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Ein Ort der Versammlung

28.11.2007 | 19:59 Uhr

Synagoge als geistliches und soziales Zentrum einer Gemeinde Ein Rabbiner erläutert die wesentlichen Elemente eines jüdischen Gotteshauses

SCHWERPUNKT: ZUR ERÖFFNUNG DER BOCHUMER SYNAGOGE (TEIL 1) Weit mehr als ein Ort des Gebetes ist für Juden die Synagoge. Sie ist Versammlungsstelle und gleichzeitig soziales Zentrum der Gemeinde. Genau diesem Zweck soll das neue Bochumer Gotteshaus und Gemeindezentrum dienen. Für die 1200 Gemeindemitglieder entsteht auch ein gesellschaftlicher Mittelpunkt, der den Ansprüchen einer gewachsenen Gemeinschaft gerecht werden kann. Dr. Daniel S. Katz war viele Jahre lang Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Duisburg. Für die WAZ erläutert er die Bedeutung einer Synagoge für die Gläubigen und das Gemeindeleben.

"Prinzipiell ist es so, dass sich Juden nahezu überall zum Gebet versammeln können", so Katz. Für die Gottesdienste in der Synagoge sind jedoch bestimmte Voraussetzungen notwendig. Besonders wichtig sind dabei die Thorarollen, die im Thoraschrein aufbewahrt werden und auf zwei Holzstäben aufgewickelt sind. Ein Thoramantel umhüllt die Rollen und schützt sie gleichzeitig.

Natürlich gibt es viele rituelle und historische Gründe für die Aufbewahrung in Rollenform. Dr. Katz gibt eine ganz praktische und einleuchtende Erklärung: "Es sind zwei Rollen, weil die fünf Bücher Mose nicht auf einer Rolle Platz gefunden hätten." Außerdem gab es vor der Erfindung des Buches ausschließlich Schriften in Rollenform.

Für die Lesung aus der Thora ist eine Erhöhung, die so genannte Bima vorgesehen. Nicht unbedingt vorgeschrieben für den Gebetsraum ist der siebenarmige Leuchter, der jedoch auch in der neuen Bochumer Synagoge seinen Platz finden wird. "Er soll an den Tempel in Jerusalem erinnern, in dem sich der Überlieferung nach auch ein siebenarmiger Leuchter gefunden haben soll", so Dr. Katz. Dies sei eine sehr starke Tradition in der jüdischen Kultur und Religion geworden.

Je nach Ausrichtung der Gemeinde, zwischen Orthodoxie und liberalem Judentum, ist während des Gottesdienstes eine Trennung zwischen Frauen und Männern vorgesehen. Mit dem Einbau einer Empore wurde dafür in Bochum zumindest die Möglichkeit geschaffen. Dr. Katz, der in New York seine Ausbildung zum Rabbiner begann, erläutert, dass es aber auch andere Möglichkeiten der Trennung der Geschlechter gebe.

Eine im Judentum höchst umstrittene Geschichte ist die vom Orgelspiel. Hatte die Bochumer Gemeinde vor der Nazizeit ein solches Instrument und war durch seinen bekannten Kantor Dr. Erich Mendel sogar berühmt für die synagogale Musik, wurde für die neue Synagoge auf den Einbau eines Instrumentes verzichtet. Wenig bekannt ist, dass eine Synagoge entweder nach Osten (Richtung Jerusalem) ausgerichtet ist, oder aber zumindest in der Synagoge das hebräische Wort für Osten angeschlagen sein soll. Doch neben den Gottesdiensten, die an einem Sabbat auch bis zu drei Stunden dauern können, hat eine Synagoge auch eine nicht zu unterschätzende soziale Funktion. "Ich bin mir sicher, dass mindestens genauso viele Menschen den Gottesdienst besuchen, um mit Freunden zu sprechen wie mit Gott", so Katz. Aus der Arbeit in Duisburg weiß er, wie wichtig ein solches Zentrum für die Entwicklung der Gemeinde ist.

Die Bochumer Gemeinde ist noch auf der Suche nach einem eigenen Rabbiner. Zwar hat es schon einige Bewerbungen für dieses Amt gegeben, eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen. Für die Einweihung der Synagoge am 16. Dezember wurde der ehemalige Landesrabbiner Dr. Henry D. Brandt eingeladen, der auch für den religiösen Teil der Festlichkeiten zuständig sein wird.

Von Michael Weeke

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