Ein visionärer Fahrraderfinder

Stefan Munding hat eine Vision. Eine Vision, für die er kämpft, viele Jahre schon, seit 2010, obwohl er immer wieder Rückschläge ertragen muss. Sein Projekt heißt „Elektro-Neige-Dreirad“ und soll unter anderem Menschen mit Behinderung wieder die Möglichkeit geben, in die Freuden des Fahrradfahrens zu kommen.

Auf den ersten Blick sieht Mundings Dreirad nicht wirklich besonders aus. Nur, wer Geduld hat und die eine oder andere Runde mit dem Gefährt über den Platz dreht, erfährt langsam, wieso dieses Rad so richtig und wichtig ist, vor allem für alte Menschen. Zum einen unterstützt das Rad den Fahrer mit einen Elektromotor. Das ist alleine nichts Neues und seit längerem als Pedelec bekannt. Zusätzlich hat das Dreirad allerdings eine Neigefunktion. Das Rad ist also nicht starr wie es ein gewöhnliches Dreirad ist, sondern der vordere Teil neigt sich so wie ein reguläres Zweirad. Es kann je nach Bedarf also so eingestellt werden, dass es gar nicht umkippen kann, weder im Stehen noch im Kurven-Fahren. Noch dazu ist der Sitz des Gefährts tiefer gelegt, ein Aufstieg ist also auch für Menschen mit einer Gehbehinderung gut möglich.

„Die Idee dazu ist mir gekommen, als ein Geschäftspartner chinesische Dreiräder importieren wollte. Eines dieser Räder hat mir als Vorlage gedient“, so Stefan Munding. Das Problem des Dreirads aus China war die Bauweise: „Die Qualität war in Summe nicht so, wie man das Rad in Deutschland hätte verkaufen können“, so der Ingenieur. Also bastelte Stefan Munding zusammen mit der Firma Franken Metalltechnik an einer besseren Version. Bei den Elektromotoren ist ihm E-Bike-Solutions behilflich, so entsteht nach und nach der Prototyp des ersten Rads, das schließlich auch einen Käufer findet - einen Menschen mit Behinderung. Das war anfangs gar nicht geplant: „Ich hatte Angst, dass diesen Menschen mit dem Rad etwas passiert“, sagt der 52-Jährige. Doch der schwer gehbehinderte Mann fühlt sich ab der ersten Runde mit dem Dreirad wohl. Ein neuer Markt ist geschaffen - durch Zufall. „Ich war einfach verwundert, dass gerade gehandicapte Menschen mit dem Rad so gut klar kommen“, so Munding. Mittlerweile wurden auch schon ein paar weitere Räder an zufriedene Kunden verkauft.

Doch der große Durchbruch des Neige-Dreirads bleibt aus - bis heute. Vor allem fehlt dem Erfinder eines, ein Rahmenbauer, der auch bei kleiner Stückzahl vernünftige Preise garantiert. Denn über 3000 Euro, maximal 3500 Euro soll das Neigerad nicht kosten. Aufgeben will Stefan Munding seinen Traum vom Fahrrad für Gehbehinderte nicht. Auch wenn er an Wochenenden weit über 1000 Stunden Arbeit und viel Geld investiert hat, ohne wirklich etwas zurückzubekommen. Dafür ist er zu überzeugt von seinem fundierten Traum.