E-Rollstuhlfahrerin: "Ohne Hilfe wäre ich aufgeschmissen"

Nicht immer rollstuhl-gerecht: Carola Kraft hat oft Schwierigkeiten, wenn sie mit ihrem Elektro-Rolli in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist.
Nicht immer rollstuhl-gerecht: Carola Kraft hat oft Schwierigkeiten, wenn sie mit ihrem Elektro-Rolli in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Carola Kraft ist schwerbehindert und bewegt sich mit einem elektrischen Rollstuhl fort. In Bus und Bahn braucht sie jedoch immer wieder Unterstützung.

Bochum.. Carola Kraft ist 57 Jahre alt, Frührentnerin und seit 1996 schwerbehindert. Sie leidet unter verschiedenen Krankheiten, die sie in ihrer Bewegung einschränken und ist deshalb auf eine elektrisierte Unterstützung angewiesen. Bis Dezember vergangenen Jahres war sie deswegen mit einem Elektro-Scooter unterwegs. „Am Nikolaustag wollte mich der U35-Fahrer dann nicht mehr mitnehmen.“

Seit dem 4. Dezember 2014 ist eine Mitnahme der Scooter in den Verkehrsmitteln der Bogestra nicht mehr möglich. „90 Prozent aller Verkehrsunternehmen in Deutschland haben nach einem Gutachten des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen so entschieden“, erläutert Bogestra-Pressesprecherin Sandra Bruns. „Die E-Scooter sind in den Fahrzeugen nicht wendbar, sie rutschen und das ist einfach zu gefährlich.“ Auch vorher habe es in der Hand des Fahrers gelegen, zu entscheiden, ob eine Mitnahme sicherheitstechnisch möglich ist.

Doch Kraft möchte mobil bleiben, am sozialen Leben teilhaben. „Ich fahre einkaufen, zu Ärzten und möchte auch mal ein bisschen rauskommen.“ Seit zwei Wochen nutzt sie aus diesem Grund einen geliehenen E-Rollstuhl.

Probleme beim Ein- und Ausstieg

Doch auch jetzt habe sie bei ihren Fahrten mit Bus und Bahn Schwierigkeiten: Bei den älteren Modellen der U 35 beispielsweise sei die Einstiegskante oft zu hoch. „Wenn ich Fahrgäste, die mir helfen, nicht hätte, wäre ich aufgeschmissen“, berichtet sie. „Ich rufe dann immer: Ich brauche zwei starke Männer.“ Auf Hilfsbereite stoße sie dabei zwar immer wieder, doch das Gefühl der Abhängigkeit bleibe. „Meine Lebensqualität ist dadurch beeinträchtigt.“

Rampen für den Einstieg

Bruns hat eine Erklärung: „Die älteren Modelle der U-Bahn wurden im Jahr 1989 konzipiert, da war die Gesellschaft noch nicht so weit wie jetzt. Es gibt jedoch seit über zehn Jahren einen Arbeitskreis, der sich mit dem Bedarf von Gehbehinderten auseinandersetzt und Einfluss auf die Gestaltung der Fahrzeuge und Ähnlichem nimmt.“ So sind in den neueren Modellen an der jeweils vordersten Tür Rampen angebracht. „Unsere Fahrer klappen diese aus, helfen bei den älteren U-Bahnen aber auch beim Einstieg“, sagt die Pressesprecherin dazu.

Kraft hat einen anderen Eindruck. Die Fahrer seien oft genervt oder unfreundlich. „Gestern habe ich dem Fahrer wegen der Rampe gewunken, doch er hat nur zurückgewunken und ist einfach weitergefahren.“

Für sie steht fest: „Ich möchte keinen Krieg, sondern nur barrierefrei unterwegs sein.“