Eltern „haben es satt“

Verdi-Geschäftsführerin Gudrun Müller informierte Eltern am 23. Mai über den Streik der Erzieherinnen.
Verdi-Geschäftsführerin Gudrun Müller informierte Eltern am 23. Mai über den Streik der Erzieherinnen.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Eltern fürchten eine Fortsetzung des Kita-Streiks. Ihre Vorwürfe richten sich gegen die Stadt und die Gewerkschaften.

Bochum.. Seit gut zwei Wochen sind die 17 städtischen Kitas wieder geöffnet, können etwa 1100 Mädchen und Jungen betreut werden. Ob das ein Dauerzustand wird oder nach der heute endenden Schlichtung eine Fortsetzung der Streiks von Bediensteten in städtischen Kitas und Sozialeinrichtungen folgt, entscheidet sich in diesen Tagen.

Iris Hoppe wäre gerne darauf vorbereitet. Gemeinsam mit anderen Eltern hat sie eine private Betreuungsinitiative gegründet, die womöglich nächste Woche wieder aktiv werden muss. Schon im Mai wollten sie Kita-Räume der Stadt nutzen, um ihre Kinder zu betreuen. Ohne Erfolg. „Ich habe eine Ausrede nach der anderen erhalten“, sagt sie verärgert.

Plätze in Notgruppen frei geblieben

Aber auch an der Gewerkschaft lässt die berufstätige Mutter kein gutes Haar. Verdi bitte die Eltern im Kampf um eine bessere Entlohnung für Erzieher um einen Schulterschluss. „Aber um unsere Belange kümmert sich niemand. Wir haben es satt, dass sich jeder nur von seiner guten Seite zeigen will und die Verantwortung hin und her geschoben wird.“

Aus Sicht von Verdi ist die Kritik unberechtigt. Erzieherinnen hätten sich bereit erklärt, in Notgruppen zu arbeiten. „Und wir haben die Stadt darauf hingewiesen, dass jede Menge Plätze frei geblieben sind“, sagt Gewerkschaftssekretär David Staercke. Aber auf die Kriterien, eine Notgruppe in Anspruch nehmen zu können, habe die Gewerkschaft keinen Einfluss.

Bei der Stadt wiederum gab es gestern keine Antwort auf die Frage der WAZ, was dagegen spricht, Eltern Räume zur Verfügung zu stellen, die die Kinderbetreuung in Eigenregie übernehmen wollen. Auch eine Erklärung zu den Zugangskriterien für die Teilnahme an den Notgruppen blieb aus.

Protestveranstaltung geplant

Anfang Juni, als die Kommune 50 Ü 3-Plätze und 20 U 3-Plätze angeboten hatte, hieß es in einer Pressemitteilung: „Grundsätzlich sollten Eltern die Betreuung der Kind im familiären Umfeld sicherstellen.“ Ansonsten müssten Bescheinigungen von Arbeitgebern beigebracht werden, die nachweisen, das Eltern „keinen Urlaub nehmen können und das Kind nicht mit zur Arbeit gebracht werden kann“.

Auch das bringt Iris Hoppe und ihre Mitstreiter auf die Palme. Es könne nicht sein, dass Urlaubstage, die zur Erholung dienen sollten, für die Kinderbetreuung verwendet werden müssten oder man gar unbezahlten Urlaub nehmen müsse.

Am Donnerstag plant Verdi nun gemeinsam mit Eltern eine Protestveranstaltung vor der Ratssitzung, um auf die Rückerstattung von Kita-Beiträgen aufmerksam zu machen. Womöglich gibt es dann aber noch weiteren Gesprächsbedarf.