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Berufsjubiläum

Ein Meister kennt keinen Ruhestand

01.04.2012 | 08:00 Uhr
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Ein Meister kennt keinen Ruhestand
Der 89 Jahre alte Heinrich Eichenauer, feiert am Sonntag, 1. April, sein 75. Berufsjubiläum.Foto: Ingo Otto

Bochum. Ende 1945 kam Heinrich Eichenauer aus der russischen Gefangenschaft zurück nach Bochum, um wieder bei den Malerwerkstätten Mohr an der Kohlenstraße zu arbeiten. Firmengründer Gerhard Mohr ließ den Heimkehrer damals in der Dachkammer seines Malerei- und Verglasungsbetriebs wohnen. „Morgens habe ich mir immer den Schlüssel unten abgeholt und bin in die Werkstatt“, erinnert sich Eichenauer.

Am Sonntag feiert der fast 90-jährige Maler- und Lackierermeister sein 75-jähriges Dienstjubiläum. Wie geht das, lässt sich staunen – dauert ein durchschnittliches Arbeitsleben in der Europäischen Union heutzutage doch gerade mal 34,5 Jahre, meldet zumindest das Statistische Bundesamt. Für Eichenauer sind solche Maßstäbe überhaupt kein Thema. Mit 14 Jahren begann er bei Mohr seine Lehre. Seit den 50er-Jahren arbeitet er ausschließlich in leitender Funktion.

Mit dem eigenen Wagen zum Kunden

Obwohl er seine führende Position im Unternehmen offiziell zum 65. Lebensjahr aufgab, arbeitet er weiter. Freiberuflich kümmert er sich ständig um die Belange der Firma. Er fährt noch immer mit dem eigenen Wagen auf Kundenbesuche oder begleitet Meister zu Aufträgen in ganz Deutschland.

Im Betrieb hat Eichenauer ein schmuckes Büro und erledigt seine Geschäfte am alten Nussbaum-Schreibtisch des Firmengründers.

Auch Kunden zu gewinnen, gehört zu seinen vornehmlichen Aufgaben. „Gerade erst hat Herr Eichenauer wieder die Renovierung eines Verwaltungsgebäudes in Berlin an Land gezogen“, sagt Dr. Gerd-Bernd Mohr (73), Seniorchef und Sohn des Firmengründers. Er blickt dabei anerkennend auf seinen ältesten Mitarbeiter. Eichenauers Fähigkeit, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, schätze er besonders, sagt Mohr.

"Die Kirche im Dorf lassen"

„Außergewöhnlich an ihm ist sicher auch, dass er bis heute noch jedem Kunden mit frohem Gesicht entgegentreten kann. Das ist nicht selbstverständlich – wie viele streiten sich“, fügt er an. Eichenauer selbst führt seinen Erfolg auf eines seiner Arbeitsprinzipien zurück: „Das Wichtigste im Berufsleben ist, die Kirche im Dorf zu lassen, damit man sich immer wieder sehen lassen kann“, sagt er.

Das Handwerk habe sich im Laufe seiner Berufsjahre stark verändert: „Ein Handwerker war früher ein anerkannter Mann, weil er alles selber machen musste.“ Fertig produzierte Farben etwa gab es lange nicht. Da habe der Maler schon selbst wissen müssen, wie er sie anmischt, erklären Eichenauer und Mohr gemeinsam. In 75 Berufsjahren hat der in zweiter Ehe verheiratete Jubilar unzählige Aufträge abgewickelt. Während der Nachkriegszeit etwa wurden viele öffentliche Gebäude, wie die Stadtwerke oder Schulen, neu verglast, erzählt Seniorchef Mohr. Auch dekorative Arbeiten auf Kreuzfahrtschiffen gehören zum Spektrum.

Im Schatten der Probsteikirche aufgewachsen

Besondere Freude machen dem Katholik Eichenauer Renovierungs- und Restaurationsarbeiten in Kirchen. „In Bochum gibt es kaum eine katholische Kirche, an der Herr Eichenauer nicht beteiligt ist“, sagt sein Chef schmunzelnd. „Ich bin im Schatten der Propsteikirche aufgewachsen“, erzählt Eichenauer. Er gehe dort jeden Sonntag zur Messe, sagt er mit fester Stimme. Es lässt sich ahnen, dass ihm auch der Glaube Kraft gibt, die Arbeit am Montag wieder aufzunehmen.

Nadja A. Juskowiak

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