Einst Blickfang am Freigrafendamm

In den 1920er Jahren wurde der Freigrafendamm, die beeindruckende Allee zwischen der Wittener Straße und dem Hauptfriedhof, angelegt. Bis 1931 entstanden dort eine moderne Wohnsiedlung – und ein Kriegerdenkmal.

Der Freigrafendamm erinnert an die mittelalterlichen königlichen Gerichte in Westfalen, die Freigerichte (Feme), wobei der Vorsitzende des Gerichts der „Freigraf“ war. Bereits vor der Eingemeindung Altenbochums (1926) waren Pläne für einen neuen Zentralfriedhof und eine repräsentative Zufahrt in Angriff genommen worden.

Ein Denkmal für Gefallene

Etwa zeitgleich reiften Überlegungen, ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Altenbochumer zu errichten. Das Denkmal, das heute komplett vergessen ist, stand unmittelbar am Entree zum Freigrafendamm an der Wittener Straße. Das Kriegerdenkmal (Bildhauer Walter J. Becker) bestand aus einem 3,60 Meter hohen Natursteinsockel, auf dem die Bronzefigur eines knienden Soldaten mit gesenkter Fahne über der Schulter ruhte.

Grundsteinlegung war im Juli 1931, bereits im Oktober war die feierliche Einweihung, zu der Tausende herbeiströmten, nicht nur aus Altenbochum. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bronzedenkmal abgebaut und eingeschmolzen. Nach dem Krieg wurde es nicht wieder errichtet, auch der Sockel wurde 1947 geschleift. Am alten Standort des Denkmals entstand ein Kiosk, der, an der Bahnhaltestelle der 302/310 gelegen, bis in die 1980er Jahre geöffnet hatte.

Während das Kriegerdenkmal von vielen vergessen worden ist, hat der Hauptfriedhof seine Bedeutung bis heute bewahrt. Bemerkenswert erhebt sich der gleichnamige Zentralfriedhof am Freigrafendamm mit den während der NS-Zeiten entstandenen Monumentalbauten und seinen knapp 60.000 Gräbern. Manch Anwohner geht auf dem 50 Hektar großen Gelände auch gerne Mal spazieren.

Kontrovers diskutiert allerdings wird die vor fünf Jahren entstandene „Oase der Erinnerung“, wo das soziale Gefälle in der Gesellschaft über den Tod hinausreicht. Denn der kostet bekanntlich nicht nur das Leben. Während die Zahl der preiswerten Urnenbestattungen zunimmt, umwerben die heimischen Friedhofsgärtner die Bochumer, die sich ihre letzte Ruhestätte etwas kosten lassen können und wollen. Für sie wurde auf dem Hauptfriedhof eine „Oase der Erinnerung“ geschaffen.

Erstmals hatte das Grünflächenamt damals ein komplettes Gemeinschaftsgrabfeld der Genossenschaft der Friedhofsgärtner zur Verfügung gestellt. Das 2500 qm große Feld 27 (Feldmark/Sheffieldring) mit Ruhebänken, Mühlstein und Gabionen wurde seit der Übergabe im Juli 2010 aufwändig hergerichtet.

Letzte Ruhe „all-inclusive“

Das Angebot wird rege genutzt, immer mehr Angehörige können oder wollen sich nicht mehr um die Gräber selbst kümmern. Das Grabfeld wird ausschließlich über Dauerpflegeverträge bewirtschaftet. Die Laufzeit beträgt 25 Jahre. Wer in der „Oase der Erinnerung“ seine letzte Ruhe finden will, bucht ein Komplett-Paket inklusive Grabmal per Einmalzahlung auf ein Treuhandkonto. Kostenpunkt: Minimum 4240 Euro. Für etwas mehr als ein Zehntel der Pflegekosten einer „Oase“-Grabstätte (ohne die städtischen Friedhofsgebühren) ist die billigste Urnenbestattung zu haben: für 439 Euro.