Erfolgsstory Ergotherapieschule

20 Jahre Ergotherapieschule: Leiterin Silvia Mitchell (r.) und die Schülerinnen Inga Kassack (l.) und Lea Scholtes.
20 Jahre Ergotherapieschule: Leiterin Silvia Mitchell (r.) und die Schülerinnen Inga Kassack (l.) und Lea Scholtes.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Seit 20 Jahren gibt es jetzt die Ergotherapieschule in Bochum. Beim Tag der offenen Tür am Freitag besteht die Möglichkeit, sich das Erfolgsrezept erklären zu lassen.

Bochum.. Einen Platz an dieser Schule zu bekommen ist relativ leicht. Dafür kostet er aber auch. 435 Euro muss ein Schüler der Ergotherapieschule Bochum monatlich aufbringen, um sich über drei Jahre zum Altenpfleger, Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten ausbilden zu lassen. Viele jobben nebenbei, um das finanzieren zu können.

In den 15.000 Euro Ausbildungsgesamtkosten aber ist etwas enthalten, das dieser Tage wichtiger denn je ist und die sehr anspruchsvolle Zeit der Ausbildung aufwiegt: eine Vermittlungsquote auf den ersten Arbeitsmarkt von fast 100 Prozent.

Silvia Mitchell (52), Ergotherapeutin und Leiterin der Ergotherapieschule, sagt das mit großer Genugtuung und Stolz. „Die Aussichten unserer Absolventen, 80 Prozent sind Frauen, sind sehr gut. Von den 22, die zum 1. November ihren Abschluss machen, haben 19 bereits einen Arbeitsvertrag.“ Wohlgemerkt, bevor sie ihr Staatsexamen in den Händen halten.

Schule hat sich etabliert

Diese überragende Quote entsteht aus einer besonderen Mischung. Einerseits sind Gesundheitsberufe besonders gefragt. „Gerade die Altenpflege boomt weiterhin“, sagt Mitchell. Andererseits genießt die Ergotherapieschule einen guten Ruf. Das wiederum hängt eng damit zusammen, dass die Schule in diesem Monat seit 20 Jahren besteht.

Mitchell hat sie nicht nur mit aufgebaut, sie hat sie gegründet. Die Schule gehört zum Berufsfortbildungswerk des Deutschen Gewerkschaftbundes. „Anfänglich waren wir an der Kohlenstraße. Jetzt sind wir schon ganz lange an der Hüttenstraße. Die Schule hat sich etabliert. Wenn ich hier in der Umgebung gucke, dann besetzen etliche unserer ehemaligen Schüler leitende Stellen.“

Keine Umschulung durch Arbeitsagentur

200 Schüler besuchen im laufenden Schuljahr die Schule. Sie haben eine 35-Stunden-Woche (8 - 15.30 Uhr) und sitzen mit maximal 24 Mitschülern in einer Klasse. Sie können nach absolvierter dreijähriger Ausbildung noch etwas machen, was laut Mitchell, „keine weitere Berufsschule im Umkreis bietet. Sie können an der Hochschule in Osnabrück, mit der wir schon ganz lange eine Kooperation pflegen, berufsbegleitend studieren und ihren Bachelor machen. Sie haben dann drei Tage Präsenzpflicht an der Hochschule, können nebenbei arbeiten“.

War die Ausbildung an der Ergotherapieschule zunächst ein Umschulungsprojekt der Arbeitsagentur, so bietet sie nun eine klassische Ausbildung an. Mitchell: „Die Arbeitsagentur bietet keine dreijährige Umschulung mehr an.“ Das hat dafür gesorgt, dass sich das Alter der Schülerinnen und Schüler um zehn Jahre nach unten verschoben hat. Waren die meisten Schüler anfänglich um die 30 Jahre alt, „so sind sie jetzt um die 20“, sagt Mitchell. „Das heißt für uns, dass wir anders arbeiten müssen. Zehn Jahre Altersunterschied heißt auch, dass da einiges an Lebenserfahrung noch nicht da ist.“