Eigentümer setzt nach Hausbrand 5000 Euro Belohnung aus

Anfang der 1970er Jahre ließ Dieter Olschewski das Eigenheim der Familie an der Virchowstraße in Querenburg bauen. Von dem Bungalow steht nur noch das Erdgeschoss.
Anfang der 1970er Jahre ließ Dieter Olschewski das Eigenheim der Familie an der Virchowstraße in Querenburg bauen. Von dem Bungalow steht nur noch das Erdgeschoss.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Dieter Olschewski glaubt, dass das Eigenheim seiner Familie durch Brandstiftung zerstört worden ist. Die Wochen nach dem Feuer waren nervenzehrend.

Bochum.. Dieter Olschewski sucht immer noch nach der Antwort: Wie konnte es passieren, dass ein verheerender Brand seinen Bungalow an der Virchowstraße in Querenburg fast vollständig zerstörte? Auch knapp vier Monate nach dem Feuer in den frühen Morgenstunden des 15. Oktobers des vergangenen Jahres stellt sich der 75-Jährige diese Frage. Olschewski ist sich sicher, dass es Brandstiftung war, die ihm sein Heim genommen hat: „Davon gehe ich zu 100 Prozent aus.“ Der Hausbesitzer hat deshalb jetzt eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro ausgelobt - für Hinweise, die Antworten auf seine Fragen geben. Die Summe teilt sich Olschewski mit seiner Gebäudeversicherung. Es ist einen Versuch wert, glaubt der 75-Jährige.

Mit einem Gartenschlauch und einem Feuerlöscher gegen die Flammen

Es sind wohl die Rauchmelder, die den Bewohnern des Hauses Virchowstraße Nummer 50 an diesem Morgen das Leben retten. Als die Geräte Alarm schlagen, um kurz nach vier Uhr morgens, springt Olschewski in der ersten Etage des zweigeschossigen Gebäudes aus dem Bett und sieht, wie aus dem Zimmer des Sohnes nebenan Rauch quillt. Er blickt noch in einen Raum weiter und sieht dort „einen riesigen Feuerball“. Die Situation wird chaotisch. Olschewski weckt seine 72-jährige Frau Christina, der 40-jährige Sohn hält sich zu diesem Zeitpunkt im Gartenhaus auf.

Der 75-Jährige stürmt nach unten und trommelt an die Tür der Mieter im Erdgeschoss, dort leben eine Hochschwangere, ihr Mann und zwei kleine Kinder. Die Feuerwehr ist alarmiert. Familie Olschewski versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Mit einem Gartenschlauch und einem Feuerlöscher gehen sie gegen die Flammen an - vergeblich. Olschewski versucht, noch einmal in die Wohnung zu gelangen und Habseligkeiten zu holen - keine Chance: „Der Brand hat sich so schnell ausgebreitet... - als die Feuerwehr da war, stand alles schon lichterloh in Flammen“, erinnert sich Olschewski bewegt.

Seine Frau und sein Sohn werden vom Feuer im Garten eingeschlossen. Schutz vor den Flammen suchen sie unter einer alten Tischtennis-Platte. Die Feuerwehr muss die beiden später über das Nachbar-Grundstück retten. „Die Tischtennis-Platte wollte ich schon mal entsorgen“, sagt Olschewski, „zum Glück habe ich das nicht gemacht.“ Bei der Rettungsaktion wird ein Feuerwehrmann leicht verletzt. Katze Mira überlebt den Brand nicht. „Sie ist elendig verbrannt“, sagt der 75-Jährige, „wir haben sie später gefunden.“

„Wir existierten nicht mehr, als wir aus dem Krankenhaus kamen“

Die hochschwangere 38-Jährige aus dem Erdgeschoss und Familie Olschewski werden in Krankenhäuser gebracht. Die Mieterin zeigt Anzeichen eines Schocks, bei den Olschewskis besteht der Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung, sie haben leichte Brandverletzungen. Dieter Olschewski entlässt sich nach drei Tagen aus der Klinik und sucht die Bank auf, in der er die Berater kennt: „Wir existierten nicht mehr, als wir aus dem Krankenhaus kamen“, erzählt er. Keine EC-Karten mehr, keine persönlichen Dokumente, keine Autoschlüssel. Alles verbrannt.

Olschewski hat Glück, dass sich sein Arbeitgeber, eine in Pulheim ansässige Firma für industriellen Rohrleitungsleitungsbau, überaus entgegenkommend zeigt. Zwei Tage pro Woche ist der 75-Jährige dort noch als Montageleiter tätig. Das Unternehmen spendiert ein Handy, einen Leihwagen für die nächsten Tage und eine Unterkunft im Rittergut Haus Laer. „Damit hätte ich nie gerechnet“, ist Olschewski noch immer dankbar.

Während Olschewskis mittlerweile auf 56 Quadratmetern in einer Mietwohnung leben, die sie über Bekannte bekommen haben, surren an der Virchowstraße die Lüfter, zwei in jedem Raum. Die Wohnung im Obergeschoss ist komplett niedergebrannt, die im Erdgeschoss aktuell unbewohnbar. Reste des Löschwassers sind in den Außenwänden versickert. „Seit acht Wochen sind wir mit der Trocknung zugange“, sagt Olschewski. Seine Stromkosten allein für die Lüftung beziffert er auf rund 13.000 Euro. Für einen großen Teil der Kosten, allein die Ausgaben für Abrissarbeiten liegen nach Angaben des Eigentümers im mittleren fünfstelligen Euro-Bereich, wird wohl die Versicherung aufkommen. Den durch den Brand entstandenen Gesamt-Sachschaden schätzt Olschewski auf rund eine halbe Million Euro.

Polizei: „keinerlei Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung“

Dieter Olschewski spekuliert, dass Unbekannte etwas Brennbares von einem hinter dem Haus gelegenen Fußweg durch ein geöffnetes Fenster in den Bungalow geworfen haben könnten. Es wäre nicht das erste Mal. Der 75-Jährige berichtet von Sträuchern, die auf seinem Grundstück in der Vergangenheit mehrfach in Brand gesetzt worden seien. Zur Tragik dieser Geschichte gehört, dass mehrere Brandsachverständige und die Polizei nach dem Vorfall vom Oktober „keinerlei Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung“ gefunden hätten, wie ein Sprecher des Präsidiums sagt. Die Brandursache bleibe damit offiziell ungeklärt. Die polizeilichen Ermittlungen seien inzwischen abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft entscheide nun darüber, ob sie endgültig eingestellt werden. Verschließen will sich die Polizei möglichen Hinweisgebern damit nicht. Sie könnten sich unter 0234/909-0 melden.

Den Bungalow hat Olschewski Anfang der 70er Jahre in Querenburg bauen lassen. Die Familie möchte dort wieder einziehen, auch wenn ihnen zwischendurch Zweifel gekommen sind: „In meinem Alter ist das schon eine Belastung“, sagt der 75-Jährige. Auch seine Frau habe der Brand mitgenommen: „Ich habe gesagt: Ich will nicht mehr in Bochum bleiben. Aber dann kam die Überlegung: Wir haben hier 40 Jahre unseres Lebens verbracht, sollen wir jetzt noch irgendwo anders hinziehen?“

Am Bungalow steht noch der Briefkasten der Familie

Die Bauvoranfrage für den Wiederaufbau seines Hauses hat Olschewski schon Mitte Dezember bei der Stadt gestellt - und erstmal nichts gehört. Inzwischen habe eine Sachbearbeiterin zugesagt, das Verfahren „ein bisschen zu beschleunigen“. Überstanden hat den Brand der Briefkasten am Bungalow. Post für die Familie kommt noch immer zur Virchowstraße 50. Dieter Olschewski hofft, dass bald wieder gute Nachrichten dabei sind.