Polizei ist die Aktion längst eine Erfolgsgeschichte. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos