Ein Leben mit Contergan
01.05.2010 | 00:00 Uhr 2010-05-01T00:00:00+0200
Bochum.Edgar (49) hat schon sein Leben lang mit einer Behinderung zu kämpfen. Seine Arme sind dank Contergan verkrüppelt. Jetzt wirbt er mit einem Schild in der Fußgängerzone um Unterstützung: „Ich bitte um eine Spende – Danke!“
Mit viel Geschick fischt Edgar das Feuerzeug aus der Tasche. Er dreht es zwischen seinen verkrüppelten Fingern, knipst zweimal. Dann brennt die Zigarette in seinen Mundwinkeln. „Ein Sturmfeuerzeug“, sagt der 49-Jährige.
Er braucht’s. Steht er doch bei Wind und Wetter in der Fußgängerzone. Was er will, weiß jeder sofort: „Ich bitte um eine Spende“, steht auf dem Schild, das Edgar um den Hals trägt. Und: „Danke!“
Das Schicksal des gebürtigen Kasslers ist auf den ersten Blick zu erkennen. Seine Hände und Arme sind verkümmert. „Contergan“, sagt er. Die Mutter nahm vor 50 Jahren in der Schwangerschaft das Schlafmittel. Der Säugling kam behindert zurWelt. Die Behinderung bringt ihm jetzt eine monatliche Rente von 1000 Euro ein. Dafür muss das Pharma-Unternehmen Grünenthal aufkommen.
Edgar zuckt mit den Schultern. Das Geld helfe ihm kaum, über die lebenslange Behinderung hinweg. Er erinnert sich: „Ich wurde von Kindheit an gepiesackt.“ Man glaubt ihm gerne, wenn er sagt, dass er eigentlich von Anfang an kaum eine berufliche Perspektive hatte, keine Chance zum Aufstieg. Nach der Schulzeit auf dem Behinderteninternat habe er eine Lehre als Maschinenbauer gemacht. „Direkt danach war ich dann arbeitslos.“
Von den 1000 Euro finanziere er sich eine kleine Wohnung. Das Geld reiche für Miete, Nebenkosten und ein paar Lebensmittel. Mehr sei nicht drin, seit er keine Unterstützung von der Arge mehr bekomme. „Die wollten mich arbeiten schicken“, sagt er. Die Job-Agentur habe ihm einen Posten als Nachwächter in Frankfurt angeboten. „Wie soll ich denn dort hinkommen?“
Das Schild helfe ihm beim Betteln weiter. Edgar zögert: „Es bringt etwas mehr.“ Es sei aber nicht viel, was so im Laufe eines Tages zusammenkomme. „7,40 Euro waren es gestern.“ Mehr sei nicht drin.
Seit zwei Jahren stehe er jetzt hier auf der Straße. Edgar wandert auf und ab. Mal steht er vor der Drehscheibe, mal vor dem Schuhgeschäft an der Kortumstraße. Eine Frau greift Edgar von hinten über die Schulter und steckt etwas in die Büchse. Nicht alle Menschen seien so freundlich, sagt er. „Ich bin schon oft beschimpft worden.“
Wenn der Arbeitstag auf der Straße vorbei ist, dann gehe er nach Hause. Er versorge sich selbst. „Alles“, sagt er. Viel Freizeitprogramm habe er nicht. „Radio hören, was essen und danach Geschirr spülen. Ab und zu mache er etwas mit Freunden. „Ich bin nur froh, dass ich ein Dach über dem Kopf habe.“
Die Hoffnung auf einen Job sei noch nicht dahin. Er kommt auf den Nachtwächterberuf zurück. Das sei aber für ihn hier in der Region wohl aussichtslos. „Die nehmen heute alle Rentner. Die sind billiger.“
Auch mit Grünenthal hat Edgar noch nicht seinen Frieden gemacht. „Die könnten mehr zahlen, dann bräuchten wir nicht hier ‘rumzulaufen.“

09:00
Es ist aber nicht nur die Behinderung, mit der die Contergangeschädigten heute noch zu kämpfen haben.Von Klein auf wurden sie gehänselt, verspottet und teilweise von den Eltern in Heime abgeschoben - kann sich jemand vorstellen welch Schaden eine Seele dadurch nimmt? Heute kämpft ein Großteil dieser Geschädigten mit den Folgeschäden, mit täglichen großen Schmerzen - einem höheren finanziellen Aufwand für Wohnung, Änderung der Kleidung, Heil- und Hilfsmittel usw. Möchte jemand mit diesen Menschen tauschen? Ich sehe die Forderung der Contergangeschädigten nach einer höheren Entschädigung gegenüber der Firma Grünenthal und auch der BRD als gerechtfertigt an. Kriegsopfer und auch Opfer von Gewalttaten in Deutschland werden nach dem Bundesversorgungsgesetz besser entschädigt als die Opfer der Contergankatastrophe obwohl bekannt ist wer für die Schädigungen verantwortlich ist. Ich selbst bin nicht Contergangeschädigt, unterstütze die Forderungen dieser Menschen in vollem Umfang. Wenn auch sie die Geschädigten unterstützen möchten so informieren sie sich über das immer noch brisante Thema im Contergannetzwerk.de
15:59
Der Verweis auf die Sozialhilfe ist angesichts des Umstandes, dass nicht nur die Firma Grünenthal, für die deren Eigentümerfamilie Wirtz verantwortlich zeichnet, sondern auch der Staat in mittäterschaftlicher Schuld steht, eine Unverschämtheit! Die Conterganopfer mit Verlust ihrer Arme und Beine und/oder weiterer wesentlichen Behinderungen wurden den wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie, insbesondere Grünenthals, geopfert. Als letztes Land im ganzen EWR-Raum musste Deutschland zum Erlass von Arzneimittleschutzgesetzen durch die Römischen Verträge gezwungen werden.
Trotz staatlicher Mitschuld nahm der Staat den Opfern ihre Ansprüche gegen Grünenthal weg, indem er Grünenthal per Bundesgesetz von allen Ansprüchen freigestellt hat.
Und die Opfer sollen aufs Sozialamt?
Nähere Infos: www.contergannetzwerk.de
09:48
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09:29
Zu Contergannixfür: Der Mann geht also nur zum Spaß auf die Straße betteln? Sie sollten sich, bevor Sie sich ein Urteil erlauben, zuerst über den Mehrbedarf Behinderter informieren. Lt. Ihrem Pseudonym, gehe ich davon aus, dass Sie selbst geschädigt sind? Falls ja, dürften Sie ein leichtes Leben gehabt haben, Eltern, die zu Ihnen gestanden sind und Sie gefördert haben. Bedenken Sie, bitte, dass nicht jeder von den Contergangeschädigten dieses enorme Glück hatten! Ich empfinde es als eine große Schande, ein Armutszeugnis Deutschlands, dass die Conterganopfer bis dato nicht gerecht entschädigt wurden! Wer sich näher informieren möchte: www.contergannetzwerk.de LG Femme
23:08
Na ja, so schlimm kann es nicht sein. Neben der Conterganrente steht ihm noch Sozialhilfe zu. Es gibt noch die jährliche Einmalzahlung, die weit über 3000,- Euro liegen.
21:07
Wie der im Artikel vorgestellte Edgar haben zahlreiche Contergangeschädigte mit Folgen ihrer Behinderung zu kämpfen. Zudem gilt: Von einer durch den Staat finanzierten Conterganrente erhalten diese Opfer je nach Schweregrad ihrer Behinderung bis zu max. 1116 Euro im Monat. Das Geld reicht verständlicherweise nicht aus, um den behindertenbedingten Mehraufwand auszugleichen, den die teilweise schwerstbehinderten Opfer haben. Milliardärsfamilie-Familie Wirtz, der der Conterganhersteller Grünenthal gehört, verweigert den Conterganopfern jede Entschädigung, obwohl die Firma Grünenthal einen Gewinn von jährlich ca. 100 Mio. Euro zu verzeichnen hat und Familie Wirtz bereits jetzt über ein Gesamtvermögen von über 3 Milliarden Euro verfügt (siehe www.contergannetzwerk.de).
20:49
Zur Erinnerung. Contergan wurde von der Fa. Grünenthal von 1957 bis 1961 vermarktet, angeblich ohne Nebenwirkung. Das Ergebniss mehrere tausend schwer behinderte Kinder wurden geboren. Sehr viele ohne richtige Arme und Beine und sonstiger Gebrechen. Siehe bitte www.gruenethal-opfer.de
20:42
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