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Protest gegen KiBiz

Erzieherinnen: „Wir können nicht mehr“

08.11.2010 | 17:30 Uhr
Erzieherinnen: „Wir können nicht mehr“

Bochum. Gemeinsam gegen „KiBiz“: Die 450 Beschäftigten der 43 Evangelischen Kindertageseinrichtungen in Bochum fordern eine Reform des Kinderbildungsgesetzes in NRW.

Seit zwei Jahren ist das von der schwarz-gelben Landesregierung erlassene „Gesetz zur frühen Bildung und Förderung von Kindern“ (KiBiz) in Kraft. Ute Reddig, Leiterin der Kita Gethsemane an der Dorstener Straße in Hamme, zieht im Namen ihrer Kolleginnen eine verheerende Bilanz: „Ein kompletter Berufsstand ist an seine Leistungsgrenze gestoßen. Wir sind am Limit. Wir können nicht mehr!“

Sämtliche Ziele von KiBiz - u.a. der Ausbau der Plätzen für unter Dreijährige, flexiblere Öffnungszeiten, Sprachförderung - seien verfehlt worden. „Wir haben gelernt, dass frühkindliche Bildung und soziale Entwicklung wichtig sind. Nur kosten darf es nicht viel“, zürnt Ute Reddig. Den Trägern fehle es dramatisch an Geld und Personal. „Die Belastungen für die Erzieherinnen vor Ort sind nicht mehr tragbar. Und wer in den Beruf einsteigen will, erhält aufgrund der unseligen Buchungszeiten (Eltern ordern ein Kontingent an Betreuungsstunden, die Red.) nur befristete Verträge.“

Die Mitarbeiterinnen der Evangelischen Kitas mit insgesamt 2800 Plätze verlangen „Resultate, keine Phrasen“. Bei einer Versammlung haben sie ihre zentralen Anliegen auf „Stolpersteine“ gepinselt. Sie sollen den steinigen Weg symbolisieren, der KiBiz für ihre Arbeit mit den Kindern bedeute: „Der Alltag gleicht immer mehr einem steinigen Acker.“

Den will die SPD kräftig umpflügen. „Von dem alten Gesetz wird nicht mehr viel übrig bleiben“, versprach SPD-Landtagsabgeordneter Serdar Yüksel am Montag bei einem Besuch in der Kita Gethsemane. Die rot-grüne Minderheitsregierung strebe eine „Generalrevision“ des KiBiz-Gesetzes an. Dafür würden zusätzlich 300 Mio. Euro bereit gestellt. Dringend erforderlich sei insbesondere der weitere Ausbau der U-3-Betreuungsplätze. Zum Jahresende sei mit einem ersten Referentenentwurf zu rechnen.

„Inzwischen gibt es auch Signale aus der CDU, wo die Überzeugung wächst, dass KiBiz nicht der Weisheit letzter Schluss ist“, erklärte Serdar Yüksel, der die Hammer Kita mit schwerem Gepäck verließ: Die in einen Sack gefüllten Kieselsteine der Erzieherinnen sollen die Politiker in Düsseldorf mahnen, gemeinsam mit Erzieherinnen und Eltern ein gutes Gesetz zu erarbeiten.

Fürsprecher hat die Kita bei der SPD Hamme. Pressesprecher Klaus Amoneit fand gestern klare Worte: „Für zehn Kinder unter drei Jahren gibt es hier zwei Stellen. Die Kindergartenleiterin nennt das unzureichend. Ich bezeichne einen solchen Personalschlüssel als Körperverletzung!“

Jürgen Stahl

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Kommentare
09.11.2010
18:23
Erzieherinnen: „Wir können nicht mehr“
von Volksentscheid | #2

@1 Und nach der Ausbildung gehts auch nicht gerade rosig weiter.Mich wundert das unter solch
lausigen Rahmenbedingungen überhaupt noch jemand Erzieher als Beruf wählt ?!
KiBiz ist wieder ein Beispiel dafür mit welchWeitblickund Realitätssinn in D Gesetze
geschustert werden....

09.11.2010
16:18
Erzieherinnen: „Wir können nicht mehr“
von bochum-weitmar | #1

Auch bei der Ausbildung der Erzieherinnen gehen Gesetz und Wirklichkeit weit auseinander.
1. Beispiel: Man befindet sich in der Ausbildung zur Erzieherin, man muss während dieser Ausbildung ein vierwöchiges Praktikum in einem Kinderheim machen. Die dort von den Erzieherinnen zu betreuenden Kinder sollten nicht älter als 14 Jahre sein. So die Vorgabe!!
1. In Bochum gibt es ein Berufskolleg, welches die Erzieherinnenausbildung anbietet. 2. In Bochum gibt es mehrere Kinderheime (städt., evangelisch, kath.).
In den Heimen werden jedoch kaum Schülerinnen des Berufkollegs als Praktikanten aufgenommen. Zum Teil weil die Bestimmungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Es gibt meist gemischte Heimgruppen, in denen sichKinder/Jugendliche bis 18 Jahre befinden. Zum teil werden Praktikantennicht angenommen, weil den Heimkindern eine Praktikantin für vier Wochen nicht zumutbar ist. Lt. Aussage der heimleitungen wäre eine Praktikantenzeit von 8-12 Wochen für die Kinder angenehmer. Frage: Warum schreibt die Ausbildungsordnung ein Praktikum für 4 Wochen vor? Realitätsfremd!! Praktikanten des Berufskollegs in Bochum müssen sich also Praktikumsplätze in den umliegenden Städten des Ruhrgebietes suchen. Die Schulische Ausbildungsstätte ist in Bochum, aber Praktikantenplätze gibt es hier kaum. Realitätsfremd!
Das gleiche gilt für Prakikantenplätze im Anerkennungsjahr für Erzieher.Wenn man in diesemjahr bei den entsprechenden Stellen anfragt, bekommen Erzieher die Anwort, wir wissennoch nicht ob wir im kommenden Jahr 2011 überhaupt Praktikantenplätze haben oder bewerben Sie sich im Juni für einen Platz Anfang August! Ich nenne das nicht gerade positive Voraussetzungen für eine ordentliche Ausbildung.
Vor ca. 50 Jahren wurden schon Erzieherinnen in Bochum ausgebildet, damals gab es eine Kooperation zwischen einem sogenannten Ausbildungskindergarten und Kinderheimen.
Man machte seine Praktikum in einem speziellen Kindergarten, welcher mit der Ausbildungsordnung vertraut war und sich eng mit der Schule abgesprochen hatte. Ebenso gab es eine Kooperation zwischen Schule und einem Kindergarten. Komisch damals war die Zusammenarbeit deutlich besser als heute.

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