Ein Bochumer ist „Präsi“ des Dortmunder Kult-Karnevals

Roman Henri Marczewski (links, mit Steiger Martin Kaysh) ist Mitbegründer und „Präsi“ des Dortmunder Geierabends.
Roman Henri Marczewski (links, mit Steiger Martin Kaysh) ist Mitbegründer und „Präsi“ des Dortmunder Geierabends.
Foto: Geierabend
Was wir bereits wissen
In Bochum ist der Geierabend nur mäßig bekannt. Dabei ist es ein Bochumer, der den Dortmunder Kult-Karneval gründete und seit 23 Jahren „Präsi“ ist.

Bochum/Dortmund.  . In Dortmund, Witten und im RE- Kreis ist der Geierabend Kult. Bochum hingegen gilt für die alternativen Jecken als Diaspora. Um so witziger, dass ausgerechnet ihr Präsident aus der geierabendfreien Zone kommt.

„Einige Bochumer trauen sich durchaus zu uns. Aber es stimmt: Auch nach zwei über Jahrzehnten hat der Geierabend die Stadtgrenze nach Bochum nur vereinzelt überschritten“, staunt und schmunzelt Roman Henri Marczewski, „Präsi“ und Mitbegründer der Ruhrpott-Revue in Dortmund.

Zwar nicht dem Karneval, wohl aber der Kultur fühlte sich der 62-Jährige stets verbunden. Nach seiner Dreher-Lehre zog der Bochumer zunächst als Straßenmusiker mit Klampfe und Kontrabass, später mit der „Mobilen Einsatzkapelle“ (MEK) durch die Lande, bereitete die Bühne für das Bochumer Amateurtheatertreffen und war Mitbegründer des Kulturhauses Thealozzi. Anfang der 1990er war es die Stunksitzung in Köln, die Marczewski zum Lachen und ins Grübeln brachte. Mit dem organisierten Sitzungskarneval hatte und hat er nichts an der Kappe. Die Mischung aus Comedy und Musik, gewürzt mit einer gehörigen Portion Spott und Lokalkolorit, könnte in der fünften Jahreszeit aber auch im Revier funktionieren.

Conchita, Kadett und Currywurst

Mit dem Kabarettisten Augustin Upmann zog er 1992 die erste Geierabend-Staffel im Dortmunder Theater Fletch Bizzel auf. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Seit 1999 im Industriemuseum Zeche Zollern in Bövinghausen daheim („für uns noch immer eine ideale Location“), begeistert das Geierabend-Ensemble Jahr für Jahr rund 20 000 Besucher. Damals wie heute thront Marczewski als Präsi an der Spitze. Keine Staffel hat er trotz einiger gesundheitlichen Pro-bleme verpasst. Seine zur Mütze umfunktionierte rote Strumpfhose zählt ebenso zu den Markenzeichen wie die „Awo-Oppas“ und „Die Zwei vonne Südtribüne“.

„Nach uns die Currywurst“, heißt das 24. Geierabend-Programm, das vor einer Woche eine umjubelte Premiere feierte. Der 1,60 Meter kleine und doch so großartige Marczewski ist diesmal unter anderem in einer Satire der Vox-„Shopping Queen“, als Conchita Wurst in Zwiesprache mit seinem/ihrem Bart und mit Martin F. Risse (ein weiteres Urgestein) als wahnwitziger „Hossa Boy“ zu bewundern.

Als einzigem Bochumer im Ensemble ist ihm sein Heimspiel in der Nummer „Born in ‘nem Opel Kadett“ besonders wichtig: eine Hommage an den Blitz-Klassiker, der in Bochum „nicht gebaut, sondern großgezogen wurde“; zugleich eine Abrechnung mit den kühl kalkulierenden Blitz-Birnen, die tausende Jobs plattgemacht haben. Für den Geierabend „der zweite Tritt in den Arsch. Einen dritten wird’s nicht geben. Ist kein Arsch mehr da...“

Bochum kommt im Currywurst- Programm mehr denn je zur Geltung. Dies nährt des Präsis Zuversicht, dass sich diesmal nicht nur vereinzelte Bochumer nach Dortmund verirren. Mit Currywurst kennen wir uns ja bestens aus...