Das aktuelle Wetter Bochum 12°C
Mordprozess

„Einer der Stiche hat den gesamten Körper durchstoßen“

22.05.2012 | 17:04 Uhr
„Einer der Stiche hat den gesamten Körper durchstoßen“
Die Leiche wurde nach der Tat in die Gerichtsmedizin gebracht.Foto: Karsten John

Bochum.   Im Mordprozess gegen einen 50-jährigen Bochumer, der seine Ehefrau erstochen haben soll, schilderte der Gerichtsmediziner am Dienstag die vielen furchtbaren Stichverletzungen. „Einer der Stiche hat den gesamten Körper durchstoßen.“

Am Mittwoch (23. Mai) soll der Staatsanwalt im Mordprozess gegen die Arzthelferin (32), die ihren Liebhaber vergiftet und erstochen haben soll, seinen Strafantrag stellen. Gleichzeitig läuft vor dem Schwurgericht aber noch ein anderer, nicht minder grausamer Mordprozess . Ganz anders als bei der Arzthelferin schauen dort stets nur sehr wenige Besucher zu. Dabei ist auch dieser Fall äußerst erschütternd und Mitleid erregend.

Der Angeklagte, ein gelernter Elektriker, gibt zu, am 12. Oktober seine Ehefrau (49) in der ehelichen Wohnung in Eppendorf erstochen zu haben. Als Motiv gilt die Trennungsabsicht der Frau , eine Schneiderin. Zur Tatzeit hatte sie auf einer Matratze in ihrem Arbeitszimmer gelegen und offenbar geschlafen.

Stichkanal sei 25 Zentimeter tief gewesen

Der Angeklagte muss mit totalem Vernichtungswillen auf Brust und Bauch eingestochen haben. Gerichtsmediziner Dr. Andreas Freislederer (54) berichtete am Dienstag: „Einer der Stiche hat den gesamten Körper durchstoßen.“ Der Stichkanal sei 25 Zentimeter tief gewesen, die Klinge des Küchenmessers 21 Zentimeter lang. „Das ist ein Hinweis auf die massive Wucht. Dann muss der Körper noch vier Zentimeter komprimiert worden sein.“ Die Stiche seien durch die Bettdecke und Bekleidung gegangen, „alle eng beieinander“.

„Bis zum Heft steckte das Messer drin"

Der erfahrene, seine Gutachten stets höchst anschaulich vortragende Obduzent, ging vor der Richterbank in die Knie, um den mutmaßlichen Tatablauf darzustellen: Der Angeklagte muss breitbeinig auf seiner Frau draufgesessen haben. Das Opfer habe „keine Gegenwehr“ geleistet, es gebe keinerlei Abwehrspuren. Freislederer sah die Leiche auch schon bereits am Tatort: „Bis zum Heft steckte das Messer drin.“

Trotz dieser Brutalität sei die Frau „nicht sofort tot“ gewesen, sagte er. Tatsächlich hatte eine Nachbarin auch noch einen Schrei gehört. „Es dauerte 15 bis 20 Sekunden, bis sie das Bewusstsein verlor.“

Urteil folgt noch

Der Angeklagte, der mit seiner Frau einen Kiosk betrieben hatte, ist bisher nicht vorbestraft. Jetzt aber droht ihm „lebenslänglich“. Zur Tatzeit hatte er 2,85 Promille Alkohol im Blut gehabt. Er glaubt, sagte er am Dienstag, dass seine Frau die Bettdecke noch über Kopf hochgezogen habe, um sie „als Schutzschild“ zu haben. „Dann habe ich zugestochen.“ Direkt nach der Tat hatte er selbst die Polizei alarmiert: „Ich habe gerade meine Frau umgebracht.“

Ein Urteil folgt noch.

Bernd Kiesewetter



Kommentare
Aus dem Ressort
Irrfahrt jüdischer Flüchtlinge nachrecherchiert
Gedenken
Im Zusammenhang mit der Erinnerung an die Pogromnacht vom 9. November 1938 haben Schüler sich der Geschichte des Flüchtlingsdampfers St. Louis gewidmet. 900 Juden aus Deutschland wollten mit dem Schiff nach Kuba fliehen, darunter auch drei Familien aus Bochum.
Freie Szene in Bochum fürchtet weitere Einsparungen
Kulturförderung
An der Gussstahlglocke auf dem Rathausplatz läutete die Freie Bochumer Kulturszene die „Alarmglocke“, weil sie sich und ihre Angebote im Kern bedroht sieht. Anlass des Protestes sind die Sparmaßnahmen der Stadt im Rahmen der Haushaltssperre.
Opel-Parkplatz in Laer wird zur grünen Oase
Opel
Der Bebauungsplan 940 wird um das untere Werksgelände an der Alte Wittener Straße erweitert. Die frei werdende Fläche soll dem Grünzug E angegliedert werden. Ein Lebensmittel-Discounter wollte dort ansiedeln, hat aber keine Chance. Bei einer Sport- oder Freizeitanlage sieht das allerdings anders aus
13-jährige Internet-Freundin vergewaltigt – drei Jahre Haft
Prozess
Zwei Vergewaltigungen warf die Anklage dem 18 Jahre alten Marler vor. In Wattenscheid soll er eine 13-Jährige, die er aus dem Internet kannte, zum Sex gezwungen haben, und in Recklinghausen eine 18-Jährige. Dem Landgericht Essen reichten die Beweise nur für die Wattenscheider Tat: drei Jahre Haft.
Hordel soll als Wohnstandort gestärkt werden
Planungen
Drei Brachflächen in Hordel, die nah beieinander liegen, will die Stadt zu Wohnbauland machen. Für das Areal am Rübenkamp wird ein Investor gesucht. Bezirk Mitte lehnt Vorhaben an der Hundsweide und an der Hüller-Bach-Straße ab.
Fotos und Videos
Mitgliederversammlung beim VfL
Bildgalerie
VfL Bochum
Messe Handmade
Video
Video