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Kulturszene

Ehrenfeld zeigt Zukunft

23.08.2010 | 17:05 Uhr
Ehrenfeld zeigt Zukunft
Kulturdezernent Michael Townsend im Sommergespräch mit der WAZ-Kulturredaktion. Foto: Ingo Otto

Bochum. Im Sommergespräch setzt Kulturdezernent Michael Townsend große Hoffnung auf die kreative Szene im Ehrenfeld und den neuen Intendanten Anselm Weber. Es ist nicht alles trübe in Kultur-Bochum

Eine lauschige Atmosphäre: mittags bei schönem Wetter auf den Freisitzen der Traditionsgaststätte Rietkötter gegenüber von der Probsteikirche. In die Sonne blinzelnd fällt es schwer, mit harten Bandagen das Bochumer Kulturleben aufzudröseln, das ohnehin unter den Fesseln der Haushaltssperre stöhnt. Beim WAZ-Sommergespräch mit dem Kulturdezernenten Michael Townsend soll deshalb nicht ein weiteres Mal über die Kulturszene als Tal der Tränen und fehlenden Finanzen geklagt werden.

Wo bleibt das Positive, Herr Kästner? Diese Frage, die vor vielen vielen Jahren dem literarischen Vater von „Emil und die Detektive“ gestellt wurde, soll - so weit wie möglich - für Kultur-Bochum beantwortet werden.

Mit allerlei Kunsthandwerklichem

Voll des Lobes ist Michael Townsend über das kleine Rottstr5-Theater (die WAZ berichtete schon). Auch darüber hinaus gefällt ihm vieles, was sich derzeit im weiteren Umfeld (dem Ehrenfeld) entwickelt. Dort haben sich etliche teils illustre Gastronomien und Läden angesiedelt wie Orlando und Freibad, „Stückgut“ mit allerlei Kunsthandwerklichem im Angebot, der Modeladen Maniero und das Cafe „Fräulein Coffea“. Nicht zu vergessen die Gaststätte „Goldkante“, an der im Moment noch gewerkelt wird. Dieses kleine Szene-Zentrum sei die „Fortsetzung dessen, was dort schon an Lebensqualität vorhanden ist“, befindet der Kulturdezernent.

Ein kreatives Quartier könne man eben nicht „künstlich ansiedeln“. Es entstehe dort, wo sich ein entsprechendes kulturelles Umfeld befinde, im Ehrenfeld natürlich in erster Linie das Schauspielhaus mit seinen 300 Angestellten. Auch die Ruhrgebietsbibliothek und die Nähe zum Bermuda-Dreieck seien Faktoren, die zur Entwicklung einer kulturell geprägten Szene beitragen würden.

Umworbene Kreativwirtschaft

Die derzeit allseits so umworbene Kreativwirtschaft frage „nach der Atmosphäre, nach der Anmutung jener Stadt“, in der sie sich anzusiedeln gedenke. Das kleine Zentrum im Ehrenfeld komplettiere das, „was wir (als Stadt) planen“, merkt der Kulturdezernent an.

Stichwort Schauspielhaus, immerhin nach dem Wiener Burgtheater mit 1400 Plätzen das zweitgrößte Theater im deutschsprachigen Raum: Michael Townsend lobt Elmar Goerden, dessen „Ernsthaftigkeit und das Missachten von allen populistischen Tendenzen“. Goerden habe in Bochum viele Freunde gewonnen, „ohne sich dabei kumpelhaft anzubiedern“.

Als eine seiner Lieblingsinszenierungen von Goerden nennt Michael Townsend Horváths „Geschichten aus dem Wienerwald“. Townsend zusammenfassend über den gerade verabschiedeten Intendanten: „Theater ist sein Leben.“ Und er schiebt dem WAZ-Kulturredakteur jene Rede über den Tisch, die er zum Abschied von Elmar Goerden gehalten hat.

Kein Sunnyboy der Kritik

Darin stellt der Dezernent fest, dass Elmar Goerden von Anfang an „sicher nicht der ‘Sunnyboy’ der Kritik gewesen ist“.

Und im Weiteren heißt es, wohl nicht ohne Schmunzeln: „Möglicherweise hätte ein aufsehenerregender Vorfall im Stile einer handgreiflichen Kantinen-Auseinandersetzung“ Elmar Goerden bundesweit medial erfolgreicher in Szene gesetzt. Michael Townsend spielt dabei natürlich auf die nächtliche Schlägerei zwischen Intendant Leander Hausmann und seinem Regisseur Jürgen Kruse an. Lang , lang ist’s her

Doch zurück zu nüchternen Zahlen: Zwar habe Intendant Matthias Hartmann die höchsten Besucherzahlen seit langem verzeichnen können, die Goerden-Jahre mit 170 000 Besuchern pro Spielzeit könnten da indessen durchaus mithalten.

Zum Nachfolger: Anselm Weber sei der erste Intendant, „denn ich berufen konnte“, so Townsend. Was er bisher von dessen Planungen erfahren habe, sei „konzeptionell außerordentlich stark und wegweisend“. Weber und sein Team würden „die Latte sehr hoch hängen“. Townsend: „Was Menschen unterschiedlicher Herkunft im Rucksack haben, das wird wichtig sein in der nächsten Zeit“.

Die erste Spielzeit von Intendant Anselm Weber beginnt am 23. September.

Werner Streletz

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Kommentare
25.08.2010
12:58
Ehrenfeld zeigt Zukunft
von Weggezogener | #2

Ach und, wie lange gibt es Orlando und Freibad nun schon... 12 Jahre, gar 13?!

25.08.2010
12:53
Ehrenfeld zeigt Zukunft
von Weggezogener | #1

In zwei Tagen null Kommentare. Stimmt, an dieser städtischen Schleimspur bleibt nun auch wirklich nichts haften...

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