„Eine weltoffene, tolerante Stadt“
19.12.2011 | 18:27 Uhr 2011-12-19T18:27:00+0100
Bochum. Im WAZ-Interview spricht der Bochumer Kripo-Chef Andreas Dickel über Probleme und Vorzüge in Bochum. Bochum ist eine weltoffene, tolerante Stadt, in der es sich sicher leben, einkaufen, studieren lässt. Das finde ich klasse“, sagte er.
Seit März 2010 leitet Andreas Dickel die Kriminalpolizei in Bochum, Herne und Witten. WAZ-Leserbeirat Udo Kunstmann und Redakteur Bernd Kiesewetter haben ihm elf Fragen gestellt.
Wie stark ist die rechte Szene in Bochum?
Andreas Dickel: Insgesamt ist die Szene nicht groß und bisher auch nicht mit schwersten Straftaten auffällig geworden. In Bochum waren es überwiegend Propagandadelikte und Körperverletzungen, Provokationen, Rechts-Links-Konfrontationen. Aber wir betrachten die Szene sorgfältig und versuchen, eine Eskalation zu verhindern und die Szene insgesamt zu befrieden.
Wie erfolgt die ständige Beobachtung in Verbindung mit dem Staatsschutz?
Dickel: Alle verdächtigen Beobachtungen in dem Zusammenhang werden beim Staatsschutz ausgewertet. Der Staatsschutz ist auch selbst vor Ort, begleitet Demos und Infostände. Beobachtungen des Wachdienstes, der verdeckten Einsatztrupps, alle Mitteilungen von Bürgerinnen und Bürgern gelangen auf kürzestem Wege zum Staatsschutz.
„Wir, die Polizei, sind oft als erste da“
Mehrere Langendreerer fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen bei dem rechten Problem.
Dickel: Die intensive polizeiliche Präsenz in Langendreer in den vorigen Wochen diente dazu, den Frieden wieder herzustellen, was zunächst gelungen zu sein scheint. Wichtig ist, dass das anhält. Wir, die Polizei, sind oft als erste da, daher meine ich, dass wir die Leute nicht im Stich gelassen haben. Nun gilt es, diese Situation weiter auszubauen. Auch dabei sind wir aktiv, wie sich in den nächsten Wochen noch konkret zeigen wird.
Sehen Sie in Bochum auch eine nennenswerte linksextremistische Szene?
Dickel: Die linke Szene hat hier eine Tradition, die sich bis auf die 68er-Generation zurückverfolgen lässt. Und natürlich gibt es in diesem Spektrum wie im rechten Spektrum auch Leute, die ungeduldig, unduldsam sind und ihre Ziele schnell erreichen wollen und meinen, dass dafür Gewalt zulässig sein könne. Wie in der rechten Szene auch sind über solche extremistischen Grundgedanken hinaus und Straftaten im Bereich von Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Outings und Körperverletzungen keine noch gravierendere Straftaten aufgefallen.
Werden Polizisten auf das provokante Konfliktpotenzial „Jugend im Umgang mit Polizeibeamten“ geschult?
Dickel: Schon in der Ausbildung und in der regelmäßigen Fortbildung wird der Umgang mit gewaltgeneigten Situationen trainiert. Dazu gibt es Trainings für Bereitschaftspolizei bei Fußballspielen, Demos etc. Für Sachbearbeiter Jugendkriminalität gibt es Arbeitstagungen, Lehrgänge, Seminare.
„Bochum ist eine weltoffene, tolerante Stadt, in der es sich sicher leben, einkaufen, studieren lässt“
Sind Diskussionsrunden der Kripo an Schulen über Drogen und Alkohol vorstellbar?
Dickel: Wenn Schulen Projektwochen konzipieren, unterstützen wir gerne bei der Konzeption und vermitteln polizeiliche Themenaspekte. Auch zu Themen wie Mobbing hat die Polizei Hilfen für Schulen. Das ist nicht nur vorstellbar, das ist Realität.
Hat Bochum vermehrt mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern zu rechnen?
Dickel: Nein. Zwei Personengruppen sind zu unterscheiden: Zum einen die Menschen, die ihre Strafhaft regulär verbüßt haben. Zum anderen die, die freigelassen wurden, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden hat, dass eine nachträgliche Verlängerung der Sicherungsverwahrung rechtswidrig ist. Aus der 1. Gruppe leben im Bochumer Polizeibezirk etwa 40 Personen, aus der 2. Gruppe keine. Aber davon unbenommen werden Menschen irgendwann entlassen. Wir erfahren aber frühzeitig davon und entwickeln Konzepte, mit denen die Gefahr gemindert wird .
Wandelt sich Bochum kriminalistisch zu einer Weltstadt?
Dickel: Chicago war mal eine solche Stadt, als Prohibition das Entstehen der Organisierten Kriminalität begünstigte. Kapstadt hatte mal die meisten Morde pro Kopf, Mexico-City gilt als gefährlich wegen der Drogenkriege. All das haben wir in Bochum nicht. Weltbekannt sind die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität und unser Verfahren wegen des Wettskandals. Wir arbeiten mit vielen Staaten zusammen. Da sind wir Weltklasse, das weiß man auch in der Welt. Im Ruhrgebiet sind wir die sicherste urbane Region. Bochum ist eine weltoffene, tolerante Stadt, in der es sich sicher leben, einkaufen, studieren lässt. Das finde ich klasse.
„Wir verzeichnen in diesem Jahr weniger Angriffe auf uns“
Wie beurteilen Sie die allgemeine Sicherheitslage in Bochum?
Dickel: In keiner anderen Stadt des mittleren Ruhrgebiets ist die Gefahr, Opfer eines Gewaltdeliktes oder eines Verkehrsunfalls mit Verletzungen zu werden, so gering wie in Bochum, Herne und Witten. Auch der landesweite Trend der zunehmenden Gewalt gegen die Polizei scheint in Bochum gebrochen zu sein. Wir verzeichnen in diesem Jahr weniger Angriffe auf uns.
Was hat Sie seit Dienstbeginn in Bochum im Guten, was im Schlechten überrascht?
Dickel: Im Guten die gute Zusammenarbeit zwischen allen Direktionen, den Kollegen vor Ort wie auf der Führungsebene. Hier herrscht ein fachlich kompetenter aber ruhrgebietstypisch entspannter, offener Umgangston. Im Schlechten musste ich feststellen, dass viele Probleme, die ich gerne gelöst hätte, schon gelöst waren.
Was haben Sie, glauben Sie, in Bochum bereits verändert?
Dickel: Wir haben bereits viele Bereiche konstituiert, die die Arbeitsabläufe professionalisieren, damit wir bei schweren Katastrophen, Anschlägen unsere Arbeit gut machen können. Wir haben die Kriminaltechnik weiter verbessert, weil die Kollegen gute Vorschläge hatten. Wir haben die Arbeitszeit flexibler gestaltet.

13:27
Die Kommentare 1-3 scheinen mir von jemanden zu sein, der über den Tellerrand, hier: Langendreer, nicht hinauszublickn vermag.
Doch immerhin ganze 16 Autos wurden im Jahr 2010 in Bochum angezündet, Donnerwetter.
Das die Polizei Bochum sogar Personal der Hundertschaften und darüber hinaus noch jeden verfügbaren Beamten in den fraglichen Wochen in Langendreer eingesetzt hat ist scheinbar auch nicht bei jedem angekommen.
Wer darüber hinaus noch ein Patentrezept parart hat, wie Straftaten wirksam antizipiert werden können, sollte dies unbedingt den Sicherheitsbehörden mitteilen. Kleiner Tip: die Kurse für Kaffeesatzlesen und Glaskugelspekulieren der FHS sind dieses und letztes Jahr leider ausgefallen.
wer gründlich lesen kann ist klar im Vorteil ;-)
Die Kommentare zwei und drei sind nicht nur quasi identisch, sondern beziehen sich auf GANZ Bochum.
Der erste Kommentar bezieht sich GANZ AUSDRÜCKLICH auf Langendreer.
01:15
http://www.derwesten.de/nachrichten/immer-mehr-brennende-autos-in-nrw-id5151911.html
In keiner Stadt brennts öfter als in Bochum. Was alles verschweigt Herr Dickel noch alles???
01:12
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23:39
Herr Dickel, als Langendreerer muss mensch sich über Ihre Aussagen -ausgerechnet in diesem Jahr- TOT lachen.
Wo war denn bitte schön die Bochumer Polizei zuerst da, als die Neonazis zugeschlagen haben? Hakenkreuze gesprüht haben? Sich mit "Linken" "konfrontiert" haben? Provoziert haben? Für Langendreer stimmt ihre Aussage mitnichten.
Sehr aussagekräftig ist im Übrigen (v.a. in Verbindung damit, dass sie keinen einzigen konkreten Versuch anführen) die Formulierung, dass die Bochumer Polizei "versucht" eine Eskalation zu vermeiden und "versucht" die rechte Szene insgesamt zu befrieden.
Ebenso aussagekräftig ist das Fehlen jedweder Aufklärungserfolge. Die Nazis haben viel angerichtet:
http://www.langendreer-gegen-nazis.de/chronik-der-nazi-aktivitaten-langendreer-2011/
Abgesehen davon, dass die Bochumer Polizei in aller Regel nicht zu den ersten zählte, die da waren: wen konnte sie denn überführen?
Alle Vögel schießen Sie jedoch hiermit ab: "Die intensive polizeiliche Präsenz in Langendreer in den vorigen Wochen diente dazu, den Frieden wieder herzustellen" :-)
In den vorigen Wochen? Seit MÄRZ tobten sich mehrere Neonazis in Langendreer mächtig aus (siehe Link oben zur Chronik). Wo war die Polizei in den letzten neun Monaten? Und was hat sie alles erreicht?
Aber die Bochumer Polizei hat Glück: die Lokalpresse ist ihr sehr wohlgesonnen und unterstützt nach Leibeskräften das Schönwetter machen.