Ein total verrückter Haufen

Langendreer..  Das ist wirklich ein ganz schön verrückter Haufen, dieser Chor. Die Sänger verleihen platt getretenen Kaugummiresten auf den Straßen der Bochumer City ihre Stimme, einige engagieren sich für Frauengesang im Iran, sie sind „Radio-aktiv“ beim WDR-Quiz – aber sie können auch einfach nur ganz herrlich singen. Wenn „crescendo“ auf dem Notenblatt steht, dann soll die Musik lauter werden. Aber wenn „Crashendo“ auf dem Programm steht, ist einfach alles möglich.

Zunächst einmal: Profession der Sängerinnen und Sänger ist natürlich der pure Gesang in den verschiedensten Ausprägungen. Gern auch, wie beim Dezemberkonzert in der Gerther Christuskirche, mit Spekulatius und Prosecco. Der Chor besteht seit 20 Jahren, und auf dem Programm stehen Popsongs von den Ärzten bis Michael Jackson, ebenso jazzige Klassiker von Andrew Carter oder auch mal ein Madrigal wie „Matonamiacara“ des weit gereisten Komponisten Orlando di Lasso.

Die Aktiven scheinen aber immer wieder Nebenschauplätze zu finden, auf denen sich Sangeskunst und andere Ausdrucksformen von Kultur annähern und verbinden. Die Sache mit den Kaugummiresten wurde von Studentinnen der Ruhr-Uni an Crashendo herangetragen. Es ging um ein Projekt im Masterstudiengang, das die Handlungsmacht zeigt, die von Dingen ausgehen kann.

Die 40 000 Euro, die von der Stadt jährlich ausgegeben werden, um (nun sprechende) Kaugummireste von den Straßen zu entfernen, sind eine veritable Macht. Die Studentinnen produzierten mit den Crashendo-Sängern einen originellen Audio-Spaziergang. „Das hat uns enormen Spaß gebracht“, bilanziert Altistin Gabriele Dahle. „Und den Studentinnen ein glattes ‚sehr gut‘“.

Aufnahme einer CD geplant

Der kreative Chorleiter Oliver Noack, gleichzeitig auch begnadeter und innovativer Arrangeur, und seine 25 bis 30 Vokalisten arbeiten hart, um neben dem reinen Gesang auch regelmäßig an der Stimmbildung zu feilen und die Bühnenpräsenz zu verbessern. Die ist schon sehr gut, mit Choreographien und variablen Aufstellungen „gewürzt“. Aber die Vorsitzende Dorothée Henzler neigt ebenso wie Oliver Noack dazu, die Auftritte möglichst perfekt über die Bühne zu bringen. Dafür gibt es Sonderproben, Probenwochenenden und Intensivproben.

Immer wieder bietet Crashendo auch Schnupperproben an, um weitere Mitsingende zu gewinnen. „Verstärkung ist immer gut“, lacht Henzler und meint damit auch jene Frauen-Gruppe im Chor, die gerade fleißig ein persisches Lied übt. Es ist ein sehr bekanntes Stück und soll abschließend gefilmt und an einen iranischen Filmemacher geschickt werden, der gerade einen Film über eine Sängerin in seiner Heimat macht.

„Das Lied klingt ganz schön fremd für unsere Ohren“, stellt Dahle fest. „Frauen im Iran ist es nicht erlaubt, öffentlich und solo zu singen.“ Mit Einspielungen von Frauen aus aller Welt, die das bekannte persische Lied singen, wollen die beteiligten Crashendo-Mitglieder Mut machen und Verstärkung sein.

Und vielleicht landet dieses Lied ja sogar auf der geplanten ersten CD des Chores. Man hat die Bürger beim Spenden-Voting der Sparkasse 2013 offenbar so überzeugt, dass die Vokalisten zu den Gewinnern zählten und nun ins Studio gehen können.