Ehepaar am Wiesental lebte quasi in einer namenlosen Straße

Renate und Klaus Stein forderten zusätzlich zum Grete-Penelope-Mars-Platz eine Beschilderung der Erlenstraße. Die wurde jetzt vorgenommen.
Renate und Klaus Stein forderten zusätzlich zum Grete-Penelope-Mars-Platz eine Beschilderung der Erlenstraße. Die wurde jetzt vorgenommen.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Kreuzung am Wiesental wurde nach einer Kunstfigur benannt. Dafür verschwand das alte Schild Erlenstraße. Anwohner waren sauer. Jetzt ist eine neue Tafel da.

Bochum.. „Über Kunst sollte man nicht streiten“, sagen Renate und Klaus Stein. Über ein fehlendes Straßenschild sehr wohl. Zwei Monate lebte das Ehepaar am Wiesental quasi in einer namenlosen Straße. In diesen Tagen wurde die Tafel „Erlenstraße“ zwar wieder aufgestellt. „Ein Schildbürgerstreich!“, ärgern sich die WAZ-Leser gleichwohl.

Mit Grete Penelope Mars fing alles an. Ende April wurde der Dame an der Friederikastraße, am Eingang zum Wiesental, ein Denkmal gesetzt. In einer feierlichen Zeremonie wurde der bislang namenlosen Kreuzung zudem der Titel Grete-Penelope-Mars-Platz verpasst.

Grete wer?, fragte sich mancher Anwohner. Keine Bildungslücke: Frau Mars gibt es nicht. Sie ist eine fiktive Figur, ausgedacht von der Düsseldorfer Künstlerin Kristina Buch als Schlusspunkt des Kunstfestivals Detroit-Projekt, mit dem das Schauspielhaus und Urbane Künste Ruhr ein Jahr lang Ungewöhnliches in unserer Stadt realisierten.

Suche nach skurriler, nachhaltiger Kunst

Penelopes Büste und die Platz-Benennung zeugen von der Suche nach skurriler, nachhaltiger Kunst. OB Ottilie Scholz zeigte sich sehr angetan. „Erst dachte ich: Was für eine verrückte Idee. Doch inzwischen bin ich total begeistert!“

Gretes Nachbarn sind es weniger. „Wo ist unsere Erlenstraße geblieben?“, fragten sich Renate (66) und Klaus Stein (71), als sie kurz nach der Enthüllung der Skulptur bemerkten, dass das Straßenschild an der Einmündung Friederika-straße verschwunden war. Stattdessen prangt dort die Tafel „Grete-Penelope-Mars-Platz“.

Die Steins besitzen zwei Häuser auf der Erlenstraße. Kürzlich erwarteten sie Interessenten für eine freie Wohnung, Studenten aus Köln. „Wir warteten umsonst. Irgendwann riefen die Jungs an und entschuldigten sich: Sie haben die Straße nicht gefunden“, schildert Klaus Stein. Alsbald irrte ein Lkw-Fahrer durch die Siedlung. „Der war völlig am Ende und fragte verzweifelt: Ist das die Erlenstraße?“

Im Mai forderten die Anwohner beim Tiefbauamt: „Wir wollen das Schild wieder, gern auch über oder unter Grete!“ Reaktion: „Gleich null. Es hieß, man wolle sich kümmern. Aber es tat sich nichts.“

Neues Erlenstraßen-Schild montiert

Auf WAZ-Anfrage betont das Presseamt, dass niemals geplant gewesen sei, Grete allein an der Erlenstraße hängen zu lassen. „Das alte Schild Erlenstraße ist beschädigt worden. Von Anfang an war Ersatz vorgesehen. Aber das dauert eine geraume Zeit. Bei der Produktion hat zum Beispiel das Stop-Zeichen Vorrang vor Straßenbenennungschildern“, erklärt Stadtsprecher Thomas Sprenger.

Ob die Steins diese Version glauben? Wie bei der Kunst sollte man darüber besser nicht streiten...

Fakt ist: In diesen Tagen wurde ein neues Erlenstraßen-Schild montiert. Zwar auf der anderen Straßenseite. Gretes Nachbarn sind dennoch zufrieden. Einer dauerhaften Freundschaft mit Frau Mars steht nichts mehr im Weg.