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Eine Kino-Ära geht zu Ende

23.10.2012 | 17:10 Uhr
Eine Kino-Ära geht zu Ende
Szenenfoto aus Giuseppe Tornatores „Cinema Paradiso“.Foto: Endstation Kino

Bochum. Das Kino Endstation im Bahnhof Langendreer hat seine über 30 Jahre alten
35-mm-Projektoren gegen einen Server + Hochleistungsbeamer getauscht.

Auf wie viel Liebgewonnenes mussten wir nicht schon verzichten: C 60-Cassetten, Telefone mit Wählscheibe, VHS-Recorder… und jetzt ist auch noch das letzte Bochumer Kino vom Lauf der Zeiten überholt worden. Die „Endstation“ im Bahnhof Langendreer hat beide 35-mm-Projektoren gegen einen Server und einen Hochleistungsbeamer getauscht.

Ganz eigener Zauber

Das Kino und seine Technik: Über 100 Jahre war das Filmevorführen eine mechanische Angelegenheit; ratternd liefen die 35-mm-Kopien über Rollen, Walzen, Zahnräder durch die schweren Projektoren, vorbei am glühenden Xenonkolben, vorbei an der Lampe, die den Ton abtastet, transportiert vom Malteserkreuz.

Der Projektionsraum hatte sein eigenes Charisma, aber eben auch seine Tücken: Lag der Film nicht richtig drin oder schrammte er über Metall, bildeten sich schwarze und grüne Laufstreifen auf der Filmkopie. Oder er riss unvermittelt mitten in der Vorstellung – alles schon erlebt.

Gleichwohl wohnte Opas Cinema-Kunst ein Zauber inne, der wahre Kino-Fans nicht nur für die Filme, sondern immer auch für die Technik einnahm. Man denke an Wim Wenders Roadmovie „Im Lauf der Zeit“ (1976), wo Rüdiger Vogler und Hans Zischler im Vorführraum eines Kinos in Hof namens „Weiße Wand Lichtspiele“ stranden und dort über den Film als die „Kunst des Sehens“ philosophieren.

Solch’ Nostalgie ist das eine, das tägliche Geschäft das andere. Tatsächlich werden über 90 Prozent der heute verfügbaren Filme von den Verleihen ausschließlich digitalisiert angeboten. Die Filme – besser gesagt: die Film-Daten – kommen auf Festplatte in den Kinos an, werden von einer Software eingelesen, hochgeladen, und auf Knopfdruck „abgefahren“. Cleane, hypersensible Technik hat die robust-gemütliche Vorführkunst abgelöst. Und was die Wartung angeht, ersetzen längst Netzwerk-Experten die Technik-Schrauber.

Ganz auf die über 30 Jahre alten Projektoren will die von Kino-Liebhabern geführte „Endstation“ dann aber doch nicht verzichten; ab und an soll Archivmaterial als 35-mm-Kopie gezeigt werde. Los geht’s heute (24.10.) um 19 Uhr mit „Cinema Paradiso“. Giuseppe Tornatores Film spielt in der Nachkriegszeit in einer sizilianischen Kleinstadt: ein Junge freundet sich mit dem kauzigen Filmvorführer des örtlichen Kinos an, wird seine rechte Hand und lernt mit ihm und von Filmen - das Kino wird zur Schule der Erziehung. Projiziert wird auf den Markplatz, die Piazza, für jung und alt, arm und reich.

Das Kino vereint sie alle.

Jürgen Boebers-Süßmann


Kommentare
28.10.2012
08:29
Eine Kino-Ära geht zu Ende
von Bochumer_Jung | #2

Was wieder nicht in den Zeichenbegrenzer passte...
Cinema Paradiso ist ein unfassbar großartiger Film, den ich leider noch nirgendwo in einem Kino gesehen habe, auch wenn es altersmässig hingehauen hätte...
Was habe ich 1989 gemacht, anstatt in diesen Kinofilm zu gehen, ich weiß es leider nicht mehr. Und hier greift wieder die Umwandlung, es gibt AD/DA-Wandler für Musik. Dank moderner Technik durfte ich diesen Film im TV sehen.

Ich bin daher nicht in der Lage, moderne Technik abzulehnen oder mit Endzeitgedanken zu belegen wie hier im Artikel. :-)

28.10.2012
08:02
Eine Kino-Ära geht zu Ende
von Bochumer_Jung | #1

Als Schlagzeile wurde wieder einmal gesamtdeutsch aufrührerischer Ausdruck gewählt, das kennt man in dem schlechtem Stil seit Jahren auch aus dem WDR Fernsehen. Man möchte Staatsfernsehen sein mit der Bedeutung einer Bundesmetropole. Das ist aber auf politischen Willen hin schon lange von Bonn nach Berlin umgezogen, auch der WDR sollte sich langsam den Tatsachen hingeben.

Hier geht es lediglich um die Umstellung von analog zu digital. Das wäre so, als wenn ich (Baujahr 1978) noch nie eine CD gekauft hätte, sondern seit meiner Geburt immer nur LPs und Vinyl-Singles. Ich habe hier tatsächlich noch einen Vinyl-Dreher stehen, ganz kann man sein Geburtsjahr nicht abschütteln. Aber was mir viel wichtiger ist, als immer nur irgendwelche Enden zu betonen, das ist die Umwandlung von staubiger Geschichte in aktuelle Geschichte.
Und da ich hier vermutlich mit Bochumern rede, wie hieß das Kino in Ehrenfeld, Ecke Ehrenfeld/Alte Hattinger? Für sachdienliche Hinweise wäre ich mehr als dankbar. :-)

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